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Der HSV braucht, Nürnberg will Punkte

Nürnberg - Am Samstag (09.12.06) tritt der 1. FC Nürnberg in seinem letzten Auswärtsspiel der Hinrunde beim krisengeschüttelten Tabellenvorletzten der Liga, dem Hamburger SV, an. Während die Cluberer ihre Serie von vier Spielen ohne Niederlage fortsetzen wollen, stehen die Hanseaten nach sieben sieglosen Partien hintereinander mit dem Rücken an der Wand und werden vor eigenem Publikum in der AOL Arena ums Überleben kämpfen. Hans Meyer beurteilt die Ausgangslage allerdings kaum anders als sonst: "Der HSV benötigt die Punkte, wir wollen sie auch", so der 1.FCN-Coach am Donnerstag (07.12.06) auf der Pressekonferenz.

In der jüngeren Vergangenheit sind die Nürnberger allerdings regelmäßig mit leeren Händen von der Elbe heimgekehrt. Seit dem letzten Sieg in Hamburg aus der Hinrunde der Saison 1992/93 (1:0) gab es in elf Gastspielen keinen einzigen Punkterfolg mehr. Das soll sich jetzt aber ändern: "Der HSV steht unter Druck. Das werden wir nutzen. Einen Punkt holen wir auf jeden Fall", versprach Stürmer Robert Vittek. Meyer wäre über ein weiteres Unentschieden - für die Remiskönige vom Valznerweiher wäre es das elfte, für den HSV immerhin schon das neunte - jedenfalls nicht enttäuscht: "Ein Remis würde uns sicher mehr nutzen als dem HSV."

"HSV gehört nicht dorthin, wo er jetzt ist"

Nürnberg rangiert mit 19 Punkten auf Platz neun und befindet sich damit im Soll. Der HSV ist dagegen nach seiner 1:2-Niederlage beim VfL Bochum am vergangenen Samstag tief in den Keller gerutscht: Nur elf Punkte auf der Habenseite bei vier Zähler Differenz zu einem Nicht-Abstiegsplatz! Alles andere als ein Erfolg gegen Nürnberg würde die Mannen mit der Raute auf der Brust hart treffen.

"Wir wissen alle, was die Stunde geschlagen hat und müssen dafür sorgen, schnell aus der Abstiegszone heraus zu kommen. Jeder Einzelne hat die Pflicht, sich für den HSV zu zerreißen", forderte Hamburgs David Jarolim im Interview mit fcn.de. "Wir wollen für uns, die Fans und den ganzen Verein endlich den ersten Heimsieg der Saison einfahren", so der ehemalige Club-Mittelfeldspieler weiter. Für Nürnbergs Trainer ist der HSV sowieso viel besser, als es die momentane Tabellensituation ausdrückt: "Der HSV gehört nicht dorthin, wo er jetzt ist", sagte Meyer auf der Pressekonferenz und warnte: "Jedermann weiß doch, dass in dieser Truppe enorm viel Potenzial steckt und dass sie urplötzlich eine Siegesserie starten kann."

Hans Meyer kein Hellseher

Vielleicht hat die Elf von HSV-Trainer Thomas Doll bereits am Mittwoch den Hebel dafür umgelegt. Die Hanseaten fuhren gegen ZSKA Moskau in einem turbulenten Spiel ihren ersten Champions League-Sieg der Saison ein (3:2). Es stand zwar schon vorher fest, dass die Hamburger aus dem Europapokal ausgeschieden sind, aber für die angeknackste Psyche der viel kritisierten Spieler war der Sieg unter Umständen mehr als nur Balsam: "Solch ein Erfolg kann durchaus der Auslöser sein, dass sich die Situation in Hamburg ändert und der HSV jetzt das spielt, was alle in Fußball-Deutschland von diesem Team erwartet haben", so Meyer.

Zwingend sei der Umschwung jedoch nicht. "Nach so einer Phase, wie sie der HSV gerade hinter sich hat, reicht ein Spiel normalerweise nicht aus, um den Bock umzustoßen", fügte der 63-jährige Thüringer hinzu, um daraufhin das ungeliebte Feld der wilden Spekulationen zu verlassen: "Ich weiß doch auch nicht. Ich bin ja kein Hellseher!"

