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Keine Geschenke im "Freundschaftsspiel"

Nürnberg - Es ist keine x-beliebige Mannschaft, die am Sonntag (01.12.06) im easyCredit-Stadion mit dem 1. FC Nürnberg die Klingen kreuzt. Es ist der FC Schalke 04, dessen Fans mit den Cluberern eine enge Freundschaft verbindet. Mitreißende Spiele sind bei dieser Brisanz schon fast garantiert! Auch Jan Kristiansen, der das zweite Mal im Club-Trikot auf die Knappen trifft, weiß, wie sich so ein Duell mit S04 anfühlt: "Schon in der letzten Saison auf Schalke: diese Atmosphäre - so etwas habe ich noch nie erlebt, das ist spitze! Man merkt's auch bei uns im Stadion immer, wie groß der Jubel ist, wenn Schalke ein Tor schießt."

Zum zweiten Mal in dieser Saison empfängt der Club einen Tabellenführer. Beim ersten Mal gab's ein unglückliches 1:2 gegen Werder Bremen. Auch wenn Präsident Michael A. Roth allen ein "tolles Freundschaftsspiel" wünscht - der Jubel über Schalke-Tore soll verhindert werden, die Punkte möglichst in der Noris bleiben. Kristiansen, der sich auf die Begegnung mit seinem dänischen Landsmann und Zimmerkolllegen in der Nationalmannschaft, Peter Lövenkrands, freut, hat ein simpel klingendes Rezept parat: "Wir haben es zunächst offensiv probiert, dann defensiv. Jetzt macht's die Mischung, und wir gewinnen."

Bader: "Schalke soll uns spüren!"

"Nachdem es in den letzten Jahren meist sehr unglücklich für uns lief und wir gegen Schalke zudem fast immer in Unterzahl die Spiele beendet haben, wären wir am Sonntag eigentlich mal dran", nimmt Sportdirektor Martin Bader Bezug auf die farbenfrohen Partien (vier Platzverweise in den letzten vier Begegnungen) in der Vergangenheit. Allerdings: Gegen keinen anderen Bundesligisten warten die Franken so lange auf einen Sieg wie gegen S04: seit acht Begegnungen konnte der Club im Duell der "Altmeister" (zusammen 16 Meisterschaften und sieben Pokalsiege) nicht mehr gewinnen. Ganz Nürnberg sehnt sich nun nach dem ersten Sieg seit dem 5. März 1999 (3:0). "Wir sind selbstbewusst genug zu sagen: Wir wissen, was wir können. Und die Kulisse wird uns sicher wieder in brenzligen Situationen helfen", macht Bader Mut und fordert gleichzeitig alle Fans zu verstärkter Unterstützung auf: "Schalke soll uns spüren!"

Vielleicht kann Markus Schroth helfen. Nur wenn er traf, siegte der Club (dreimal). Zündet der "Panzer" passend zum 1. Advent noch einmal, könnte der Wunsch von Hans Meyer (vier Zähler aus den letzten drei Hinrunden-Partien) noch Wirklichkeit werden. "Wir müssen uns im eigenen Stadion vor niemandem verstecken", sagt Schroth selbstbewusst, um dann nüchtern fortzufahren: "Gegen den Tabellenführer können wir aber auch mit einem Unentschieden leben." Die Favoritenrolle ist klar verteilt, meint auch Meyer. "Dennoch würden wir den Schalkern gerne ein Beinchen stellen." Und die Serie von drei Spielen ohne Niederlage fortsetzen.

Reibereien setzten Energien frei

Eine noch bessere Bilanz weist der kommende Gegner auf: seit fünf Spielen sind die Knappen ungeschlagen, gingen nach dem 2:2 gegen München immer jeweils mit 1:0 in Führung. "Schalke ist seit Jahren zu einer richtig großen Mannschaft geworden. Auch aufgrund der finanziellen Möglichkeiten dort", sagt Meyer, der die Transferpolitik der Gelsenkirchener lobt: "Sie haben das viele Geld nur für sehr wenige Spieler ausgegeben und ganz geschickt auch starke Spieler ohne Ablöse geholt. Das machen sie sehr gut. Die Substanz in der Mannschaft dort ist gewaltig."

Trainer Mirko Slomka kann nun etwas ruhiger arbeiten. Dies war zu Beginn der Saison ganz anders: Maulwurf-Affären, Fan-Aufstand, Ausscheiden aus nationalen (2. Runde DFB-Pokal gegen Köln) wie internationalen Wettbewerben (1. Runde UEFA Cup gegen Nancy) - kurz: Schalke gab den "Bilderbuch-Krisenklub" ab. Dazu ein Medienboykott der Spieler, die seit Wochen nichts mehr sagen. Seit dem 3. November. Fortan blieben Slomkas Schützlinge ungeschlagen und holten 13 Punkte aus fünf Spielen. Die Reibungen innerhalb der Mannschaft taten vielleicht ganz gut, setzten Energien frei und hievten den Klub an die Tabellenspitze.

