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Mittwoch, 23.01.2013

Evelyn Konrad durchflutete das dunkle Kapitel mit Licht

Die Veranstaltung „Jenö Konrad, Franz Salomon und der Club“ wurde zu einem Festabend, der unvergessen bleiben wird.

Das Podium mit Katharina Wildermuth (Pressesprecherin 1. FCN), Evelyn Konrad, Autor Bernd Siegler und Christian Mössner (UN94, v.l.) bildete das Zentrum einer gelungenen Gedenkveranstaltung.

84 Jahre, rüstig sowie voller Zuversicht und Freude – das ist Evelyn Konrad. Im späten Alter ein Studium abgeschlossen, oft auf Reisen und noch erfolgreich als Anwältin in New York tätig – auch das ist Evelyn Konrad. Im Jahr 1932 und im zarten Kindesalter aus Deutschland mitsamt der jüdischgläubigen Familie geflüchtet - traurig, aber auch das gehört zu Evelyn Konrad.

„Es macht mir ungeheure Freude, hier zu sein“, verkündete die Tochter des ehemaligen jüdischen Club-Trainers Jenö Konrad, der den Club von 1930 bis 1932 trainierte, zu Beginn ihres Auftritts. Die rund 300 Gäste, darunter der ehemalige Club-Präsident Michael A. Roth, Kult-Trainer Hans Meyer, das aktuelle Trainergespann Michael Wiesinger/Armin Reutershahn sowie Timmy Simons, Javier Pinola, Hanno Balitsch, Timothy Chandler und der Israeli Almog Cohen, waren prompt ganz still.

Spurensuche seit 1996

Nicht wegen des grandiosen Anblicks einer so geistig und körperlich gesunden Persönlichkeit, sondern aufgrund dieses ersten Satzes. Hautnah erlebte Konrad mit der gesamten Familie die Zeit im Nationalsozialismus, die stetige Flucht über viele Länder bis nach Amerika. Doch ihr Geist und ihr Frohsinn haben sich von diesen hässlichen Tiraden nicht trüben lassen. Evelyn Konrad ist einfach nur froh, „hier zu sein“.

Anlass der Veranstaltung war die Choreographie der Fangruppierung Ultras Nürnberg 1994 (UN 94) zum Spiel gegen die Bayern am 17. November 2012, als sie Jenö Konrad gedachten. Dass dann am Abend auch dessen Tochter Evelyn Konrad zugegen war, ist allein den Recherchearbeiten von Bernd Siegler, Autor vieler Club-Werke, zu verdanken. „My English isn’t excellent“ schrieb ihr Siegler einst, im Jahre 1996. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: „What a pleasure to hear such an excellent English.“ Prompt war der Kontakt geknüpft.

Choreographie rührte Evelyn Konrad

Es ließ sich zudem schon erahnen, was für eine bedeutsame Persönlichkeit hinter Evelyn steckt. Schlagzeilen des antisemitischen Hetzblattes „Der Stürmer“ wie „Der 1. FC Nürnberg geht am Juden zu Grunde“ oder „Werde wieder deutsch, dann wirst du wieder gesund“ ließen Jenö Konrad nicht kalt. Doch er hegte keinen Groll gegen den Verein. Das bestätigte am Abend auch seine Tochter.

Sinnbildlich dafür steht auch eine Karte, die der Trainer 1932 mit seinem „Zwangsabschied“ dem Verein hinterließ und der zum Hauptbestandteil der Choreographie wurde: „Der Club war der erste. Und muss der erste werden.“ Als Christian Mössner, Stellvertreter für UN 94, ein Video präsentierte, in dem die Herstellung der Choreographie dokumentiert ist, führte Evelyn Konrad gerührt an: „Ich kann nicht sagen, wie dankbar ich für diese Mühen bin.“

Tafel in Gedenken an den Ausschluss jüdischer Mitglieder

Im Sinne aller Menschen jüdischen Glaubens zeigt dies, was für Personen in der damaligen NS-Zeit vertrieben, misshandelt und getötet wurden. Dafür setzte der Verein mit Evelyn Konrad am Dienstagabend, 22.01.13, ein Zeichen und demonstrierte, dass rechtsorientiertes Gedankengut beim 1. FC Nürnberg keinen Platz mehr hat.

Zum Abschluss des Abends wurde durch Evelyn Konrad das Symbol der Wiedergutmachung an die ab 1933 im Nationalsozialismus ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder enthüllt: Eine Gedenktafel, die im Club-Museum einen würdigen Platz finden wird. Der 1. FC Nürnberg arbeitete schon dort die wenig rühmliche Vergangenheit des Vereins auf – bald ergänzt durch die historische Botschaft: „In Gedenken - Der 1. FC Nürnberg stellt sich gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in jeglicher Form. In Gedenken an die ab 1933 im Nationalsozialismus ausgeschlossenen jüdischen Mitglieder des 1. FC Nürnberg.“

Posthume Ehrenmitgliedschaft für Jenö Konrad

Doch bei aller Ernsthaftigkeit - stets gab es an diesem geschichtsträchtigen Abend auch etwas zum Schmunzeln. So offenbarte Evelyn Konrad über ihren Vater, dass dieser sich bei Nervosität, wenn das Spiel nicht so gut lief, an der Seitenlinie immer mit der rechten Hand an das linke Ohr fasste. Einen Faible für Sport im Allgemeinen hat auch sie: „Ich mag Fußball. Das ist ein schöner Sport. Ich mag eigentlich alle Sportarten – außer Baseball.“

Zu guter Letzt und nachdem sie die Ehrenmitgliedschaftsurkunde für ihren Vater von 1. FCN-Vorstand Martin Bader entgegennahm und ein rührender, angemessener und auch humoriger Gedenkabend seinen Abschluss fand, fügte sie noch an: „Mein Vater war bescheiden, ich bin es nicht. Dürfte ich auch Mitglied werden?“ Bader antwortete: „Ja, das dürfen sie.“