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Beste Defensive gegen beste Offensive

Nürnberg - Vom Druck befreit, die einzig ungeschlagene Mannschaft der Liga zu sein, empfängt der 1. FC Nürnberg am Dienstagabend (07.11.06, Anstoß 20.00 Uhr) im easyCredit-Stadion Werder Bremen. Nach acht Spielen ohne Sieg wäre ein Erfolgserlebnis gegen die Hanseaten das geeignete Mittel, um dem tabellarischen Abwärtstrend entgegen zu wirken und an die Form der ersten Saisonwochen anzuknüpfen.

"Wir stehen jetzt dort, wo wir hingehören", meint Trainer Hans Meyer. Auf Platz neun, genau im Rahmen der von Präsident Michael A. Roth ausgegebenen Zielsetzung (zwischen Rang 8 und 12). Doch der Absturz nach unten "geht so schnell", weiß Meyer, dessen Schützlinge nach dem 1:2 in Berlin die zweite Niederlage in Folge deshalb unbedingt vermeiden möchten. Allerdings liegen die Mannschaften in der Bundesliga so nah beieinander, dass sich der FCN mit einem Sieg auch gleich wieder einige Plätze nach oben katapultieren könnte. "Dazu müssen wir als Team und in der Art und Weise, wie wir spielen, ein wenig enger zusammenrücken", rät der Club-Coach.

Platzt der Knoten im FCN-Sturm?

Und vor allen Dingen kaltschnäuziger im Abschluss werden. "Wir machen momentan zu wenig Tore, weil die letzte Konsequenz fehlt", klagt Meyer. Vielleicht platzt ja gegen Bremen der Knoten bei den Vitteks, Mintals und Saenkos. Gutes Omen: Beim letzten Aufeinandertreffen der beiden Vereine in Nürnberg steuerten Markus Schroth und zweimal Robert Vittek die Tore zum 3:1 bei. Club-Torwart Raphael Schäfer erinnert sich: "Im Frühjahr haben wir gegen Bremen auch sehr gut ausgesehen. Wir stehen vor denen sicherlich nicht mit zittrigen Knien da."

Allerdings hinterließ das Star-Ensemble von der Weser in den letzten Wochen einen hervorragenden Eindruck. Sowohl in Bochum als auch in Mainz gelangen der Truppe von Trainer Thomas Schaaf ein halbes Dutzend Tore. "Das sagt alles", ist auch Andreas Wolf angetan. Der blonde Manndecker kehrt nach verbüßter Gelb-Sperre wieder in den Kader zurück. Wer für ihn weichen muss, ist noch offen. "Die Bremer haben zurzeit einen sensationellen Lauf. Werder ist sicher die stärkste Offensiv-Mannschaft in der Bundesliga."

Wolf freut sich auf Bremer Torfabrik

Die Zahlen belegen dies: 28 Treffer - mehr als doppelt so viele wie beim Club (12) - sind auf dem Werder-Konto gutgeschrieben. Bestmarke in der Bundesliga, zugleich Ansporn für Wolf und Kollegen. "Wir haben eine sehr gute Defensive" - zusammen mit Wolfsburg sogar die beste (jeweils nur neun Gegentore) - "es wird also wirklich Spaß machen, gegen Werder Bremen zu spielen", freut sich Wolf. Wie man gegen den torhungrigen Tabellenführer punktet, zeigte Cottbus am Samstag beim 1:1 im Weserstadion. An der kompakten Defensive der Lausitzer bissen sich Diego, Frings und Klose die Zähne aus.

"Das Ergebnis ist sicher keine Sensation, auch wenn es natürlich ein wenig überraschend ist", so Meyer. "Auf der anderen Seite sind solche Ergebnisse immer möglich, nicht nur in dieser Saison. Obwohl es mir recht gewesen wäre, wenn die Bremer sich ihren 'Ausrutscher' noch ein wenig aufgehoben hätten."

Meyers blütenreine Weste gegen Werder

Der FCN-Coach hat im übrigen eine blütenreine Weste gegen die Bremer vorzuweisen: Zu Hause gewann er sowohl mit Gladbach (1:0) in der Saison 2001/02 als auch zuletzt mit dem Club (3:1). Meyer, der am Dienstag zum 250. Mal als Trainer im bezahlten deutschen Fußball auf der Bank sitzt, hätte sicherlich nichts dagegen, wenn auch ein drittes Mal vor eigener Kulisse ein "Dreier" herausspränge.

Und auch das Argument von Manager Martin Bader macht Mut: "Werder ist derzeit mit seinen Weltklassefußballern die Ausnahmemannschaft der Liga, eine echte Herausforderung. Aber warum soll uns nicht, zumal mit diesem Publikum im Rücken, ein Coup gelingen?" Auch Wolf hat ein "gutes Gefühl", wenngleich die Trauben hoch hängen. "Wir wissen, dass wir nur etwas holen, wenn wir mehr als 100 Prozent geben", sagt Ivica Banovic.