Neuer im Tor, Bordon zurück in der Abwehr

Seit München steht auch ein neuer Mann im Tor: Manuel Neuer. Slomka ging aufs Ganze und zog dem arrivierten Frank Rost einen Jungspund vor. Ausschließlich aus Leistungsgründen, wie Slomka damals behauptete: "Manuel hat sich die Chance durch harte Arbeit verdient. Anderes zu behaupten, ist eine Frechheit." Vor dem jungen Keeper, der zwar nicht immer fehlerfrei war, aber eine große Zukunft vor sich hat, wie es im Umfeld heißt, wird am Sonntag auch Abwehrchef Marcelo Bordon agieren. Der Kapitän war in den letzten drei Wochen wegen eines Faserisses im Hüftbeugemuskel zum Zuschauen verdammt. Dario Rodriguez muss für den brasilianischen Kollegen weichen.

Definitiv nicht zur Verfügung steht Zlatan Bajramovic (Wadenverhärtung). Für den Bosnier wird Fabian Ernst und nicht Lincoln spielen, legte sich Slomka am Freitag fest. Im Kader fehlen auch Alexander Baumjohann (Grippe), Gerald Asamoah (Schien- und Wadenbeinbruch). Hoffung besteht beim Uruguayer Gustavo Varela (Muskelfaseriss), in der Startelf steht er aber auf keinen Fall. "Es gibt eigentlich keinen Grund, irgendwelche Umstellungen vorzunehmen", erklärte Slomka. "Das Team hat in den letzten Wochen sehr gut gespielt und das Vertrauen verdient, in Nürnberg erfolgreich zu sein. Davon gehe ich auch aus."

Glauber fällt wohl aus, Spiranovic verpflichtet

Auf Nürnberger Seite muss Trainer Meyer zwei personelle Probleme lösen: Glauber hat Adduktorenprobleme, "kann zu 95 Prozent nicht spielen. Die Chance ist sehr, sehr klein." Bei Jan Polak gesellt sich zu den Adduktorenproblemen auch noch eine Mandelentzündung. Sein Einsatz ist ebenfalls äußerst fraglich: "Bei Jan sehe ich aber eine etwas größere Wahrscheinlichkeit, dass er im Kader steht", erklärt sein Coach. Kandidaten für einen möglichen Glauber-Vertreter gibt es grundsätzlich drei: Thomas Paulus, Michael Beauchamp und Marek Nikl. "Ob und wie sehr Glauber fehlt, wird man erst nach dem Spiel beurteilen können", so Meyer, der dem entsprechenden Ersatz vollstes Vertrauen aussprach. "In Berlin haben wir es auch ohne Andreas Wolf sehr gut gemacht." Damals verteidigte Beauchamp.

Zum Thema Personalien konnte Martin Bader bei der Pressekonferenz am Freitag ebenfalls seinen Teil beitragen: Der Club-Manager gab bekannt, dass Matthew Spiranovic verpflichtet wird und ab dem 1. Januar 2007 einen Profi-Vertrag bis 2009 plus Option erhält. Der Australier übte mehrmals beim Club zur Probe, zählt nun endgültig zu Meyers Trainingspersonal. In seinem Heimatland spielte Spiranovic College-Fußball, beim Asien-Cup im Herbst erreichte er mit der U20 das Viertelfinale. Das 18-jährige Talent (geboren am 27.6.1988, 1,88 m groß) spielt in der Verteidigung. Weil er auch die britische Staatsangehörigkeit besitzt, könnte er auch in der zweiten Mannschaft des 1.FCN in der Bayernliga eingesetzt werden. Beim 1:2 im Testspiel des 1.FCN gegen Viktoria Pilsen am 6. Oktober in Weiden (90 Minuten) und beim 2:0 gegen Greuther Fürth am 31. August (eingewechselt in der 64. Minute) setzte Meyer Spiranovic bereits ein.

Trauerflor und Gedenkminute

Die Club-Spieler werden am Sonntag mit Trauerflor spielen. Zu Beginn der Begegnung wird das Publikum dem in der Nacht auf Mittwoch verstorbenen Max Merkel mit einer Schweigeminute gedenken.

"Ich habe meinen Weg gefunden"

Erfolgreich und stets gut gelaunt: Mirko Slomka

Nürnberg - Lange Zeit stand Mirko Slomka in der Kritik. Der Trainer des FC Schalke 04, einst vom Co-Trainer zum Chef befördert, biss sich durch und erklomm mit seiner Mannschaft dank zuletzt vier Siegen in Folge die Tabellenspitze. "Ich habe meinen Weg gefunden", sagt der frühere Jugendcoach von Club-Keeper Raphael Schäfer im Interview mit fcn.de.

Wichtig sei gewesen, "dass wir auch nach dem Ausscheiden in den Pokalwettbewerben an die Qualität des Teams geglaubt haben und alle Beteiligten rund um die Mannschaft - allen voran der Vorstand - die Ruhe bewahrt haben."


fcn.de: Herr Slomka, Schalke 04 und den Club verbinden Tradition und Freundschaft. Gemeinsam haben S04 und 1.FCN 16 Deutsche Meistertitel geholt - sorgen Sie in dieser Saison für die Nummer 17?

