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"Hauptsache der Ball fliegt rein ins Tor"

Nürnberg - "Wir können aus dem Vollen schöpfen, alle sind einsatzfähig", vermeldete Club-Trainer Thomas von Heesen auf der Pressekonferenz am Montag (05.05.08). Bis auf kleine Wehwehchen bei zwei bis drei Spielern und den Langzeitverletzten Glauber und Dominik Reinhardt sowie Jaromir Blazek, der erstmals wieder mit Torwarttrainer Adam Matysek geübt hat und nächste Woche mit dem Team trainiert, hält die Cluberer vor dem großen Abstiegs-Endspiel gegen Duisburg nichts mehr ab. Auch Zvjezdan Misimovic ist bereit für Mittwoch (20.00 Uhr), steht nach abgeklungenen Adduktorenbeschwerden voll zur Verfügung.

"Morgen trainieren wir im Stadion, anschließend fahren wir wie gewohnt nach Herzogenaurach", klärte von Heesen auf. Das Duell zwischen dem Tabellenvorletzten und dem Drittletzten - ein entscheidendes im Kampf um den Klassenerhalt. "Das Spiel gegen Duisburg müssen wir sowieso gewinnen, das ist ein absolutes Finale! Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen. Wir müssen alles abrufen, unser Spiel durchbringen. Unsere Fans haben wir im Rücken." Was gegen die Duisburger unbedingt vermieden werden muss, sagte von Heesen auch: "Der MSV ist eine kompakte Mannschaft, ein unangenehmer Gegner. Wir dürfen bei Kontern nicht ins Messer laufen, sondern müssen sie zu Fehlern zwingen."

Zu viele Unentschieden und zu viele "Fahrkarten"

Von Heesen weiter: "Die unerklärlichen Dinge, wie zahlreiche Pfosten und Lattenschüsse, ziehen sich saisonübergreifend wie ein roter Faden durch die gesamte Saison. Daran dürfen wir aber nicht verzweifeln, sondern müssen das als Herauforderung nehmen. Das Team ist nicht verunsichert aufgetreten, aber wir haben zu viele Unentschieden auf dem Konto. Unser Kernproblem ist die Umsetzung der Torchancen, dies ist das große Manko. In der Offensive benötigen wir den unbedingten Willen, müssen konsequent vor dem Tor 'durchziehen' wollen. Genau dieser Punkt unterscheidet uns von den anderen Teams, die vor dem Tor mehr Effektivität haben. Hauptsache der Ball fliegt rein ins Tor, egal wie! Hinten müssen wir die Null halten."

Gutes Omen: Der MSV, der Nürnberg in der Hinrunde knapp schlug (1:0), hat in dieser Saison noch nie zweimal hintereinander gewonnen. Am Sonntagabend fuhr die Mannschaft von Rudi Bommer einen glücklichen 3:2-Last-Minute-Sieg gegen Leverkusen ein. Doch Vorsicht: Die Zebras galoppieren besonders auf fremdem Geläuf erfolgreich: Nach zuletzt zwei Siegen und einem Unentschieden (2:1 in Bremen, 1:0 in Hamburg, 1:1 in Bochum) sind die Meidericher seit drei Gastspielen ungeschlagen und stellen das zehntbeste Auswärtsteam der Liga; 17 ihrer 29 Punkte erbeuteten die Duisburger außerhalb der MSV-Arena! Wermutstropfen: Ausgerechnet im Saisonschlussspurt muss die Bommer-Elf auf ihren erfahrenen Mittelfeldstrategen und nach Torjäger Manasseh Ishiaku erfolgreichsten Goalgetter Ivica Grlic (5 Treffer) wegen einer schweren Muskelverletzung verzichten.

Glückwünsche per SMS

Ein Erfolgserlebnis allein genügt allerdings nicht, denn aus eigener Kraft kann der seit drei Spielen ungeschlagene Club den Ligaverbleib nicht mehr schaffen. Mit einem Auge haben die Franken daher auch die Konkurrenz im Blick. Bielefeld spielt beispielsweise zeitgleich in München. Thomas von Heesen erzählte in der PK von seinem Kontakt mit FCB-Trainer Ottmar Hitzfeld: "Ich habe Ottmar gestern eine Glückwunsch-SMS geschrieben. Er hat mir geantwortet - auf den Inhalt der SMS verlasse ich mich am Mittwoch. Ich denke, die Bayern wollen zuhause mit einem Sieg ihre Meisterschaft feiern."

Thema im Nachgang zur Partie in Dortmund war am Montag auch noch die Personalie Jan Koller. Der Tscheche hatte sich erst mit seinen Club-Kameraden bei den mitgereisten Nürnberger Fans bedankt, dann feierten ihn nach dem 0:0 an der Strobelallee auch die Anhänger der Gastgeber, für die er fünf Jahre gespielt hat. Eine Szene, die viele Cluberer dem tschechischen Nationalspieler übelnahmen. "Wir gehen gemeinsam durchs Feuer ohne Animositäten, wir brauchen jetzt keine Nebenkriegsschauplätze, das wäre absolut kontraproduktiv. Jan wird alles auf dem Platz geben. In Dortmund war er der beste Mann auf dem Rasen. Er hängt sich immer voll rein", lenkte von Heesen den Blick aufs rein Sportliche.

"Vernünftig sein und in eine Richtung gehen"

"Die Vorfälle haben Jan", der gegen Duisburg vor seinem 150. Bundesliga-Einsatz steht, "verunsichert, denn so einen Hass hat er noch nicht erlebt. Er war nach dem Spiel sehr enttäuscht, aufgebracht und negativ emotionalisiert. Er brauchte ein, zwei Tage, um das zu verdauen. Ich hoffe, er steckt das weg. Bei Anpfiff am Mittwoch muss das vom Tisch sein." Der Club-Coach appellierte an die Fans: "Wir müssen jetzt alle vernünftig sein und in eine Richtung gehen."

Und wer weiß - vielleicht wird es eben jener Koller sein, der in seinem Jubiläumsspiel gegen Duisburg nicht unglücklich an der Latte scheitert, sondern ebenso schön wie gegen Wolfsburg den Ball in die Maschen befördert. Und wenn das Leder seinen Weg ins Netz nicht ganz so schnurgerade findet wie damals, ist's auch nicht schlimm. Hauptsache der Ball fliegt rein ins Tor...

© ballon