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Profis Dienstag, 02.04.2019

Tobi Werner: "Es gab schon ganz andere Fußballwunder"

Foto: Sportfoto Zink

Er ist dreimal in die Bundesliga aufgestiegen – mit drei unterschiedlichen Vereinen. Das letzte Mal im Jahr 2018, als Tobias Werner vom VfB Stuttgart an den 1. FC Nürnberg ausgeliehen war. Am 18. März dieses Jahres hat sich der 33-Jährige dazu entschlossen, seine Karriere zu beenden. fcn.de hat vor dem Spiel seiner beiden Ex-Klubs am Samstag mit dem gebürtigen Thüringer gesprochen.

fcn.de: Hallo Tobi, wo erwischen wir dich denn aktuell?

Ich war eben noch in Augsburg beim Bäcker und fahre aktuell die Einkäufe nach Hause. Da meine Frau arbeitet, habe ich seit meinem Karriereende die spannenden Aufgaben übertragen bekommen (lacht). Mir wird auf jeden Fall auch zu Hause nicht langweilig, denn eine fünfköpfige Familie muss auch erst einmal organisiert werden.

fcn.de: Deine Kinder freuen sich mit Sicherheit auch, den Papa jetzt öfter zu sehen…

… ja, total! Anfangs war es für uns alle etwas Neues und Ungewohntes. Auf einmal ist der Papa immer da. Ich freue mich vor allem, die Wochenenden frei zu haben und auch mal spät mit meiner Familie zusammen zu frühstücken und dann noch etwas zu unternehmen. Das war vorher ja nie möglich.

fcn.de: Also vermisst du den Rasen noch nicht?

Nein, mir geht es wirklich gut. Wenn ich etwas vermisse, dann die Zeit in der Kabine mit meinen Mannschaftskollegen, weil es immer lustig war und ich auch einer bin, der gerne mal Späße macht. Aber vielleicht kommt das mit dem Vermissen auch erst noch.

fcn.de: Du hast während deiner Profikarriere Sportmanagement studiert. Kommt ein Trainerposten für dich also nicht in Frage?

Ich möchte das nicht ausschließen, aber ich könnte mir eine andere Anstellung in einem Fußballverein schon besser vorstellen, als den Trainerposten. Welche das dann wird, darauf möchte ich mich aber noch nicht festlegen. Ich will mich erst einmal informieren, wie es hinter den Kulissen in einem Klub abläuft. Das hört sich zwar nach einem langweiligen Bürojob an, aber ich habe da richtig Bock drauf! Und ich will ja auch noch was dazulernen.

fcn.de: Auch der Club hat in den vergangenen Wochen dazugelernt und sich durch den Heimerfolg gegen deinen Ex-Klub, den FC Augsburg, auch belohnt. Wie bewertest du die aktuelle Situation in Nürnberg?

Ich denke, dass die Bundesliga vor der Saison vielleicht ein wenig unterschätzt wurde. Ich ziehe jedenfalls den Hut vor Boris Schommers, meinem damaligen Co-Trainer, der die Defensive stabilisiert hat und dem Team die Mentalität mitgegeben hat, dass noch alles möglich ist. In den vergangenen Spielen waren sie auf Augenhöhe mit den Gegnern.

fcn.de: Glaubst du an den Klassenerhalt des Club?

Am Wochenende steht das wichtige Spiel gegen den VfB an. Mit einem Sieg stehen die Chancen auf den Relegationsplatz sehr gut. Außerdem gab es schon ganz andere Fußballwunder. Warum sollten sie es also nicht schaffen?

fcn.de: Wie blickst du heute auf die Zeit beim FCN zurück?

Ich habe ausschließlich gute Erinnerungen an den Club. Es waren super Jungs dabei, die sich um mich gekümmert haben und mit denen ich Spaß und Erfolg hatte. Wir hatten eine talentierte Mannschaft. Wenn ich ehrlich bin, wäre ich gerne noch Teil des Club. Ich war zwar nur ein Jahr da, aber das Jahr war unglaublich intensiv und der Aufstieg war natürlich die Krönung. Ich denke unheimlich gerne an die Zeit zurück.

fcn.de: Gibt es noch Kontakt?

Ich telefoniere häufig mit Hanno, er war in Nürnberg immer für mich da. Aber auch zu Tim Leibold habe ich noch Kontakt und zu meinem Lieblingsteammanager Boban natürlich auch. Ich habe mich beim Club wirklich wohl gefühlt und viele Freundschaften gefunden.

fcn.de: Beim VfB Stuttgart hast du nun deine Karriere beendet. Wie würdest du deine Zeit dort beschreiben?

Sportlich habe ich mich in Stuttgart nicht zurechtgefunden, aber auch dort habe ich tolle Menschen kennengelernt und den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert. Ich habe dort aber nie die Rolle gespielt, die ich beim Club oder in Augsburg hatte.

fcn.de: Hättest du gedacht, dass der VfB wieder gegen den Abstieg spielt?

Die Stuttgarter wurden vor der Saison für ihre Transferpolitik extrem hoch gelobt, daher war das bisherige Abschneiden doch sehr überraschend. Auch beim VfB hat man sich das natürlich anders vorgestellt. Ich denke, dass der Abstiegskampf bis zum letzten Spieltag spannend bleibt, und Nürnberg ist aus meiner Sicht definitiv in der Lage, in Stuttgart etwas Zählbares mitzunehmen.

fcn.de: Wie wird das Spiel am Samstag ablaufen?

Es wird kein Offensivfeuerwerk. Ich denke, dass ein Tor das Spiel entscheiden kann. Der VfB geht als Favorit in das Spiel, aber das wird dem FCN nicht ungelegen kommen. Wenn sie defensiv gut stehen, können sie vielleicht in Führung gehen und dann wird es für Stuttgart eklig.

fcn.de: Kann man den Club und den VfB vergleichen?

Also gemeinsam haben beide Vereine die große Tradition und phantastische Fans, die bei Erfolg und Misserfolg hinter der Mannschaft stehen, solange sie auf dem Platz alles gibt. Aber der VfB hat finanziell ganz andere Möglichkeiten als der Club. Nürnberg strebt nach der konstanten Teilnahme in der Bundesliga und der VfB sollte sich mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln langfristig in den Top fünf der Bundesliga etablieren.

fcn.de: Wem drückst du am Samstag die Daumen?

Ich drücke im Rennen um den Verbleib in der Bundesliga tatsächlich allen drei Ex-Klubs die Daumen und bin gespannt, wer sich am Ende durchsetzen wird.