"Schnief" - mehr als halbes Dutzend Bremer angeschlagen

Ein weiterer Hoffnungsschimmer für den fränkischen Underdog: Bei den Gästen sind mehr als ein Dutzend Spieler angeschlagen. Schon vor der Partie gegen Cottbus grassierte in Werders Kader die Grippewelle. Was die Bremer in ihrer Pressemitteilung am Freitag verniedlichend noch mit "Schnief" umschrieben hatten, entpuppte sich noch am selben Abend dann doch als etwas schwerwiegender. Der ehemalige Cluberer und jetzige Werder-Kapitän Frank Baumann berichtet: "Einige hatten sich übergeben. Die Nase lief bei fast allen."

Zusammen mit Trainer Schaaf brachen jedoch alle Akteure bis auf Tim Borowski (Knie), Patrick Owomoyela (Sprunggelenk), Mohamed Zidan (Leisten-OP) und Daniel Jensen (Rückstand nach Adduktorenzerrung) einsatzbereit nach Nürnberg auf. Also auch die Stammkräfte Miroslav Klose, Pierro Wome, Naldo und Clemens Fritz.

Fritz und sein "Zwilling" Engelhardt

Alte Sandkastenfreunde: Clemens Fritz und Marco Engelhardt (re.)

Nürnberg - Die Querverbindungen zwischen dem 1. FC Nürnberg und Werder Bremen sind überschaubar. Hier der Kroate Ivica Banovic, der Mittelfeldspieler, der 2003/04 im Bremer Meisterkader stand und dann zum Club wechselte, dort der Franke Frank Baumann, das Club-Eigengewächs. Seit nunmehr sieben Jahren ist der einstige FCN-Kapitän bei den Nordeutschen ein unverzichtbarer Führungsspieler.

Eine weitere Verbindung offenbart sich erst bei einer genaueren Betrachtung der Kaderlisten - und zwar die zwischen Werders Rechtsverteidiger Clemens Fritz und dem an den Folgen eines Kreuzbandrisses laborierenden Nürnberger Marco Engelhardt.

2003 trennten sich die sportlichen Wege

Die beiden tummelten sich bereits im Sandkasten und sind seitdem das, was man heimliche Zwillinge nennt. Es passt ins Bild, dass ihre Fußball-Laufbahnen lange Zeit im gleichen Takt schlugen. Beim Regionalligisten Rot-Weiß Erfurt haben sie sich als verheißungsvolle Talente in die Notizblöcke der Profi-Klubs gespielt, im Sommer 2001 wechselten Engelhardt und Fritz zum Zweitligisten KSC, für den sie zwei Jahre Seite an Seite spielten.

2003 trennten sich dann ihre sportlichen Wege: Engelhardt blieb in Baden, Fritz ging zu Bayer Leverkusen, wo seine Karriere durch einen komplizierten Waden- und Schienbeinbruch abrupt unberbrochen wurde. 16 Monate musste der schnelle Rechtsfuß pausieren. Vergessen, vorbei, seit seinem ablösefreien Wechsel zu Werder gibt es für den 25-Jährigen nur eine Richtung: steil nach oben. Zurzeit ist Fritz die aktuelle Nummer eins in der deutschen Nationalelf und hat so mit seinem "Zwilling" gleichgezogen, während dieser zum Zuschauen verurteilt war: beide haben sie zwei A-Länderspiele auf dem Konto. Hoffentlich folgen viele, viele weitere - für beide natürlich!

Gräfe die Zweite

Bringt gegen Werder hoffentlich wieder Glück: Referee Manuel Gräfe

Nürnberg - Schiedsrichter Manuel Gräfe pfeift am Dienstagabend (07.11.06, 20.00 Uhr) das Heimspiel des 1. FC Nürnberg gegen Werder Bremen. Der 33-jährige Referee ist bereits zum zweiten Mal in dieser Saison bei einem Club-Spiel im Einsatz. Schon das 1:1 des FCN gegen den VfL Bochum brachte der Sportwissenschaftler aus Berlin über die Bühne.

Besonders gute Erinnerungen haben die Schützlinge von Trainer Hans Meyer aber an eine andere Begegnung im eigenen Stadion, die von Gräfe geleitet wurde: den 3:1-Sieg vom 18. März dieses Jahres. Der damalige Gegner: Werder Bremen. Wenn das kein gutes Omen ist!

Gräfe erhielt 1999 seine DFB-Lizenz, seit 2004 ist er in der höchsten deutschen Spielklasse im Einsatz, wo er bislang 34 Spiele gepfiffen hat. Am Dienstagabend wird der Liebhaber der französischen und italienischen Küche an den Seitenlinien von Markus Scheibel und Stefan Lupp unterstützt. Vierter DFB-Offizieller ist Harald Sather.