"Wir zünden die dritte Stufe"

So viel ist sicher: Wie in jedem Fußballspiel wird es darauf ankommen, den Gegner nicht zu unterschätzen - "Wir haben schon vor dem Sieg über Moskau gewusst, dass dieser HSV nicht Handball spielt." (Meyer) - und sich auf die eigene Stärke zu besinnen. Der 1. FC Nürnberg hat in der laufenden Saison erst zwei Spiele verloren (Bundesligaspitze) und dabei nur 15 Gegentore kassiert (nur Wolfsburg ist besser). Während beim 1:1 vor zwei Wochen in Wolfsburg die Defensive bombensicher stand, funktionierte am vergangenen Sonntag gegen Schalke 04 (0:0) auch das Aufbauspiel wieder besser. "Jetzt zünden wir die dritte Stufe. Wir schlagen vorne wieder zu", ist Goalgetter Vittek überzeugt.

Während die Nürnberger also zum Angriff blasen, vertiefen sich die Sorgenfalten bei HSV-Coach Doll angesichts der anhaltenen Verletzungsmisere in seinem Team. Am vergangenen Spieltag zog sich Juan Pablo Sorin einen Muskelfaserriss zu. Der Argentinier fällt bis zur Winterpause aus. Spielmacher Rafael van der Vaart handelte sich zudem in Bochum nach einer üblen Tätlichkeit die Rote Karte ein und ist für vier Spiele gesperrt. Coach Doll muss am Samstag weiterhin auf Raphael Wicky (Waden-OP), Vincent Kompany (Achillessehnen-OP), Mario Filinger (Knie-OP), Guy Demel (Sehnenanriss) und Nigel de Jong (Aufbautraining nach Knie-OP) verzichten. Thimothee Atouba wurde wegen seiner Publikums-Schmähung nach seiner Auswechslung im Champions Leauge-Spiel gegen Moskau vereinsintern für zwei Begegnungen suspendiert. Die Einsätze von René Klingbeil (Lauftraining nach Bänderriss) und Colin Benjamin (Armverletzung) sind fraglich.

Jan Kristiansen mit Magenproblemen

Keine Veränderungen dagegen beim 1. FC Nürnberg. Wie schon gegen Schalke fehlen in der AOL Arena Jan Polak (Mandeloperation) und Glauber, der nach seiner Adduktorenzerrung noch nicht hundertprozentig fit ist: "Es sieht besser aus, aber am Samstag wäre das Risiko noch viel zu groß", erklärte Trainer Meyer. Für den Brasilianer wird erneut Michael Beauchamp an der Seite von Andreas Wolf in der Innenverteidigung spielen.

Die übrigen Club-Profis, abgesehen von den Langzeitverletzten, sind einsatzbereit. "Wir werden mit demselben Kader ins HSV-Spiel gehen wie zuletzt gegen Schalke. Lediglich hinter Jan Kristiansen steht ein Fragezeichen, er hat Magenprobleme. Aber ich hoffe, dass er wieder fit wird."

"Noch entschlossener zu Werke gehen"

Möchte mit dem HSV den ersten Heimsieg einfahren: David Jarolim

Nürnberg - Für den 1. FC Nürnberg bestritt Hamburgs Tscheche David Jarolim zwischen 2001 und 2003 exakt 60 Bundesligaspiele (3 Tore). Am Samstag (09.12.06) gibt's für den 27-Jährigen in der AOL Arena ein Wiedersehen mit früheren Kollegen, wie z.B. Raphael Schäfer, Andy Wolf und Marek Nikl.

Im Interview mit fcn.de spricht Jarolim, der auch für die Bayern spielte, über die Situation beim HSV. "Wir haben zuletzt häufig überlegen gespielt, am Ende aber doch nicht gewinnen können. Das muss sich jetzt ändern, wir werden noch entschlossener zu Werke gehen."

fcn.de: David Jarolim, sang- und klanglos aus Champions League und DFB-Pokal ausgeschieden, nach einer formidablen Saison mit Platz drei am Ende nun im Abstiegskampf in der Bundesliga. Was läuft schief bei den Rothosen?

David Jarolim: Das würde sicher zu viel Platz einnehmen, das alles zu erklären. Ich will mich jetzt auch nicht mehr an den zurückliegenden Wochen aufhalten, es wurde genug geredet. Wir wissen alle, was die Stunde geschlagen hat und müssen dafür sorgen, schnell aus der Abstiegszone heraus zu kommen. Jeder Einzelne hat die Pflicht, sich für den HSV zu zerreißen.

Seit Wochen hofft der HSV auf den Befreiungsschlag. Warum sollte dieser ausgerechnet gegen den Club gelingen?

