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1948: 1.FCN - 1.FC Kaiserslautern 2:1 (2:0)

8. .August 1948, Stadion Köln-Müngersdorf

1.FCN: Schaffer, Uebelein I, Knoll, Bergner, Kennemann, Gebhardt,  Herbolsheimer, Morlock, Pöschl, Winterstein, Hagen

Kaiserslautern: Hölz, Huppert, Kohlmeyer, E. Liebrich, W. Liebrich, Klee,  Grewenig, F. Walter, O. Walter, Baßler, Christmann

Tore: 1:0 Winterstein (10.), 2:0 Pöschl (23.), 2:1 Übelein I (62., Eigentor)

SR: Burmester (Hamburg)

Zuschauer: 70.000

Schon zwei Spieltage vor Rundenschluss stand der Club als Meister der Oberliga Süd fest und war damit für die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft qualifiziert.

Nur eine 0:2-Heimniederlage ausgerechnet gegen die SpVgg Fürth, den späteren Absteiger, trübte die ansonsten makellose Heimbilanz. Auch auswärts hielt sich der Club an seinen Gegnern zumeist schadlos.

Max Morlock glänzte in der gesamten Saison als Spielgestalter und Vollstrecker. Mit 30 Toren verpasste er nur knapp die Torjägerkrone. Ohne Spielführer Willi Billi Billmann ging der Club jedoch in die Endrunde. Beim Oberligaspiel gegen Schweinfurt hatte ihm sein Gegenspieler den Ellbogen derart ins Gesicht gerammt, dass man das Krachen der Knochen noch auf der Tribüne hören konnte. Mit einem Kieferbruch fiel Billmann lange Zeit aus.

In der Vorrunde sollte der Club zunächst gegen den Ostzonen-Meister SG Planitz spielen. Doch die sowjetischen Behörden verweigerten der Zwickauer Vorortelf die Reiseerlaubnis, so daß der Club kampflos weiterkam.

In der Vorschlussrunde gegen den FC St. Pauli tat sich der Club dann unerwartet schwer, obwohl es bereits zur Pause durch Treffer von Hagen und Winterstein bereits 2:0 stand. Doch nachdem Zapf Gebhardt nach dem Seitenwechsel einen Elfmeter verschoss, war die Club-Herrlichkeit vorbei. Im Gegenzug verkürzten die Hamburger auf 2:1 und bestimmten fortan das Geschehen. Dennoch war der Ausgleich überflüssig.

Zuerst köpfte Gebhardt das Leder direkt in die Füße des gegnerischen Rechtsaußen, dann machte Schaffer einen großen Schnitzer, wohlgemerkt den einzigen in diesem Spiel. So musste die Verlängerung entscheiden. Schon in der 4. Minute der Verlängerung kam Pöschl nach einem Freistoß an den Ball und zog unwiderstehlich ab.

Nach den damaligen Regeln war das Spiel damit zu Ende. Der Club stand im Finale und Pöschl wurde von seinen Mannschaftskameraden schier erdrückt. Der Club hatte zum zehnten Mal das Endspiel einer Deutschen Meisterschaft erreicht. Das hatte vor ihm noch keine Mannschaft geschafft, die Schalker brachten es bis dahin nur auf neun.

Gegner im Finale im Müngersdorfer Stadion am 8. August 1948 ist der hochfavorisierte 1.FC Kaiserslautern, der mit seinen Wunderstürmern Fritz und Otmar Walter in der Vorrunde 1860 München und den TuS Neuendorf mit jeweils 5:1 ausgeschaltet hatte.

Der Sonderzug mit den Nürnberger Fans startet am Samstag um 22.09 Uhr in Nürnberg. Er ist voll besetzt. Am Montagmorgen um 5.46 Uhr sollten die Schlachtenbummler freudetrunken wieder im Hauptbahnhof in Nürnberg eintreffen:

Der Club hat seine siebte Deutsche Meisterschaft gewonnen. Im Club-Quartier in Königswinter prophezeiht ein Wahrsager vor dem Spiel den Spielausgang: Der Sieger wird drei Tore schießen, jedoch eines wird von Übel sein.

Die Stimmung bei den Cluberern ist optimistisch bis ausgelassen. Kurz vor der Abfahrt ins Stadion vergnügen sich die Spieler bei einer Wasserschlacht und auch im Bus selbst sorgt Schorsch Kennemann für Bombenstimmung. Man fühlt sich in der Außenseiterrolle pudelwohl.

