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Ungeschlagen, aber fünfmal sieglos

Ärgerte sich über zwei liegen gelassene Punkte: Hans Meyer

Nürnberg - Nach dem 1:1 am Sonntag (15.10.06) gegen Arminia Bielefeld war für Hans Meyer das Weinglas nicht halbvoll, sondern mehr als halbleer: "Das Remis gegen Bielefeld ist wie eine Niederlage. Wir haben wieder zwei Punkte liegen gelassen, das ist enttäuschend", ärgerte sich der FCN-Coach über das nun schon fünfte Unentschieden in Folge.

Die aktuelle Lageeinschätzung der sportlichen Situation am Valznerweiher fällt schwer. Denn einerseits ist der Club noch ungeschlagen, andererseits warten die Franken nun schon seit dem 1:0 gegen Mönchengladbach bzw. zwei Monaten auf einen Sieg. Eine echte Standortbestimmung sei ohnehin erst "nach den nächsten sechs Spielen möglich", hatte Hans Meyer bereits vor dem Spiel gegen die Arminia betont. Nach Bielefeld, Frankfurt, Dortmund, Hertha, Bremen und Aachen "wissen wir, wie stark wir wirklich sind."

Meyer vermisst geistige Frische

Alles andere als stark fand der Nürnberger Coach den Auftritt seines Teams im ersten Durchgang: "Wir haben eigentlich nicht eine Sekunde lang souverän gespielt. Wir haben eine schwache erste Halbzeit vergessen machen können durch eine kämpferisch sehr starke zweite Halbzeit." Zudem bemängelte der 63-jährige Trainer die fehlende geistige Frische: "Leider waren wir nicht clever und agil genug, um die ein oder andere Chance zu nutzen. Einige Spieler bei uns beschäftigen sich doch wohl zu sehr mit der Tabelle."

Die Offensivkräfte der Cluberer haben Ladehemmung. Reagierte die Mehrheit der mal wieder zahlreich erschienen Zuschauer (39.788) im easyCredit-Stadion auf den Hacken-Kunstschuss von Markus Schroth noch mit bewunderndem Staunen (35.), musste sich der FCN-Fan in der zweiten Hälfte gleich mehrmals die Haare raufen - so fahrlässig gingen Vittek und Co. mit ihren Chancen um. Nicht weiter schlimm, wenn mit Glauber wenigstens ein Abwehrspieler in die Bresche gesprungen wäre, doch auch der brasilianische Innenverteidiger scheiterte binnen weniger Minuten zweimal in aussichtsreicher Position (53., 57.).

Merk-würdig!

"Wir erarbeiten uns Chancen, aber irgendwie will der Ball nicht rein", weiß Rafael Schäfer auch nicht so recht, warum das Runde momentan einfach nicht ins Eckige will, um dann doch noch nachzuschieben: "Wir hätten trotzdem in der zweiten Halbzeit konzentrierter sein müssen, dann hätte es mit dem zweiten Tor geklappt." Der Kapitän und Torhüter stand in der 25. Minute im Blickpunkt, als er sich im Strafraum Artur Wichniarek in den Weg warf, der Bielefelder Angreifer über Schäfer hinweg sprang und dann plötzlich fiel. Auf Hinweis seines Assistenten Jan-Hendrik Salver pfiff Schiedsrichter Markus Merk Elfmeter.

Eine Fehlentscheidung, wie Merk beim anschließenden Studium der TV-Bilder selbst zugeben musste. Merk und der FCN bzw. Hans Meyer - eine unglückliche Beziehung, um es vorsichtig auszudrücken. Schon bei ihrer letzten Heimniederlage, dem 0:1 gegen Eintracht Frankfurt in der vergangenen Spielzeit (8. Februar 2006) hatten sich die Cluberer durch den pfeifenden Zahnarzt massiv benachteiligt gefühlt.

Der 1:1-Garant: Jan Polak

"Mit einem Elfmeter in dieser Form hatte ich wirklich nicht gerechnet. Schiedsrichter Merk hat mit seiner Entscheidung richtig Einfluss aufs Spiel genommen", war Meyer restlos bedient. Denn, so der Nürnberger Coach: "Es ist doch ganz klar, dass eine Führung einer Mannschaft, die nicht das Spiel machen muss, ungemein hilft." Rafael Schäfer ereiferte sich zudem über die Reaktion des vermeintlich Gefoulten: "Dass Wichniarek anschließend behauptet hat, ich hätte ihn berührt, das ist die größte Frechheit."

Dass der Pfiff von Merk und der danach von Jörg Böhme verwandelte Elfmeter zum Bielefelder 1:0 nicht noch größeren Schaden anrichtete, hatte der Club einmal mehr Jan Polak zu verdanken, der in der 39. Minute nach glänzender Vorarbeit von Vittek mit seinem dritten Saisontor wenigstens noch den einen Punkt rettete. Kurios: Immer wenn Polak trifft, endet die Begegnung 1:1. Erst gegen Bochum, dann gegen Mainz und nun auch gegen Bielefeld.

Gresko will mehr

Derweil freute sich nicht nur der Torschütze, sondern auch ein Einwechselspieler: Vratislav Gresko. Der Slowake, dessen Karriere zuletzt von vielen langwierigen Verletzungen überschattet und der vor seinem Wechsel nach Nürnberg Anfang September diesen Jahres ohne Vertrag war, feierte in der 77. Minute nach fünf Jahren und 15 Einsätzen für Bayer Leverkusen sein Bundesliga-Comeback. Gresko: "Das tut nach der langen Pause natürlich gut, aber ich will mehr."

Mehr will auch Sportdirektor Martin Bader und blickt nach dem verpassten "Dreier" gegen Bielefeld auf den nächsten Gegner: "Wenn wir in Frankfurt gewinnen, ist es egal, dass wir zuhause nur Unentschieden spielen. Wir stehen auf Platz sechs, das ist im Augenblick sicher in Ordnung." Das Duell am kommenden Sonntag mit der zehntplatzierten Eintracht ist bei näherer Betrachtung ein echtes Spitzenspiel. Denn in der Commerzbank-Arena treffen die beiden einzigen noch ungeschlagenen Teams der Liga aufeinander. Zugleich ist es aber auch der Gipfel der beiden Remis-Spezialisten, wobei die Hessen in dieser Hinsicht mit sechs Unentschieden in sieben Spielen die Nase sogar vorn haben.