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Ein 0:0 der besseren Art

Geflügelte Botschafterin mit Fanschal: Christkind Eva Sattler

Nürnberg - Zum Duell der beiden "Altmeister" 1. FC Nürnberg und FC Schalke 04 am ersten Adventssonntag (03.12.06) besuchte das Nürnberger Christkind das easyCredit-Stadion. Die geflügelte Eva Sattler glänzte in strahlendem Gold und hielt einen Fanschal, halb Club, halb Schalke, in die Höhe. Die Akteure verstanden die himmlische Erscheinung offenbar als ein Gebot der Nächstenliebe auf dem Fußballrasen und verschonten einander in den folgenden 90 Minuten vor größeren Enttäuschungen. Die Partie endete 0:0-unentschieden.

Dabei konnten die Cluberer mit ihrem zehnten Remis im 15. Punktspiel sicher besser leben als der bisherige Bundesliga-Primus aus Gelsenkirchen. Die Franken zeigten sich jedenfalls zufrieden mit dem Ergebnis: "Den Punkt gegen den Tabellenführer haben wir uns redlich verdient. Das war kein 0:0 der glücklichen Art", zog Manager Martin Bader ein positives Fazit. Nach dem zweiten Unentschieden in Folge rangieren die Franken mit 19 Zählern weiterhin auf Rang neun. "Das ist ordentlich, auch wenn unsere Ausbeute, vor allem angesichts dessen, wie wir gespielt haben, alles andere als optimal ist", resümierte Trainer Hans Meyer zwei Runden vor der Winterpause.

Schalke hatte sich mehr erhofft

Der Gegner aus Gelsenkirchen verpasste dagegen nach vier Siegen hintereinander den erhofften Sprung zurück an die Tabellenspitze. Entsprechend verhalten fiel das Urteil von Schalkes Manager Andreas Müller aus: "Wir hatten uns hier mehr ausgerechnet. Aber mit unserem Spiel in Halbzeit zwei kann man keine drei Punkte holen." Die Königsblauen ließen deshalb jedoch nicht die Köpfe hängen: "Ich bin zwar nicht glücklich über das 0:0, aber mit dem einen Punkt zufrieden", meinte Trainer Mirko Slomka.

In der ersten Halbzeit brauchten Hans Meyers Schützlinge 15 Minuten, um richtig in Schwung zu kommen. Dann aber beherrschten sie angetrieben von den Routiniers Tomas Galasek und Jaouhar Mnari das Spielgeschehen und kamen dank des forcierten Flügelspiels zu einigen guten Möglichkeiten. Robert Vittek (13., 18.) und Ivan Saenko (44.) hatten die besten. Als Vorbereiter glänzte Dominik Reinhardt einige Male mit maßgeschneiderten Flanken.

"Viel besser können wir nicht spielen"

Coach Meyer geriet anschließend regelrecht ins Schwärmen: "Ich bin richtig zufrieden mit meinen Jungs. Wir haben Schalke richtig gefordert, ohne selbst in Schwierigkeiten zu geraten. Viel besser als in der ersten Halbzeit können wir nicht spielen." Nürnberg überzeugte vor allem durch eine disziplinierte Mannschaftsleistung und eine nahezu perfekte Organisation.

Mit der kompakten Club-Defensive hatten die "Knappen" ihre liebe Mühe. Dennoch kam Kevin Kuranyi in Durchgang eins zu zwei klaren Torchancen (21., 25.), mit denen der Gast auch in Führung hätte gehen können. "Man darf nicht vergessen: Wir haben heute gegen den Ersten gespielt", fand der gewohnt zuverlässige Andreas Wolf eine Erklärung für die wenigen Situationen, in denen es vor Raphael Schäfers Tor gefährlich geworden war. Michael Beauchamp, der den verletzten Glauber in die Innenverteidigung ersetzt hatte, zeigte in der Anfangsphase einige Unsicherheiten. Mit zunehmender Spielzeit steigerte sich der Australier aber in seinem erst zweiten Einsatz von Beginn an - dem dritten insgesamt - und zeigte eine solide Leistung.

"Der Club ist eine zähe Truppe"

Nach dem Wechsel bissen sich die Königsblauen am Nürnberger Abwehrbollwerk die Zähne aus und kamen kaum noch gefährlich vors Tor. "Der Club ist eine zähe Truppe. Und hat heute wieder einmal gezeigt, warum er erst zweimal in dieser Saison verloren hat", lobte Slomka die Franken. Auf Seiten der Hausherren häuften sich die Standardsituationen, mit denen diese allerdings nicht viel anzufangen wussten. Die wenigen Chancen ergaben sich vor allem nach schnellen Ballstafetten. So wurde zum Beispiel Saenko von Jan Kristiansen und Vittek glänzend in Szene gesetzt, scheiterte jedoch aus spitzem Winkel am Schalker Torhüter Manuel Neuer (61.). Auch Kristiansens Torschuss, der aus 17 Metern knapp das Tor verfehlte, war gut herausgespielt (72.): "Er hätte auch reingehen können. Aber der Pass von Schroth kam sehr schnell und in einer unangenehmen Höhe für mich", erklärte der 25-jährige Däne, warum sein Versuch nicht ins Schwarze getroffen hatte.

Insgesamt büßte die Begegnung in den zweiten 45 Minuten aber stark an Unterhaltungswert ein. "Es war ein sehr zähes Spiel", analysierte Schalkes Coach Slomka. Das lag vor allem an der guten Mittelfeld- und Abwehrarbeit, mit der sich beide Mannschaften zunehmend neutralisierten. Allerdings fehlten auch die letzte Konsequenz und die zündenden Ideen in den Offensivbemühungen beider Teams. Am letzten Zug zum Tor könne man noch arbeiten, stellte Meyer für seine Elf fest. Das sei es dann aber auch schon. Anders als Schalke 04 könne der Club eben nicht auf eine Millionentruppe zurückgreifen: "Wir haben gute Fußballer, aber die sind limitiert. Sie können es nicht besser."

"Schalke ist keine Blindentruppe"

Einige Fans im easyCredit-Stadion wollten die Auffassung des 63-jährigen 1.FCN-Trainers nicht teilen und verabschiedeten die Cluberer am Sonntag mit Pfiffen in die Kabine. "Ich kann die Reaktion der Fans nicht ganz verstehen, weil die Mannschaft alles gegeben hat", fand Verteidiger Reinhardt. Keeper Schäfer nahm die Unmutsäußerungen der Anhänger gelassener: "Die Erwartungshaltung in Nürnberg ist sehr hoch. Die Leute sind mit den vielen Unentschieden nicht glücklich. Wir wollten einen Big Point landen, aber Schalke ist halt keine Blindentruppe." Der Kapitän der Franken betonte: "Es gibt keinen Grund, frustriert zu sein."

So beurteilte das auch Präsident Michael A. Roth, der nach dem Spiel zum Gratulieren in die Kabine kam, was er sonst nur bei Siegen macht: "Jetzt können wir mit dem Unentschieden richtig gut schlafen", freute sich Coach Meyer grinsend über die versöhnliche Geste zum Abschluss des ersten Advents.