David Jarolim: Wir spielen im eigenen Stadion und wollen für uns, die Fans und den ganzen Verein endlich den ersten Heimsieg der Saison einfahren. Wir haben zuletzt häufig überlegen gespielt, am Ende aber doch nicht gewinnen können. Das muss sich jetzt ändern, wir werden noch entschlossener zu Werke gehen.

Sind Sie froh, dass sich derzeit vieles auf die Personalie Thomas Doll konzentriert und weniger über die Leistungen der Spieler auf dem Platz geredet wird? Wird man damit etwas aus der Schussbahn genommen?

David Jarolim: Glauben Sie mir: es ist eine Katastrophe, dass der Trainer dermaßen in der Kritik steht. Das bedeutet nämlich, dass die Ergebnisse nicht stimmen. Und für die Ergebnisse sind in erster Linie wir Spieler verantwortlich.

Ihre Mannschaft ist von unglaublichem Verletzungspech verfolgt. Ständig fallen mehrere Spieler aus. Haben Sie so eine "Seuche" schon einmal erlebt?

David Jarolim: In meiner ganzen Karriere noch nicht, es ist wirklich unfassbar. Aber wir sollten uns nicht dahinter verstecken. Wir hätten trotzdem in jedem Spiel punkten können.

Rafael van der Vaart fehlt in der Partie gegen Nürnberg wegen eines groben Foulspiels am letzten Spieltag. Werden Sie sich für die Rolle hinter den Spitzen aufdrängen?

David Jarolim: Das wird der Trainer entscheiden. Ich denke aber, dass ich weiter auf meiner gewohnten Position im Halbfeld agieren werde. Wir haben auch andere Leute, die hinter den Spitzen spielen können.

Man hört oft von Spielern, die gegen ihren Ex-Klub antreten, dass sie nach dem Ende ihres eigenen Spiels zuerst erfahren wollen, wie der ehemalige Verein gespielt hat. Ist das bei Ihnen genauso?

David Jarolim: In den meisten Fällen ist das sicher eine Floskel. Es ist nicht so, dass ich nach dem Abpfiff sofort in die Kabine sprinte und gucke wie Bayern und Nürnberg gespielt haben. Aber natürlich verfolge ich das Geschehen bei meinen Ex-Vereinen mit großem Interesse.

Was sagen Sie denn zum bisherigen Saisonverlauf des 1. FC Nürnberg?

David Jarolim: Ich sollte mir nicht so viele Gedanken über andere Vereine machen. Aber aus der Ferne scheint es beim Club ja ganz ordentlich zu laufen, der gute Saisonstart hat sich auch bis nach Hamburg herum gesprochen...

Haben Sie noch Kontakt zur früheren Kollegen?

David Jarolim: Nicht mehr so viel. Ab und an telefoniere ich noch mit Jacek Krzynowek, der ja jetzt beim VfL Wolfsburg spielt.

Wir bedanken uns, David, und wünschen ein tolles Spiel!

Der Pianist an der Pfeife

Herbert Fandel (re.) mit seinem Assistenten Mike Pickel

Nürnberg - Herbert Fandel ist am Samstag (09.12.06, 15.30 Uhr) Schiedsrichter beim Gastmatch des 1. FC Nürnberg gegen den Hamburger SV. Der 42-jährige Pianist und Leiter einer Musikschule pfeift in der AOL Arena sein 198. Bundesligaspiel. In seiner langen Karriere hat der verheiratete Kyllburger 20 Länderspiele, 39 Europapokalpartien, das letzte UEFA Cup-Finale und die DFB-Pokalendspiele 2004 und 2006 geleitet. Auch bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney sowie beim FIFA Confederations Cup 2005 im eigenen Land wurde der Familienmensch (zwei Kinder) eingesetzt.

Eine große Laufbahn mit zwei Auszeichnungen: Fandel wurde 2000/2001 und 2004/2005 Schiedsrichter des Jahres. Mit dem Club kam er insgesamt acht Mal in Berührung. Viermal siegten die Franken, außerdem stehen jeweils zwei Unentschieden und Niederlagen zu Buche. Auswärts gewann der 1.FCN drei seiner sechs Begegnungen unter Fandels Leitung. In dieser Saison wurde der FIFA-Unparteiische bis dato noch in keiner Club-Partie eingesetzt. Bei der Saison-Premiere am Samstag begleiten ihn seine Assistenten Mike Pickel und Thorsten Schiffner sowie der vierte DFB-Offizielle Guido Kleve.