William Boving und die Freude am Fußball
Mit zehn Jahren begann William Bovings Weg beim FC Kopenhagen, später folgten Titel mit Sturm Graz und der Schritt in die Bundesliga. Beim Club möchte der Däne nun vor allem eines: wieder regelmäßig auf dem Platz stehen. Im Gespräch erzählt der Neuzugang, was vom zehnjährigen William geblieben ist und wer der wichtigste Begleiter seiner Karriere ist.
Es sind inzwischen einige Stationen zusammengekommen in der noch jungen Karriere von William Boving. Kopenhagen, Graz, Mainz und jetzt Nürnberg. Dänemark, Österreich und Deutschland. Nachwuchsfußball, Champions League und Bundesliga. Doch fragt man den Club-Neuzugang, was vom zehnjährigen William geblieben ist, der einst in den Nachwuchs des FC Kopenhagen wechselte, muss er nicht lange überlegen.
"Die Freude am Fußball ist noch dieselbe. Ich habe eigentlich jeden einzelnen Tag genossen", erzählt Boving. Natürlich sei das Fußballgeschäft heute ein anderes als damals. Doch eines möchte sich der 23-Jährige erhalten: „Einfach glücklich mit dem zu sein, was man macht."
Jeden Tag nach Kopenhagen
Seine fußballerische Ausbildung genoss Boving beim größten Verein seiner Heimatstadt. Einen einzelnen Trainer, der ihn besonders geprägt hat, kann und will er dabei nicht herausheben. „Ich hatte im Nachwuchs viele großartige Trainer und später auch bei der ersten Mannschaft. Sie alle waren ein wichtiger Teil meiner Entwicklung.“ Eine Person allerdings zieht sich wie ein roter Faden durch seine gesamte Karriere: sein Vater.
Weil Boving mit seiner Familie etwas außerhalb Kopenhagens lebte, musste er als Kind jeden Tag zum Training gebracht werden. Rund eine halbe Stunde dauerte die Fahrt. Später nahm William den Zug. In den Anfangsjahren aber saß sein Vater am Steuer – und anschließend häufig am Trainingsplatz.
„Er ist wahrscheinlich der wichtigste Mensch in meiner Fußballkarriere“, sagt Boving. Bis heute schaut dieser nahezu jedes Spiel seines Sohnes. Dabei ist er nicht nur Unterstützer, sondern auch ehrlicher Kritiker. „Er ist meine größte Unterstützung, aber auch derjenige, der mir sagt, wenn etwas nicht gut war. Er versteht Fußball und weiß, wie es funktioniert. Es ist sehr wertvoll für mich, so jemanden in meinem Leben zu haben.“
Daran hat auch Williams Schritt ins Ausland nichts geändert. Wann immer es möglich ist, reist sein Vater zu den Spielen. Besonders die Heimspiele eignen sich für einen Besuch. Denn dann bleibt neben dem Fußball auch Zeit für andere Dinge.
Wer gewinnt beim Golf?
In Nürnberg erkunden Vater und Sohn gemeinsam die neue Umgebung, gehen essen – und manchmal auf den Golfplatz. Dort sind die Rollen nach Aussage des Club-Profis ziemlich klar verteilt. Wer ist der bessere Golfer? „Ich“, antwortet Boving ohne zu zögern. Und würde sein Vater das genauso unterschreiben? Nun ja. „Vielleicht“, sagt Boving lachend.
Der Ehrgeiz scheint also nicht an der Seitenlinie des Fußballplatzes aufzuhören. Ohnehin beschreibt sich der Offensivspieler als jemanden, der bereit ist, viel zu investieren. Würde er seinem zehnjährigen Ich einen Rat geben können, wäre es deshalb keiner, der besonders kompliziert klingt: Freude am Fußball haben und jeden Tag hart arbeiten. „Das ist eigentlich ziemlich genau die Person, die ich heute bin“, sagt Boving. „Ein hart arbeitender Spieler, der auf dem Platz alles gibt.“
Mit 17 zu den Profis
Dass ihn dieser Weg früh in den Profifußball führen würde, war damals noch nicht abzusehen. Beim FC Kopenhagen ging es dann aber schnell. Mit gerade einmal 17 Jahren feierte der Däne sein Profidebüt. Zunächst pendelte er noch zwischen Nachwuchs und erster Mannschaft. Einen Teil der Zeit trainierte er mit den Profis, den anderen mit den Jugendspielern. „So früh mit den besten Spielern trainieren zu können, hat mich besser gemacht“, sagt er rückblickend.
Nach mehr als einem Jahrzehnt in Kopenhagen folgte 2022 schließlich der erste große Schritt aus der Heimat. Kurz vor Ende der Transferperiode wechselte William zu Sturm Graz. Zum ersten Mal lebte er außerhalb Dänemarks, zum ersten Mal musste er in einem fremden Land weitgehend auf eigenen Beinen stehen. „Das war schwierig und natürlich etwas komplett Neues für mich“, erzählt er. Heute blickt er allerdings mit großer Zufriedenheit auf die Entscheidung zurück. Drei Jahre verbrachte er in Österreich, gewann mit Sturm Titel und sammelte internationale Erfahrung bis hin zur Champions League. „Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte.“
Nicht jede Erfahrung muss einfach sein
Nach drei Jahren in Graz war für Boving die Zeit für den nächsten Schritt gekommen. Es ging in die deutsche Bundesliga zum 1. FSV Mainz 05. Sportlich verliefen die folgenden Monate allerdings anders als erhofft. Der Offensivallrounder bekam nur wenige Einsatzminuten. „Ich glaube, dass ich das Niveau hatte, um zu spielen. Ich habe im Training gute Leistungen gezeigt und alles getan, was ich konnte“, sagt er. Gleichzeitig weiß er um die Konkurrenz, die ihn in Mainz erwartete.
Also konzentrierte er sich auf das, was er beeinflussen konnte: „Auch wenn du nicht so viel spielst, musst du im Training weiterhin alles geben und dann die wenigen Minuten nutzen, die du bekommst.“ Die Monate in Mainz waren damit vielleicht nicht die einfachsten seiner Karriere. Der 23-Jährige nimmt aus ihnen dennoch einiges mit. Das tägliche Training auf Bundesliga-Niveau habe ihn weitergebracht. Und die Erfahrung, trotz weniger Spielzeit immer weiterzumachen, habe ihn stärker werden lassen.
„Wieder zurück in den Fußball“
In Nürnberg beginnt nun ein neues Kapitel. Und wenn Boving darüber spricht, was dieses Kapitel zu einem erfolgreichen machen würde, steht zunächst keine bestimmte Zahl an Toren oder Vorlagen im Vordergrund. „Der wichtigste Punkt für mich ist, wieder Spielminuten zu bekommen.“ Unsere Nummer elf möchte Rhythmus finden, seinen Platz in der Mannschaft einnehmen und dem Club mit seinen Qualitäten in der Offensive helfen. Dann sollen auch Tore und Vorlagen folgen. „Das ist mein Job als Offensivspieler.“
Seine ersten Wochen in Nürnberg stimmen ihn zuversichtlich. Sportlich will er sich in der Mannschaft etablieren, abseits des Platzes die neue Heimat kennenlernen. Und dabei soll ihn etwas begleiten, das schon ganz am Anfang seiner Karriere da war. Die Freude am Fußball.