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Getrennt zurück

Bedröppelte Mienen bei Javier Pinola (li.) und Raphael Schäfer

Nürnberg - Schuss von Vittek - vorbei. Mintal versucht's - verzogen. Schroth? Genau auf Nicht. Und wieder nichts! Die Aufzählung vergebener Torchancen beim 1:1 in Aachen am Sonntag (12.11.06) ließe sich beliebig fortsetzen. Insgesamt 30-mal (!) visierte der Club den Kasten der Alemannen an und veranstaltete ein Scheibenschießen wie noch kein Team auswärts in dieser Saison. Allein, ein zweiter Treffer gelang nicht. Stattdessen glichen die Gastgeber in der Schlussminute noch aus. FCN-Trainer Hans Meyer brachte der abermalig verschenkte Sieg auf die Palme: "Ich habe schon viel erlebt als Trainer. Aber heute habe ich die Schnauze richtig voll. Es sind fünf Stunden von Aachen nach Nürnberg. Das wird eine richtig schöne Heimfahrt!"

Die Spieler hatten Glück. Meyer mied die Rückreise mit dem Bus und fuhr stattdessen im Auto mit Team-Manager Boban Pribanovic und Sportdirektor Martin Bader. An einer eingehenden Analyse der Geschehnisse auf dem Tivoli werden die Spieler aber nicht vorbeikommen. Meyer: "Wir werden in den kommenden Wochen verstärkt den Torabschluss trainieren - besonders Javier Pinola wird zwei, drei Mal allein aufs Tor zulaufen und versuchen den Ball dann reinzuschieben." Der Argentinier hatte leichtfertig und freistehend aus elf Metern neben das Tor geschossen und es damit seinen Stürmerkollegen um Marek Mintal und Robert Vittek, die am häufigsten das Gehäuse verfehlten (5), gleichgetan.

Schrecken ohne Ende und Ende mit Schrecken

Während sich die über 1.000 mitgereisten Club-Fans die Haare rauften und der Verzweiflung nahe waren, hätten sich ihre Lieblinge wahrscheinlich gewünscht, sie könnten die Tore einfach auseinanderziehen - so wie Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann bei seinen "Gummitwist"-Übungen. Weil dies aber ein Wunschtraum blieb und den Nürnberger Profis darüber hinaus auch noch der Pfosten und die Latte im Wege standen, erlebte der FCN-Tross einen Schrecken ohne Ende, der sich wie ein roter Faden durch die letzten zehn Spiele zieht. "Unser Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Ertrag", klagte Meyer und wusste, dass er diesen Satz schon x-mal in den letzten Wochen gesagt hatte.

Aachen, das fünf Minuten nach dem Sonntagsschuss (29.) von Nürnbergs Bestem, Tomas Galasek, seine erste Chance hatte und bis zum Ende der Partie lediglich eine Hand voll weiterer Möglichkeiten verbuchen konnte, nutzte die allerletzte zum 1:1-Ausgleich. Für den FCN ein Ende mit Schrecken. "Wir schaffen es nicht, vorne die Tore zu machen und bekommen nach meinem Fehler in der letzten Minute noch das Gegentor. Das müssen wir endlich mal abstellen", übte Dominik Reinhardt Kritik, in die sich der Rechtsverteidiger gleich einbezog. Nach seiner verunglückten Kopfballabwehr ins Zentrum zu Jan Schlaudraff hatte Torschütze Reiner Plaßhenrich erst bedient werden können.

Und täglich grüßt das Murmeltier

Vielleicht hätten Reinhardt und seine Mannschaftskameraden den Ball in der Schlussphase einfach mal halten sollen anstatt bis zuletzt nach vorne zu rennen und die Entscheidung zu suchen. Zumal die Nürnberger nach dem Platzverweis für Nico Herzig den Vorteil einer 20-minütigen Überzahl hatten. So aber setzte es nach Cottbus (83. Minute), Mainz (85.) und Dortmund (87.) zum vierten Mal in dieser Spielzeit in der Endphase einer Partie das späte Gegentor zum 1:1.

Eine besonders bittere Note gewinnt der verpasste dritte Saisonsieg dadurch, dass der neunmalige Deutsche Meister wieder einmal die deutlich stärkere Mannschaft stellte. Spielerisch und läuferisch besser, Ball und Gegner beherrscht, wie eine Heim- bzw. Spitzenmannschaft aufgetreten, kurz: "Ein überlegeneres Spiel unserer Mannschaft habe ich noch nicht gesehen", fasste Bader das Auftreten der erneut sehr offensiv ausgerichteten Meyer-Schützlinge zusammen.

"Nach so einem Ding muss man schon schlucken"

Leider, das weiß auch der Sportdirektor, zählen im Fußball nur Punkte; Schönheitspreise werden nicht vergeben. Der Club ist nun schon seit zehn Spielen ohne Sieg. "Es ist uns am Sonntag wieder nicht gelungen, unsere Negativserie zu beenden. Im Gegensatz zu den Unentschieden in München oder Frankfurt werte ich dieses Remis aber als Niederlage", so Meyer. "Normal tue ich das auswärts nicht, und es ist auch nicht weil Aachen so schlecht wäre, aber nach so einem Ding muss man schon schlucken."

In der Tabelle rangiert der 1. FC Nürnberg weiterhin auf dem zwölften Platz, auch der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz ist gleichgeblieben: das Polster beträgt vier Punkte. "Langsam" jedoch, sagt Martin Bader, "langsam wird unsere Situation kritisch." Und so gilt auch vor der nächsten Aufgabe am Samstag gegen Bayer Leverkusen die altbekannte Weisheit: Ein Erfolgserlebnis muss her. Für sieben Akteure, unter anderem Mintal, Vittek und Ivan Saenko, stehen unter der Woche erst einmal Länderspiele auf dem Programm. Wir alle hoffen und drücken ganz fest die Daumen, dass zumindest bei der Nationalmannschaft der Knoten platzt...