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Ein Remis, mit dem man leben kann

Babyjubel nach dem 1:1 (v.l.n.r.): Papa Polak, Reinhardt, Saenko

Frankfurt - Es hat nicht unbedingt überrascht, dass sich die Remiskönige Eintracht Frankfurt und der 1. FC Nürnberg am Sonntag (22.10.06) mit einem 2:2-Unentschieden trennten. Auch der Halbzeitstand von 1:1 hatte es schon angezeigt: Keiner der beiden Bundesliga-Kontrahenten, die als einzige in dieser Saison noch ungeschlagen sind, wollte sich eine Blöße geben. Das schöne daran: Die Fans kamen in der Commerzbank-Arena dennoch voll auf ihre Kosten und sahen ein spannendes und leidenschaftlich geführtes Fußballspiel.

"Eine prima Partie für die Zuschauer", fand Club-Stürmer Markus Schroth. "Vier Tore, ein ständiges Hin und Her." Dazu zahlreiche Chancen auf beiden Seiten und mit Raphael Schäfer und Markus Pröll zwei erstklassige Torhüter. "Jeder im Stadion hat gesehen, dass das Spiel für beide Mannschaften auch mit einer Niederlage hätte enden können. Das Unentschieden ist völlig korrekt", sagte Club-Trainer Hans Meyer bei der anschließenden Pressekonferenz.

Auch so ein Punkt bringt den Club weiter...

Anders als bei der fast schon unheimlichen 1:1-Serie gegen Bochum, Mainz und Bielefeld im eigenen Stadion, wo der FCN den ein oder anderen Zähler liegen gelassen hatte, wertete Meyer den Punkt in Frankfurt eindeutig als Gewinn: "Wir können mit dem Remis gut leben." Ähnlich sah es Ivan Saenko, der in Frankfurt sehr lauffreudig gewesen war und sich für seine gute Leistung schon frühzeitig selbst mit seinem ersten Saisontor zum 1:1-Ausgleich belohnt hatte (5.): "Auswärts ein Punkt, das finde ich gut."

Selbst Präsident Michael A. Roth gewann dem 2:2 nur Positives ab: "Das ist ein gerechtes Ergebnis. Es ist alles so eng zusammen in der Tabelle, dass dich auch so ein Punkt weiterbringt." Der Club kletterte nach dem 8. Spieltag mit nunmehr zwölf Zählern bis auf Platz fünf, der am Ende der Saison die Starberechtigung für den UEFA Cup bedeuten würde. Wer möchte da mäkeln?

Frisch gebackener Papa in Gedanken bei Frau und Kind?

Dennoch hatte sich Meyer zwischenzeitlich am Spielfeldrand mächtig aufgeregt. Vor allem die Fehler, die den beiden Gegentoren vorausgegangen waren, brachten den FCN-Coach in Rage: "Ich war zunächst sehr entsetzt über Jan Polak, der erst den Ball falsch einschätzt und dann, sagen wir mal, reflexartig mit der Hand hingeht." Vermutlich war Polak während seines Blackouts in Gedanken bei seiner Frau Marketa, die tags zuvor nach hektischen Stunden ihren gemeinsamen Sohn Daniel gesund zur Welt gebracht hatte.

Die Hessen nutzten den fälligen Handelfmeter zur 1:0-Führung. Beim Frankfurter Tor zum 2:2 (57.) sah die Nürnberger Innenverteidigung nicht gut aus, die Albert Streits Freistoß quer über den Fünfmeterraum passieren ließ, so dass sich der Ball unbehelligt neben dem langen Pfosten ins Tor senkte. Besonders schmerzte dieser Treffer Rafael Schäfer, der erst sehr spät reagierte: "Für einen Torwart ist das deprimierend, ich muss warten, ob einer an den Ball kommt und kann nicht einfach in die Ecke springen."

Club mit Luft nach unten und nach oben

Der FCN-Kapitän musste zum ersten Mal in dieser Saison zweimal hinter sich greifen. Das trübte den erneut guten Eindruck, den der 27-Jährige hinterließ, aber nur wenig. Vor allem in der ersten Halbzeit zeichnete sich Schäfer mit zwei Weltklasse-Aktionen aus, als er zunächst Streit vom Ball trennte und dann den Nachschuss von Markus Weissenberger parierte (37.). Erfreulich zudem, dass sich der Club durch den frühen Rückstand nicht aus dem Konzept bringen ließ und postwendend den Spielstand egalisierte: "Man hat gesehen, dass uns der Elfmeter nicht umgeworfen hat", hob Verteidiger Dominik Reinhardt hervor.

In der zweiten Halbzeit lag nach dem Freistoßtor von Javier Pinola zum 2:1 (50.), dem ersten Saisontreffer des Argentiniers, sogar der erste Nürnberger Erfolg seit dem Sieg am 18. August gegen Mönchengladbach (1:0) in der Luft. Dass es dann doch nicht für einen "Dreier" reichte, lag nicht zuletzt an der Stärke des Gegners. Schäfer: "Die Eintracht spielt schließlich im internationalen Wettbewerb. Man muss einfach mal akzeptieren, wenn der Gegner auch etwas gut macht." Zumal der Club sich laut Schäfer auch nicht zu den Top-Mannschaften der Liga zähle: "Wir sind noch keine Spitzenmannschaft. Wir haben ein bisschen Luft nach unten und ein bisschen Luft nach oben, damit können wir prima leben."

Schluss mit dem Ärger über die Unentschieden-Serie

Meyer wehrte sich zu Recht gegen die Kritik, dass seine Mannschaft an den letzten sechs Spieltage nicht mehr gewonnen habe: "Wir sind weiter seit April ungeschlagen, aber man redet nur von den sechs Remis in Serie."

Dennoch wünscht sich der Trainer natürlich nichts lieber als den Erfolg seiner Jungs - am Mittwoch (25.10.06, 19.30 Uhr) in der 2. Runde des DFB Pokals beim SC Paderborn 07 - und natürlich nächsten Samstag beim Heimspielknüller gegen Borussia Dortmund: "Wir müssen zuhause unsere Unentschieden-Serie abstellen, über die wir uns zuletzt genug geärgert haben."