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1924: 1.FCN - Hamburger SV 2:0 (1:0)

9. Juni 1924, Grunewaldstadion Berlin

1.FCN: Stuhlfauth, Bark, Kugler, Schmidt, Kalb, Riegel, Strobel, Hochgesang, Wieder, Träg, Sutor

Hamburger SV: Martens, Beier, Risse, Lang, Halvorsen, Krohn, Kolzen, Fick, Harder, Schneider, Rave

Tore: 1:0 Hochgesang (30.), 2:0 Strobel (87.)

SR: Seiler (Mittweida)

Zuschauer: 30.000

In einer wirtschaftlich wie politisch äußerst turbulenten Zeit (u.a. Währungsreform im Oktober 1923, im November Putschversuch in München) gehörten Clubsiege zu dem Wenigen, auf das man sich verlassen konnte.

Sowohl in der Bezirks- wie in der Süddeutschen Meisterschaft distanzierte der Club alle Rivalen und ging, neben dem Titelverteidiger HSV, als großer Favorit in die Endrunde. Die Viertel- und Halbfinalbegegnungen gegen Alemannia Berlin (6:1) und Duisburger SV (3:1) stellten auch erwartungsgemäß keine große Hürde dar. Etwas schwerer hatte es der Nordmeister HSV, der zwar Breslau locker ausschalten konnte (3:0), dann aber gegen Leipzig-Lindenau doch etwas Mühe hatte (1:0).

So kommt es zum großen Traumfinale, das in der Noris als die heißersehnte Revanche für die beiden siegerlosen Endspiele 1922 gehandelt wird. Auf Nürnberger Seite gibt es vor dem Spiel eine große Überraschung, als der gesundheitlich angeschlagene Halbstürmer Luitpold Popp, der sich ja schon so oft als sehr durchschlagskräftig erwiesen hat, zugunsten des 1923 vom FC Pfeil gekommenen Schorsch Hochgesang draußenbleiben muss.

Auf der anderen Seite ist der HSV durch den Ausfall des Stürmers Ludwig Breuel empfindlich geschwächt.

Unter den 30.000 Zuschauern sind jede Menge Hamburger. Nur 130 Clubfans, so heißt es, hätten sich für den Sonderzug nach Berlin gemeldet. Immerhin ist das neutrale Berliner Publikum auf Nürnberger Seite.

Viele erinnern sich noch an das endlose Endspiel vom Juni 1922, als HSV-Fans für Randale gesorgt hatten, zudem hatten die Hamburger im Finale des Vorjahres den Berliner Lokalmatadoren von Union Oberschöneweide mit 3:0 das Nachsehen gegeben.

Kaum ist der Anpfiff von Schiedsrichter Seiler ertönt, da reißt der Club sofort das Spiel an sich. Gekonnte Flachpasskombinationen bringen die Hamburger vollkommen aus der Fassung. Nach wenigen Minuten taucht Träg allein vor Torwart Martens auf, wird aber im letzten Moment von Risse geblockt.

Nürnberg ist drückend feldüberlegen, die Hamburger sind nicht in der Lage, einen spielerischen Zusammenhang zwischen Verteidigung, Mittelfeld und Angriff herzustellen. Doch vor dem Tor zeigt der Club wieder seine altbekannte Schwäche:

Im Hang zur Überkombination wird der Ball ewig hin- und hergeschoben, schließlich werden die Chancen kläglich vergeben. Doch kurz nachdem Träg den Ball aus aussichtsreicher Position wieder einmal über den Hamburger Kasten gehämmert hat, gelingt in der 30. Minute endlich das erlösende 1:0.

Beier wird vom kurzen Zick-Zack-Spiel der Nürnberger überspielt, und als Träg sieht, dass Risse und Martens die linke Torseite abdecken, spielt er kurz ab zu Hochgesang. Krohn kann nicht mehr eingreifen und der Ball landet im freien rechten Toreck.

In der zweiten Hälfte drängt der Club, der sich mit dem mageren 1:0 nicht zufriedengeben will, den HSV weiter in die Defensive. Doch wie schon im ersten Abschnitt, versieben die Stürmer in Weinrot eine Chance nach der anderen.

Vor allem Wieder, der als einziger einer insgesamt überzeugenden Mannschaft, so die Nürnberger Presse, ziemlich aus dem Rahmen  gefallen sei, haut den Ball ein ums andere Mal daneben.

Als beim Club zwischenzeitlich Bark wegen einer Fußverletzung ausscheidet, ergeben sich auch für die Hamburger einige Chancen. Im großen und ganzen hat aber die FCN-Abwehr mit dem für zwei rackernden Kugler, mit einem glänzend disponierten Kalb, der den Hamburger Stürmer-Star Tull Harder nicht zum Zug kommen lässt, sowie mit dem wie immer souverän klärenden Stuhlfauth alles unter Kontrolle.

Der Club kombiniert vor allem auf der linken Seite (Kugler  Riegel Sutor) gefällig. Die endgültige Entscheidung fällt dann allerdings in der 87. Minute über rechts, als Wolfgang Strobel seine größte Glanzleistung im Clubdress vollbringt: Der wieselflinke Außenstürmer schnappt sich einen von Risse abgeprallten Träg-Schuss, umspielt den Hamburger Verteidiger, versetzt dann auch noch Torwart Martin und schiebt den Ball zum 2:0 ins Tor.

Die Presse in Nürnberg war zufrieden: In einem hochklassigen, meisterwürdigen Kampf, hat der 1. FCN seinen großen Gegner in einem auch den letzten Nörgler an süddeutschem Klasse-Fußball überzeugenden Stil niedergerungen.

Auch der Fußball war voll des Lobes für den Club: Wohl noch nie hat ein Teilnehmer der Endrunde verdienter gewonnen, als am 9. Juni 1924 der 1. FCN! Nürnbergs Können stand unbestritten fest, und keine Minute lang kam der HSV als Favorit in Frage.

Eher etwas zerknirscht fiel der Kommentar der norddeutschen Presse (H.F. am Mittag) aus: Nürnberg war eine Einheit... Der HSV, der letzthin in leichteren Spielen seinem Stil untreu zu werden begann und anfing zu kombinieren, musste notwendigerweise mit diesem System vor der großen Aufgabe versagen, weil die Kombinationsmethode von ihm zu mangelhaft beherrscht wird, um einem so grossen Könner auf diesem Gebiet, wie Nürnberg, mit Erfolg Widerstand leisten zu können.

Die Texte und Bilder stammen mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch "Der Club - 100 Jahre Fußball", erschienen im Verlag W. Tümmel. Das Buch gibt es im 1.FCN-Fan-Shop.