ClubMänner Donnerstag, 26.02.2026

Tom Baack: "Man darf jetzt keinen Schritt weniger machen"

Foto: Sportfoto Zink / fcn.de

Der Club hat derzeit einige Ausfälle im Mittelfeld zu verkraften. Dass Miro Klose diese Ausfälle mehr als verschmerzen konnte, liegt auch an Tom Baack, der zuletzt zwei Mal von Beginn an in die Bresche sprang und lieferte. Wir haben uns mit ihm zum Interview getroffen.

Servus, Tom! Wie viele Karten musstest du für das Spiel in Bochum, wo du mehr als zehn Jahre verbracht hast, besorgen?

Insgesamt waren es neun Stück. Es kamen Freunde und die Familie vorbei, um sich das Spektakel an der Castroper anzuschauen.

Wie war es denn für dich, das Spektakel an der Castroper?

Es war für mich das erste Mal, dass ich in dem Stadion tatsächlich in der Startelf stand. In meiner Zeit beim VfL hatte ich jeweils nur Kurzeinsätze – deswegen zähle ich das nicht so richtig dazu. Wenn der Herbert Grönemeyer da anfängt zu singen, ist das schon ein Gänsehautmoment. Wenn ich ehrlich bin, musste ich automatisch auch ein wenig mitsingen. Aber sobald das Spiel dann losgegangen ist, konnte ich das Drumherum gut ausblenden. Die Stimmung war auch ganz ordentlich und ich muss schon sagen, dass es Spaß gemacht hat.

Nach dem Spiel hast du in der Mixed-Zone von deiner Ruhrpott-Mentalität erzählt und dass man in der Region so lange arbeitet, bis man sein Ziel erreicht hat. Du bist ja auch in der Region geboren. Kriegt man dann diese Mentalität dadurch eingeimpft?

Ich bin in Essen geboren, eine klassische Arbeiterstadt. Dazu habe ich meine ganze Jugend beim VfL Bochum verbracht. Die Arbeitermentalität ist dann einfach eine Charaktereigenschaft, die man durch diese Region mitgegeben und vorgelebt bekommt. Wenn man beim VfL spielt, dann ist man nicht so groß wie Schalke oder Dortmund, sondern eher der Underdog. Da definiert sich dann auch von der Spielweise und Art des Fußballs sehr viel über die Arbeit. Wenn man dann die komplette Kindheit und Jugend so geprägt wurde, nimmt man das schon mit.

Was sind weitere Charaktereigenschaften der Region?  

Wenn ich meinen Freundeskreis beschreiben müsste, dann sind das gerade Jungs, ehrliche Jungs. Das steht auch für unsere Region – wir nehmen kein Blatt vor der Mund, sind ehrlich und sehr direkt.  

Als Stammspieler wolltest du dich nach der Bochum-Partie nicht betiteln. Spielt es in dein Verständnis von einem Team mit rein, über das du in einem Interview im Wintertrainingslager gesprochen hast?

Ja, auf jeden Fall. Nur weil ich zwei Spiele von Anfang an gespielt habe, bin ich noch kein Stammspieler. Wie ich es im Wintertrainingslager schon gesagt habe, gibt es eine Rollenverteilung und ob man die Rolle annimmt oder wie man sie annimmt, liegt immer bei einem selbst. Und natürlich muss man trotzdem weiterarbeiten. Jeder Spieler möchte spielen. Das steht außer Frage. Wenn dann mal Ausfälle oder Sperren kommen, muss man in einer guten Verfassung sein und dann auch den Leuten, sich selbst und dem Team zeigen, dass man der Mannschaft helfen kann. Und wenn das klappt, ist es umso besser. Wenn nicht, muss man weiterarbeiten, dass es besser wird. Aber ich denke, ich habe das in den letzten zwei Spielen ganz gut hinbekommen.

Du zeigst dich aber auch selbstkritisch, hast gesagt, dass der Schritt von der dritten in die zweite Liga schon ein großer ist. Was ist denn, weg von den offensichtlichen Dingen, bei einem 1. FC Nürnberg anders als bei einem SC Verl?

