WM-Talk mit Miro Klose & Andy Köpke: "Der Sommer meines Lebens“
WM-Talk von Sparkasse Nürnberg und FCN mit Cheftrainer Miroslav Klose, ClubLegende Andy Köpke und Autor Tim Frohwein.
90 Minuten Rückblick auf das Sommermärchen vor 20 Jahren sowie ein Blick auf die aktuelle WM und den angehenden Weltmeister – 80 Gäste erlebten auf Einladung der Community-Partner 1. FC Nürnberg und Sparkasse Nürnberg einen unterhaltsamen Fußball-Abend. Club-Stadionsprecher Guido Seibelt manövrierte die Experten FCN-Cheftrainer Miroslav Klose, ClubLegende Andy Köpke und Autor Tim Frohwein geschickt durch den Fragenparcours in der „Townhall“ im Haus des Kunden in der Sparkasse Nürnberg am Lorenzer Platz.
Vor 20 Jahren richtete Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft aus – auch in Nürnberg. Die „Welt war zu Gast bei Freunden“, das Wetter über das komplette Turnier hinweg traumhaft. Menschen und Fans unterschiedlichster Teams und Nationen trafen sich erstmals zum Public Viewing, Autos mit schwarz-rot-goldenen Fahnen prägten das Straßenbild. Teamchef Jürgen Klinsmann hatte bei Amtsantritt mit seinen für damals neuen und unkonventionellen Methoden viel gewagt, letztlich viel gewonnen und den Anstoß für den Weltmeistertitel 2014 gegeben. Das Team begeisterte die Fans, die Fans begeisterten das Team. Deutschland war wie in einem Rausch.
In seinem Buch „2006. Sommermärchen des Jahrhunderts" blickt Autor Tim Frohwein zurück auf diese für den Fußball und die Gesellschaft bewegende Zeit. Beim WM-Talk in der Sparkasse Nürnberg traf er mit Miro Klose, dem deutschen Rekordtorjäger in der Nationalmannschaft, und Andy Köpke, dem Weltmeister, Europameister und damaligen Bundestorwarttrainer, auf zwei Protagonisten von 2006. In eingestreuten Lesepassagen ging es für alle Gäste noch einmal zurück in das Sommermärchen.
Den Titel holte sich damals Italien. Weltmeister 2026 wird nach Meinung der drei Talk-Gäste: Frankreich! Außerdem äußerten sich Klose, Köpke und Frohwein zu weiteren Themen.
Miroslav Klose über…
… den Elfmeterschützen Klose: „Wir hatten viele Führungsspieler, die mit vollem Selbstbewusstsein ihre Elfer geschossen haben. Ich hatte noch nie einen Fuß für Elfer und hätte mich eher hintenangestellt.“
… den Einfluss der WM 2006 auf seine Karriere: „Von den Fitnessmethoden, die Jürgen Klinsmann miteingebracht hat, habe ich wahnsinnig profitiert. Bis zum Ende meiner Karriere habe ich Stabi-Übungen für meinen Oberkörper gemacht, was für meinen Körper optimal war. Ich erinnere mich noch an die ersten Leistungstests unter Jürgen Klinsmann: Da waren Spieler dabei, die keinen einzigen Klimmzug geschafft haben.“
… Lionel Messi: „Messi ist ein brutales Phänomen. Der argentinische Nationaltrainer Lionel Scaloni war mein Mitspieler bei Lazio Rom, wir stehen noch regelmäßig in Kontakt. Er hat ein Telefonat von Messi und mir arrangiert, nachdem er meinen WM-Torrekord eingestellt hat. Das war schon sehr bewegend. Messi und ich sind uns natürlich immer mal wieder auf dem Platz begegnet, das war immer schön und respektvoll. Das Telefonat jetzt war aber das erste Mal, dass wir abseits davon etwas länger miteinander gesprochen haben. Er hat gesagt, er schickt mir ein unterschriebenes Trikot.“
