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Ehm: "Wir wollen die zweite Sensation"

Hofft, dass die Cluberer sein Team unterschätzen: Bert Ehm

Nürnberg - Größer könnte der Klassenunterschied zwischen dem 1. FC Nürnberg und seinem Gegner in der ersten Runde des DFB-Pokals am kommenden Sonntag (05.08.07, 14.30 Uhr) nicht sein. Fünf Ligen trennen den SC Victoria Hamburg vom Fußballoberhaus. Der Verbandsligist aus dem Hamburger Ortsteil Eimsbüttel qualifizierte sich als Sieger des Oddset-Cups für den DFB-Pokal. Für die größte Überraschung hatten die Schützlinge von SC-Trainer Bert Ehm dabei im Halbfinale gesorgt, als sie den späteren Zweitliga-Aufsteiger St. Pauli aus dem Rennen warfen (3:1).

Coach Ehm glaubt fest daran, dass seiner Mannschaft gegen den Club ein ähnlicher Coup gelingen kann: "Wir wollen am Sonntag für die zweite Sensation sorgen", so der 60-Jährige im Interview mit fcn.de.


fcn.de: Herr Ehm, Victoria Hamburg bewirbt das DFB-Pokalspiel am Sonntag gegen den 1.FCN als das Duell des Meisters der Hamburg-Liga gegen den Deutschen Pokalsieger. Ist der Club das Traumlos, das Sie sich gewünscht haben?

Bert Ehm: Natürlich wären Bayern München oder für mich als Hamburger der Hamburger SV das absolute Traumlos, aber der 1.FCN als Pokalverteidiger kommt gleich dahinter, zumal die Cluberer in der vergangenen Saison mit den besten Fußball in der Bundesliga gespielt haben.

Ihr Verein hat einen Saisonetat von unter 100.000 Euro. Mit den Einnahmen vom DFB-Pokal dürfte dieser bereits gedeckt sein...

Bert Ehm: Davon können Sie ausgehen. Solch ein Duell mit einem Bundesligisten ist für einen Amateurklub sehr lukrativ.

Ihr Club aus dem Hamburger Stadtteil Eimsbüttel gehört zu den Traditionsvereinen der Hansestadt. Das Stadion "Hoheluft" fasste vormals 50.000 Zuschauer, heute nur noch 8.000. Die Atmosphäre wird am Sonntag vermutlich dennoch toll werden, oder?

Bert Ehm: Damit ist zu rechnen - auch wenn der DFB die Partie auf Sonntag gelegt hat und viele, die gerne ins Stadion kommen würden, selbst Punktspiele haben. Deswegen sind bislang auch "erst" vier- bis fünftausend Karten verkauft worden - Danke an den DFB...

Stefan Effenberg und Walter Junghans hatten einst ihre Karrieren bei Victoria begonnen. Sind die beiden heute noch im Verein präsent?

Bert Ehm: Nein überhaupt nicht. Walter Junghans ist ja Torwartrainer bei Bayern München. Stefan Effenberg geistert zwar durch sämtliche Gazetten, hier oben im Norden taucht er aber nicht mehr auf.

Auch gegenwärtig ist Ihr Kader durchaus prominent besetzt. Unter anderen mit Stephan Rahn, Guido Stendel und Jasmin Bajramovic, deren Brüder Christian, Daniel und Zlatan bei den Bundesligisten Rostock, Hannover bzw. Schalke kicken. Haben Ihre Jungs genauso viel drauf wie ihre "großen" Brüder?

Bert Ehm: Jaja, die leben von den Namen ihrer Brüder. Wären sie genauso gut, würden sie ebenfalls in der Bundesliga spielen. Obwohl natürlich auch der Zufall eine Rolle dabei spielt, dass mancher Kicker es ins Oberhaus schafft und ein anderer nicht. Jasmin, zum Beispiel, hat ein ähnlich großes Potenzial wie sein Bruder.

Victoria hat sich durch den 1:0-Erfolg im Finale des Oddset-Cups gegen den VfL 93 Hamburg für den DFB-Pokal qualifiziert. Die größere Überraschung gelang Ihrer Mannschaft aber zuvor im Halbfinale, als sie den späteren Zweitligaaufsteiger FC St. Pauli schlug (3:1) - ein Highlight Ihrer Trainerlaufbahn?

Bert Ehm: Dass wir St. Pauli, einen Profiklub, geschlagen haben, war eine Sensation. Ich habe als Trainer bereits zum dritten Mal den Oddset-Cup gewonnen und dabei auch schon gegen Stuttgart und Bayern gespielt. Aber der Sieg gegen St. Pauli war sicherlich ein Höhepunkt.

Ihre Mannschaft wurde in der vergangenen Saison ebenfalls Meister der Hamburg-Liga, verzichtete jedoch auf den Aufstieg. Warum?

Bert Ehm: Am Ende der nächsten Saison wird bei uns die Oberliga gestrichen. Dann wären wir höchst wahrscheinlich sowieso wieder in die Verbandsliga abgestiegen. So können wir uns vielleicht als Hamburg-Meister für die Aufstiegsrunde in die dann viertklassige Regionalliga qualifizieren. Allerdings sind die Auflagen - zum Beispiel was Sicherheit und Größe des Stadions anbelangt - für diese Liga sehr hoch und mit unserem Etat äußerst schwierig zu realisieren.

Die Saison in der Verbandsliga hat bereits begonnen. Der Auftakt hätte für Ihre Mannschaft mit zwei Siegen in zwei Spielen nicht besser verlaufen können. Sind Sie zufrieden mit der bisherigen Leistung Ihrer Jungs?

Bert Ehm: Mit den Punkten natürlich, mit der Leistung nicht so richtig. Uns fehlt noch ein bisschen, eigentlich können wir das besser, als wir es bislang gezeigt haben. Die Harmonie, die Abstimmung in der Mannschaft, stimmt noch nicht ganz. Außerdem fehlt mir noch ein bisschen die Gier, Tore zu schießen.

Die Cluberer liefen in der Saisonvorbereitung ihrer Form hinterher. Die letzten drei Testspiele gingen verloren, könnte das ein Vorteil für Ihre Mannschaft sein?

Bert Ehm: Sicherlich. Für uns ist es natürlich besser, dass die Nürnberger sich noch nicht richtig gefunden haben und noch nicht so gut drauf sind. Das kann sich aber von einem Spiel zum nächsten schon wieder ändern.

Was für ein Spiel erwarten Sie am Sonntag in der "Hoheluft". Könnte die Luft für den 1.FCN dünn werden?

Bert Ehm: Das kommt darauf an. Wenn der Club uns ein bisschen unterschätzt und wir 120 Prozent geben - ja. Auf jeden Fall müssen wir aufpassen, nicht gleich zu Beginn in Rückstand zu geraten. Über Konter werden wir dann versuchen, selbst zum Erfolg zu kommen. Wir wollen am Sonntag nach St. Pauli für die zweite Sensation sorgen.

Vielen Dank, Herr Ehm, für das Gespräch.