Grundsätzlich muss man einfach sagen: Der Club ist halt der Club. Und der Sportclub ist eben der Sportclub, ohne das jetzt despektierlich zu meinen. Auch wenn in Verl, was man auch derzeit sieht, richtig gute Arbeit geleistet wird, ist dort medial kaum etwas los. Eigentlich macht mir das Mediale und die Aufmerksamkeit auch nichts aus, weil die Leute reden und Schreiben immer irgendetwas. Und ich gebe nicht viel auf Meinungen, die von außen hereingetragen werden, weil da gar kein richtiges Verständnis für die Gesamtsituation und die Art und Weise, wie man arbeitet, da sein kann. Solche Themen sind beim Sportclub in Verl kaum vorhanden und das ist hier schon mehr geworden.

Wie bist du dann teilweise mit deiner persönlichen Situation nach dem Saisonstart umgegangen?

Ich habe mit meinen Leistungen zu Saisonstart dafür auch Fläche geboten und auch keinen Hehl daraus gemacht, dass ich selbst unzufrieden mit mir war. Dann kann man natürlich gut darüber schreiben - das ist mir klar. Da hat natürlich auch unser Saisonstart mitreingespielt. Wir haben uns da aber alle zusammen herausgekämpft. Wir standen immer zusammen und haben nichts an uns rankommen lassen. Und jetzt wird halt wieder gut über uns geschrieben. Das ist das Geschäft.

Wann war für dich aber der Punkt, wo du gemerkt hast, dass deine persönlichen Anpassungen funktionieren?

Ich glaube, das ist immer so ein fließender Übergang. Die Aktionen klappen besser, das Spielverständnis mit den Mitspielern wird besser. Das ist ein schleichender Prozess, an dem man aber auch natürlich jeden Tag dranbleiben muss. Die Kunst ist es jetzt, dass man das nicht schleifen lässt, wenn es läuft. Man darf jetzt keinen Schritt weniger machen als zuvor.  

Wie würdest du denn jetzt deine zwei Einsätze beschreiben, bewerten?

Ich denke, ich habe ein paar Attribute oder Eigenschaften mit reingebracht, die für mich so ein bisschen stehen. Dieses kämpferische, viel laufen und vielleicht auch Sachen machen, die man nicht direkt sieht, aber die für die Mannschaft wichtig sind. Im letzten Spiel hat jetzt sogar mein rechter Huf auch dafür gesorgt, dass wir ein Tor gemacht haben. Ich finde ich, ich kann auch noch besser Fußball spielen. Gegen Bochum bin ich in der Anfangsphase gut reingekommen, was mir Sicherheit gegeben hat. Normalerweise ist es eher so, dass ich gerade über die defensiven Aktionen in die Spiele finde. Aber ich habe in vielen Bereichen noch Potenzial. Nur diese Grundtugenden, die versuche ich immer auf dem Platz zu bringen.

Im Winter hast du gesagt, unser Ziel muss es sein, uns gegen jeden Gegner zu verbessern. Wir haben jetzt die doppelte Anzahl an Punkten geholt, wie in der Hinrunde zum selben Zeitpunkt. Wie blickst du auf den Start in die Rückrunde?

Dass wir mehr Punkte haben, ist auch wichtig, da wir zum Saisonstart viel liegengelassen haben.  Wir haben da oft durch Gegentore kurz vor Schluss verloren. Mittlerweile ist es so, dass wir oft führen und dann noch den Ausgleich kassieren. Jetzt geht es für uns darum, die Führungen auszubauen und die Phasen, in denen es hektisch wird, gar nicht erst aufkommen zu lassen, sondern die Spiele souverän zu Ende zu bringen.  

Jetzt geht es für dich zum ersten Mal ins Olympiastadion. Passt der Mensch vom Ruhrgebiet auch nach Berlin?

Ach die Berliner haben ja auch eine schöne Schnauze – positiv gemeint natürlich. Und ich glaube, die Currywurst dort ist auch nicht allzu schlecht. Spaß beiseite – ich freue mich auf das Olympiastadion, da ich es nur aus dem DFB-Pokalfinale im Fernsehen so richtig kenne. Die Hertha ist derzeit vielleicht ein bisschen angeknockt und wird eine Reaktion zeigen wollen. Aber wir fahren da hin und wollen gewinnen.


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