Im Stadion selbst herrscht eine Gluthitze. 70.000 Zuschauer drängen sich erwartungsvoll auf den Rängen. 306.000 hatten Karten angefordert. Die etwa 1.000 Club-Schlachtenbummler machen mit ihren Kuhglocken, Trompeten und Sirenen einen Höllenlärm.

Gebhardt gewinnt die Seitenwahl, Kaiserslautern hat Anstoß. Schon in der zweiten Minute hat Bergner eine Riesenchance für den Club. Dann geht es hin und her, wobei Übelein I, Knoll und Bergner sowie insbesondere Kapitän Zapf Gebhardt, den Trainer Michalke gegen Fritz Walter gestellt hat, dem Kaiserslauterer Paradesturm schnell den Schneid abkaufen.

Den Rest, der dennoch vors Tor kommt, erledigt Schaffer. Torhüter Schaffer holt die schwersten Bomben aus den Ecken, berichtet damals Die Rheinpfalz in martialischen Worten.

Im Angriff erweist sich nur Herbolsheimer als Ausfall, die anderen Clubstürmer spielen schnell und wirkungsvoll. Schon in der 10. Minute wuchtet Winterstein eine Flanke von Herbolsheimer dem 1. FCK ins Netz.

13 Minuten später steht es durch einen Flugkopfball von Pöschl auf Flanke von Hagen 2:0. Herbolsheimer hat sogar in der 38. Minute die Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Doch anstatt sofort abzuziehen, glaubt er noch, den Tormann umspielen zu müssen. Das gelingt ihm zwar, doch dann trifft er das leere Tor nicht.

Nach dem Seitenwechsel macht Kaiserslautern endlich das Spiel, das die Zuschauer von ihnen schon zu Spielbeginn erwartet hatten. Immer mehr steht Club-Keeper Schaffer im Brennpunkt des Geschehens.

Der Druck wird stärker und in der 62. Minute fälscht ausgerechnet Abel Übelein, der letzte aus der Meistermannschaft 1936,  einen Flachschuss an Schaffer vorbei ins eigene Netz ab.

Ein Tor wird von übel sein der Wahrsager hatte recht behalten. Nun drängt Kaiserslautern vehement auf den Ausgleich, doch Schaffer bringt die Pfälzer Stürmer nahezu an den Rand der Verzweiflung.

Dann, in der letzten Minute noch einmal Freistoß für Kaiserslautern. Willy Neumeier, Sportreporter der Nürnberger Nachrichten schreibt in sein Notizbuch: 90. Min.: Strafstoß für K. 25 m torseitwärts.

Morlock köpft ihn 5 m vor dem Tor weg, der heranbrausende Baßler nimmt das Leder von 16 m aus der Luft, fetzt den schönsten Schuss des Tages, kaum sichtbar, aber fünf Meter vorbei. Schlusspfiff.

Als die siegreiche Elf am Montagabend mit dem D-Zug in Nürnberg ankommt, zelebrieren 100.000 Nürnberger einen begeisternden Empfang. Die geplante Begrüßungszeremonie muss angesichts der drängelnden Massen leider ausfallen.

Die Fahrt zum Zabo wird zum Triumphzug für den Meister. Selbst der amerikanische Stadtkommandant, Oberst James C. Barnett, lässt es sich nicht nehmen, dem Club zum Gewinn der ersten Nachkriegsmeisterschaft zu gratulieren. Ein paar Wochen später geben die Amerikaner den Zabo und das Clubhaus frei.

Die Presse ist sich einig: Der Club hat verdient gewonnen.

Willy Neumeier von den Nürnberger Nachrichten findet für das Spiel viele Worte: Nur wenige Auseinandersetzungen können sich rühmen, an Rasanz, Technik und Wucht diesem dramatischen, tempogeladenen Kampf gleichwertig gewesen zu sein. Das Auge war oft  besonders in der ersten Hälfte kaum in der Lage, bei den blitzschnellen Angriffen und Gegenstößen der beiden Mannschaften den raffinierten Finessen und Tricks zu folgen, die wie ein unaufhörlich sprudelnder Quell von jedem einzelnen Spieler überreich dargeboten wurden.

Die Texte und Bilder stammen mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch "Der Club - 100 Jahre Fußball", erschienen im Verlag W. Tümmel. Das Buch gibt es im 1.FCN-Fan-Shop.