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1925: 1.FCN - FSV Frankfurt 1:0 nV (0:0, 0:0)

7. Juni 1925, Frankfurter Waldstadion

1.FCN: Stuhlfauth - Popp, Kugler - Schmidt, Kalb, Riegel - Strobel, Wieder, Hochgesang, Träg, Sutor

FSV: Koch - Reitz, Heinig - Henß, Pache, Völler - R. Strehlke, Gattermann, Klump, A. Strehlke, Waldschmidt

Tor: 1:0 Wieder (108.)

SR: Guyenz (Essen)

Zuschauer: 40.000

Die Endspielteilnahme war der erste große Erfolg des FSV, der bis dahin nicht groß in Erscheinung zu treten vermochte. Daß sie überhaupt in die Endrunde gelangten, verdankten die Frankfurter der Entscheidung der DFB-Verantwortlichen, die Zahl der Endrundenteilnehmer auf 16 zu erhöhen. So hatten sich die Frankfurter als dritter Südverein - hinter dem Meister VfR Mannheim und dem Zweitplazierten 1. FCN - qualifiziert.

Der Club machte in der Endrunde mit SV Jena (2:0) und Breslau 08 (4:1) wenig Federlesens. Im Halbfinale spielte er den Duisburger SV im heimischen Wedaustadion mit 3:0 in Grund und Boden. Die Frankfurter hingegen hatten, außer im Viertelfinale gegen Schwarz-Weiß Essen (3:1), erhebliche Mühe: Schon im Achtelfinalspiel gegen den HSV (2:1) hatten sie in die Verlängerung gehen müssen, und dasselbe wiederholte sich noch einmal im Fürther Ronhof, als das Halbfinale gegen Hertha BSC (1:0) anstand.

Vor dem Endspiel, das  vor 40.000 Zuschauern im eben fertiggestellten Frankfurter Waldstadion stattfindet, gilt der mit seinen alten Kämpen angetretene Club gegenüber den weitgehend unbekannten Frankfurtern als haushoher Favorit.

Zwar hat Frankfurt einen Heimvorteil, aber der Club kann sich der Unterstützung einiger tausend Anhänger sicher sein, die mit drei Sonderzügen und etlichen Kraftwagen aus der Noris angereist sind und mit ihren rot-weißen Fahnen das Bild beherrschen.

In der ersten Viertelstunde drängt Frankfurt. Stuhlfauth kann seinen Kasten nur mit Mühe und Glück sauberhalten. Auch als es dem Club allmählich gelingt, Frankfurt in die Defensive zu drängen, erweist sich der FSV als der bislang stärkste Endspielgegner des Club.

Das Spiel des 1. FCN leidet darunter, daß das Kombinationsspiel zu engmaschig aufgezogen ist. Immer wieder werden die Angriffe schon weit vor dem Frankfurter Tor abgeblockt. FSV-Verteidiger Reitz, der einen Glanztag erwischt hat, und Mittelläufer Pache stehen wie ein Bollwerk.

Auf der anderen Seite sieht es kaum anders aus. Frankfurts sporadische Angriffe werden meist mit langen Pässen Paches eingeleitet, aber die ungenau geschlagenen Bälle landen fast immer bei den schnellen Club-Verteidigern Popp und Kugler. Aus Angst, bei einem eventuellen Gegentreffer gegen die sichere Frankfurter Deckung nichts mehr bewirken zu können, geht der Club in seinen Offensivbemühungen immer vorsichtiger zu Werke.

Außer Fouls tut sich auf dem Platz bald kaum mehr etwas. Zur einzig erregende Situation in dem immer langweiliger werdenden Spiel kommt es, als Stuhlfauth dem Frankfurter Stürmer Klump wutentbrannt den Ball an den Kopf wirft, nachdem dieser zum wiederholten Mal versucht hat, ihn samt Ball über die Linie zu drängen.

In der zweiten Halbzeit ergibt sich dasselbe Bild: Frankfurt plan- und hilflos, Nürnberg mangelhaft und erfolglos. Immerhin macht der Club nun etwas mehr Druck. Nach einer Serie von Eckbällen bekommen die Frankfurter den Ball nicht mehr aus dem Strafraum und im allgemeinen Gewühle ertönt der Pfiff des Schiedsrichters: Elfmeter! Es ist die 53. Minute.

Riegel tritt an, aber der schwach geschossene Ball landet genau in den Armen von Torhüter Koch.

Frankfurt kann sich jetzt wieder etwas befreien, bleibt aber in seinen Aktionen weiterhin harmlos. Aufregung herrscht lediglich, als der Frankfurter Gattermann plötzlich verletzt im Nürnberger Strafraum liegenbleibt. Sanitäter tragen ihn vom Feld.

Kurz darauf stürmt Dr. Rothschild, Vorstandsmitglied des FSV, erregt auf das Feld und liefert sich eine heftige Auseinandersetzung mit Stuhlfauth. Nach einigen Minuten wird das Spiel fortgesetzt, aber trotz spielerischer Überlegenheit des Club gelingt es den kampf- und konditionsstarken Frankfurtern, das 0:0 bis zum Ende der regulären Spielzeit zu halten.

In der Verlängerung lässt dann das Tempo des Spiels noch mehr nach. Die Hitze hat die Spieler erschöpft, und auch die Zuschauer sind allmählich ermüdet von den ergebnislosen Angriffsversuchen der Clubstürmer.

Als schon niemand mehr damit rechnet, bringt kurz nach dem Seitenwechsel eine Unachtsamkeit der Frankfurter Abwehr die Entscheidung. Wieder nimmt in Höhe der Mittellinie eine Vorlage Kalbs auf, umspielt den bis dahin fehlerlosen Reitz, zieht dann alleine aufs Tor zu und versenkt den aus rund 16 Metern scharf und plaziert abgeschossenen Ball in der rechten unteren Ecke.

Der Kommentator des Fußball zeigte sich ziemlich enttäuscht: "Man kann nicht sagen, daß dieser Schlusskampf spielerisch auf bedeutender Stufe stand. Dazu hafteten beiden Mannschaften zu viele Mängel an.

Da war vor allem Nürnbergs Sturm von Anbeginn nicht auf der Höhe, weder die Flügelstürmer noch das Innentrio arbeiteten so, wie man es von einem deutschen Meister erwarten musste. Die Arbeit war zwar im Felde zeitweise ganz passabel, aber vor dem Tore zeigte sich in noch höherem Maße als früher eine Unbeholfenheit, die direkt beängstigend wirken musste.

Nur gut, dass hinten alles auf dem Damm war, nur ein einziger Fehler der Deckung hätte voraussichtlich mit ziemlicher Sicherheit die Meisterschaft kosten können." Schwaches Spiel hin oder her: Mit nunmehr vier Titeln hatte der Club den VfB Leipzig überholt und war nun alleiniger Rekordmeister!

Die Texte und Bilder stammen mit freundlicher Genehmigung aus dem Buch "Der Club - 100 Jahre Fußball", erschienen im Verlag W. Tümmel. Das Buch gibt es im 1.FCN-Fan-Shop.