Mirko Slomka: Natürlich spielen wir derzeit oben mit und es sieht ganz gut aus - aber bis dahin ist es noch ein langer Weg. Ich kenne die Träume unserer Fans und weiß, wie sehr sie sich die Meisterschaft wünschen. Um dieses Ziel erreichen zu können, sollte man aber nicht zu viel davon reden, sondern sich auf die vielen kleinen Schritte davor konzentrieren.

Es ist kaum einen Monat her, da schien nach dem 0:3 Ihres Teams beim VfB Stuttgart, verbunden mit dem Aus in UEFA Cup und DFB-Pokal, alles in Schutt und Asche. Jetzt wieder strahlt Schalke königsblauer denn je - können Sie sich darauf überhaupt einen Reim machen?

Mirko Slomka: Das Ausscheiden in beiden Pokalwettbewerben hat uns wirklich sehr geschmerzt. Wichtig war, dass wir auch danach an die Qualität des Teams geglaubt haben und alle Beteiligten rund um die Mannschaft - allen voran der Vorstand - die Ruhe bewahrt haben. Durch das unfreiwillige Aus in beiden Pokalen haben wir natürlich Zeit gewonnen, die wir im Trainingsbetrieb effektiv nutzen konnten. Unsere Mannschaft ist in einer phantastischen Verfassung und kann hohes Tempo gehen. Das bereitet einigen Gegnern Probleme.

Rudi Assauer hat einmal den Satz getan: entweder ich schaffe Schalke oder Schalke schafft mich. Empfinden Sie Schalke ähnlich extrem?

Mirko Slomka: Rudi Assauer hat für Schalke eine Menge geleistet und dabei sicherlich viele Nerven gelassen, so verstehe ich diesen Spruch. Schalke 04 ist eben einer der Vereine, der nicht nur in Deutschland, sondern auch international grundsätzlich großes Interesse hervorruft. Das beinhaltet auch viel Kritik und viele gute Ratschläge. Aber das treibt uns eher an als dass es uns hemmt.

Warum ist die Bundesliga in dieser Saison - noch - so ausgeglichen?

Mirko Slomka: Ein Grund ist der Umstand, dass sich viele Teams gut verstärkt haben. In letzter Konsequenz werden sich vier, fünf Mannschaft herauskristallisieren, die um die obersten Plätze spielen.

Mal ganz unter uns: worauf müssen Sie gegen den 1. FC Nürnberg besonders achten?

Mirko Slomka: Mit Hans Meyer hat der Club zunächst einmal einen Trainer, der über eine unglaubliche Erfahrung verfügt. Bei der letzten Niederlage auf Schalke hat er noch gesagt, dass sich der FCN nicht mit Schalke 04 vergleichen darf. Ich bin mir aber sicher, dass er seine Mannschaft am Sonntag top auf uns einstellen wird. Diese verfügt über gute Stürmer und mit Raphael Schäfer über einen Torhüter, von dem ich noch aus gemeinsamen Hannoveraner Tagen, als ich sein Jugendtrainer war, weiß, wie schwer er zu überwinden ist. Grundsätzlich wollen wir aber weniger auf den Gegner achten, sondern unseren Tempofußball umsetzen.

Zum Abschluss: Wenn Schalke am Sonntag in Nürnberg aufläuft, dann treffen mit Ihnen und Hans Meyer auch zwei Trainer-Generationen aufeinander. Schauen Sie sich schon mal etwas von den Kollegen, die etwas länger im Geschäft sind, ab?

Mirko Slomka: Die Arbeit von Hans Meyer kann man nicht hoch genug zu bewerten. Ich freue mich immer, wenn wir uns treffen, z.B. bei Trainertagungen. Grundsätzlich muss aber jeder Trainer seinen eigenen Weg finden. Ich habe meinen gefunden.

Vielen Dank, Mirko Slomka, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben!

Michael Weiner pfeift

Zweite Begegnung mit dem Club in dieser Saison: Michael Weiner

Nürnberg - Das Heimspiel des 1. FC Nürnberg gegen den FC Schalke 04 (Sonntag, 17.00 Uhr) wird geleitet von Michael Weiner. Der 37-jährige Polizeibeamte aus Giesen pfeift für den niedersächsischen TSV Ottenstein und hat seit 2000 bislang 101 Bundesligapartien über die Bühne gebracht.

Weiner leitete in dieser Saison das 1:1 des Clubs bei Energie Cottbus. In der Saison 2005/06 pfiff der Referee vier Nürnberger Spiele - mit gutem Ausgang: Nur gegen Bayern München (1:2) musste sich der 1. FCN geschlagen geben. In den Spielen in Kaiserslautern (3:1), gegen Duisburg (3:0) und Mönchengladbach (5:2) behielt der Club dagegen die Oberhand.

4-6-6-Bilanz

Die Gesamtausbeute des 1. FCN in den Partien mit Weiner: Vier Siege sowie jeweils sechs Unentschieden und Niederlagen.

An den Seitenlinien im easyCredit-Stadion assistieren Norbert Grudzinski und Kai Voss, vierter DFB-Offizieller ist Robert Kampka.