… sein größtes Karriereziel: „Ich habe das erreicht, was ich erreichen wollte: Ich bin Weltmeister. Ich habe vier WMs gespielt, stand dabei als einziger viermal in einem WM-Halbfinale. Das ist nicht selbstverständlich, wie man heute sieht.“
Andy Köpke über …
… den Einfluss der WM 2006 auf ihn persönlich: „Einen Führungsstil wie den von Jürgen kannte ich bis dahin nicht. Er hat sehr viel Verantwortung im Trainerteam abgegeben und hatte hundertprozentiges Vertrauen in seine Mitarbeiter. Der Respekt und die Höflichkeit, die Jürgen im Umgang mit Menschen gezeigt hat, haben mich sehr beeindruckt.“
… den Vergleich der deutschen Teams 2006 und 2014: „2014 waren wir noch besser, noch harmonischer, mit noch mehr Erfahrung. Das war ein Lernprozess, auch für uns im Trainerteam. Wir haben 2014 die Führungsspieler viel mehr eingebunden, ihnen noch mehr Verantwortung übertragen. Das ist auch ein Zeichen von Stärke, ein Team so zu führen.“
… den Zettel für Jens Lehmann beim Elfmeterschießen im Viertelfinale gegen Argentinien: „Wir haben alle Daten über die argentinischen Elfmeterschützen selbst zusammengetragen, es gab ja noch keine Datenbank. So ist dieser Zettel entstanden. Dass Jens ihn sich in seinen Stutzen steckt und dann vor dem Elfmeterschießen rauszieht, war überhaupt nicht geplant. Anschließend hat er sich beschwert, dass er meine Schrift kaum lesen konnte.“
… eine neue deutsche Torhüter-Generation: „Noch sehe ich nicht den einen jungen deutschen Torhüter, der direkt in die Fußstapfen von Manuel Neuer treten kann. Aber wir haben einige gute Talente. Auf einen von ihnen muss man dann im Hinblick auf die nächste EM setzen, ihn aufbauen und das Vertrauen schenken.“
Tim Frohwein über …
… den Begriff des Sommermärchens: „Den Begriff ‚Sommermärchen‘ hat Regisseur Sönke Wortmann mit seinem Film ‚Deutschland. Ein Sommermärchen‘ geprägt, der im Oktober 2006 in die Kinos kam. Das kannte man bisher nicht, dass ein Kamerateam eine Fußballmannschaft bis in die Kabine begleitete.“
… die Zutaten für dieses Sommermärchen: „Das Wetter, die Atmosphäre, das Team und die Kampagnen im Vorfeld haben die Stimmung in Deutschland ganz entscheidend geprägt. Fremden Menschen beim Public Viewing in den Armen zu liegen, sie anzulächeln – diese Verbindungen waren zentral dafür, dass diese besondere Stimmung entstand, die allen bis heute im Gedächtnis geblieben ist. Die WM 2006 hat auch das Bild von Deutschland im Ausland verändert.“
… sein Erleben der WM 2006 als Fan: „Für mich war das der Sommer meines Lebens. Nach dem Argentinien-Spiel war der Glaube so groß, dass wir den Titel holen können. Umso größer war die Leere nach dem Aus im Halbfinale gegen Italien. Eine Leere war auch nach dem Ausscheiden gegen Paraguay da, lässt sich mit der von 2006 aber nicht in Ansätzen vergleichen.“
… die verbindende Kraft des Fußballs: „Eine Gesellschaft braucht Sportgroßveranstaltungen für die Entwicklung eines Wir-Gefühls. Fußball ist der populärste Sport der Welt und kann diese Gelegenheiten schaffen, bei denen sich Menschen treffen. Die zunehmende Kommerzialisierung oder der Einfluss von Social Media sind aber natürlich große Herausforderungen für diese verbindende Kraft.“