Freitag, 19.09.2014

Rassismus im Fußball: Wir, nicht die

Am Donnerstag, 19.09.14, trafen sich Interessierte und Experten im Grundig Stadion. Diskutiert wurde das Thema Rassismus im Fußball. Der Club war Unterstützer der Veranstaltung und auf dem Podium bei einer Diskussionsrunde vertreten.

Samy Sané war im Jahre 1988 der erste farbige Spieler beim Club. Er galt damals als Exot. Im aktuellen Club-Kader tummeln sich zwölf verschiedene Nationalitäten, im Trainerstab allein drei. "Der 1. FC Nürnberg hat allein deshalb ein hohes Eigeninteresse und eine hohe Motivation, dass für Rassismus kein Platz ist", sagt Katharina Wildermuth, die beim 1. FCN neben der Leitung der Abteilung Presse- & Öffentlichkeitsarbeit auch für das Thema gesellschaftliche Verantwortung und CSR verantwortlich zeichnet.

Sie war neben Christoph Ruf, Journalist und Autor, und Eberhard Schulz, Sprecher der Faninitiative !Nie wieder, Teilnehmerin der Diskussionsrunde „Umgang mit Vielfalt in einer multikulturellen Gesellschaft“. Unter dem Titel „Traumfußball – Rassismus im Abseits“ lud der Verein Bildung durch Sport e. V. und die Internationale Gesellschaft für Diversity Management e. V. in die bsk Lounge des Grundig Stadion in Nürnberg. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Aktionstages gegen Rassismus der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS), als Höhepunkt des Themenjahres „Gleiche Chancen. Immer.“ statt.

Internationalisierung des Fußballs

Diskriminierung, Ausgrenzung, Rechtsextremismus, Sexismus – Rassismus ist vielschichtig. Seit Anfang der 1990er Jahre war es vermehrt zu rechtsextremer Gewalt in Deutschland gekommen. Der Fußball setzte schon damals mit der Aktion „Mein Freund ist Ausländer“ ein deutliches Zeichen und demonstrierte Solidarität mit Opfern. Seitdem hat sich der Fußball internationalisiert. Ausländische Spieler und Mitarbeiter arbeiten respektvoll und friedlich in Fußballvereinen miteinander – auf und neben dem Platz.

"Fußballvereinen kommt eine gesellschaftspolitische Bedeutung beim Abbau von Unwissenheit und Vorurteilen zu, die zumeist Nährboden für Rassismus sind", ergänzt Katharina Wildermuth. "Wir können Verbindungen schaffen, um andere Kulturen aneinander näher zu bringen und Einblicke zu schaffen. Der tägliche Umgang verändert die Wahrnehmung von Ausländern. Folge ist eine Sensibilisierung, wenn man Kenntnisse von Fällen von Rassismus erlangt", betont Wildermuth. Wo steht die Gesellschaft im Umgang mit Vielfalt?

Interkulturelle Ausbildung, Verbot von rechten Symbolen

Positive Beispiele zeigen, wie interkulturelle Ausbildung für Trainer oder das Verbot von rechten Symbolen im Stadion und die Aufklärung darüber, Erfolge bringen können. Der Aufarbeitung der NS-Zeit kommt ebenfalls eine hohe Bedeutung zu. Der 1. FC Nürnberg hat als einer der ersten Bundesliga-Vereine Mitte der 1990er Jahre damit begonnen. Seit 2012 widmet sich das Club-Museum in einem eigenen Kapitel den düsteren Geschehnissen.

Eine Choreografie der Nürnberger Ultras-Gruppierung war der Anstoß für eine Gedenkveranstaltung, zu der der 1. FCN die Tochter des ehemaligen jüdischen Trainers Jenö Konrad (1930 bis 1932) eingeladen hatte. Im Rahmen der Veranstaltung rehabilitierte der 1. FC Nürnberg die ab 1933 im Nationalsozialismus ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder und Konrad, der aufgrund antisemitischer Hetze aus Nürnberg geflüchtet war, erhielt die Ehrenmitgliedschaft. „Wir begrüßen es und freuen uns sehr, dass Impulse gegen Rassismus oft von Fans ausgehen. Ein Phänomen, das häufiger zu beobachten ist“, ergänzt Wildermuth.  

Aufarbeitung der NS-Vergangenheit

Der 1. FC Nürnberg erhielt 2013, zusammen mit der Fangruppierung Ultras Nürnberg 1994, für diese Aufarbeitung und sein Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung und Rechtsextremismus den Julius Hirsch Preis (2. Platz) vom DFB. 2014 hat der Club den Internationalen U14-Cup, der jährlich am Sportpark Valznerweiher Mannschaften aus aller Welt anlockt, nach Jenö Konrad benannt. Darüber hinaus unterstützt der Club als einer von zwölf Standortorten in Deutschland das Kopfball Lernzentrum, in dem sich Jugendliche in Lernmodulen am Lernort Stadion mit Themen wie Integration auseinandersetzen.

Der 1. FC Nürnberg setzt sich auf verschiedenen Handlungsfeldern gegen Rassismus ein. Im Jahre 2012 prangte auf der Brust der Club-Profis der Slogan „Geh deinen Weg", eine Initiative der DFL, die auf Integrationsmöglichkeiten für Ausländer hinwies. Darüber hinaus ist der Club Teilnehmer der Internationalen Wochen gegen Rassismus, der Initiative "Show Racism the Red Card" und der Aktion "Schule ohne Rassismus". In der Vereinssatzung ist klar definiert, dass ein Mitglied aus dem Verein ausgeschlossen werden kann, wenn rassistische oder ausländerfeindliche Gesinnung zutage treten.