Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK
Dienstag, 19.10.2010

Teamcheck Wolfsburg

Samstag geht's gegen die Wölfe. Der Gegner unter der Lupe.

Die Tabelle

Natürlich, die Tabelle lügt nicht – und doch kann sie mitunter die Realität verfälschen, weil sie nicht in der Lage ist, Grautöne abzulichten. So weist sie den VfL Wolfsburg auf Rang 12 aus, was wiederum in der nüchternen, weil rein auf Zahlen basierende Sprache der Tabelle bedeutet, dass die „Wölfe“ unterer Liga- Durchschnitt sind.

Die letzten Spiele

Blickt man jedoch hinter die Zahlen, die unterm Strich zu besagten 12. Rang führen, kann man an der angeblich so unzweifelhaften Aussagekraft der Tabelle seine Zweifel bekommen. Im Fall der Wolfsburger ist sie eher eine zur Urteilsfindung untaugliche Momentaufnahme. Man könnte die 10 Punkte des VfL und den daraus resultierenden Rang 12 nämlich auch wie folgt lesen: 3:0 gegen Mainz geführt, am Ende 3:4 verloren, in Gladbach dominiert, es aber mehrfach verpasst, die 1:0-Führung auszubauen, am Ende mit einem 1:1 nach Hause gefahren.

Das letzte Spiel

Zuletzt Bayer Leverkusen 70 Minuten lang zum Statisten degradiert, ungefährdet 2:0 in Front gelegen, um am Ende doch mit einem 2:3 vom Feld gehen zu müssen. „Bayer weiß wahrscheinlich bis heute nicht, wie es die Partie drehen konnte“, so der Kommentar von Club-Coach Dieter Hecking. Was die Wolfsburger indes wissen: Sie haben in den besagten drei Partien statt den zum Greifen nahe neun Punkten nur einen geholt hat. Und mit diesen verschenkten acht Punkten hätten sie 18 Zähler, würden auf Rang 3 und damit voll auf Kurs in Richtung anvisierte Qualifikation fürs internationale Geschäft liegen.

Die Trainer

2009 trieb Felix Magath im Wortsinn den VfL zu einer fantastischen Rückserie und zur ersten Meisterschaft. Anschließend sagte Magath Adieu – der erste Umbruch, zumal Nachfolger Armin Veh der Mannschaft einen neuen, auf Kurzpassspiel basierenden Fußballstil verpassen wollte. Auf Veh folgte Anfang dieses Jahres der „klassische“ Fußballlehrer Lorenz-Günter Köstner, am Ende verfehlten die Niedersachsen die anvisierte Titelverteidigung mit Rang 8 klar.

Köstner ging zurück ins zweite Glied, übernahm wieder die U 23. Und den Auftrag, den Meister von 2009 ins erste Drittel der Liga zurückzuführen, vergaben die VfL-Bosse dann an einen Bundesliga-Novizen: Und zwar an Steve McClaren, der sich schon an seinem ersten Arbeitstag in die Geschichtsbücher der Liga verewigte. Der Rotschopf, der einst mit der englischen Nationalelf Schiffbruch erlitt, in Holland dann aber Twente Enschede sensationell zum Titel führte, ist der erste britische Cheftrainer der Bundesliga.

Teamspirit

Wobei britisch? Klar, sein Auftreten entspricht den klassischen Vorstellungen, die man von einem Gentleman von der Insel im Kopf hat: charmant, höflich, zurückhaltend, aber doch bestimmt. Seine Vorstellung von Fußball indes ist alles andere als „very british“, denn mit „Kick-and-Rush“ kann er so gar nichts anfangen. Konzept-Fußball, klar strukturiert und effizient, ist es, was er sehen möchte und akribisch einstudieren lässt. Wobei er nicht müde wird zu betonen, dass ihm Teamspirit wichtiger ist als jede Taktik. Eine Ansicht, die er auch lebt. Zunächst führte er beim VfL ein 4-2-3-1 ein.

Spielsystem

Als sich nach den ersten Spieltagen aber mehr und mehr herauskristallisierte, dass der Mannschaft diese Taktik nicht behagte, und sich der Mannschaftsrat für eine Rückkehr zur Raute in Mittelfeld und einem Zweier-Sturm stark machte, verwarf McClaren das von ihm favorisierte Spielsystem kurzerhand wieder. In diversen Handbüchern für Führungskräften wird das Durchziehen von Konzepten und Vorstellung als wichtig, weil ein Zeichen für Stärke erachtet, doch als Boss kann man sehr wohl flexibel reagieren, ohne sich und seiner Linie untreu zu werden. An Glaubwürdigkeit hat der Brite beim VfL dadurch jedenfalls nicht verloren, im Gegenteil, sein Ansehen ist vielmehr noch gewachsen.

Fortschritt?

Zumal die Umstellung den „Wölfen“ fraglos gut getan hat. Dass sie damit noch nicht von Rückschlägen gefeit sind, steht auf einem anderen Blatt. Aber, selbst bei den besagten Rückschläge sind, so seltsam es klingen mag, Fortschritte unverkennbar. Ist der VfL beim verspielten 3:0-Vorsprung gegen Mainz noch komplett weggebrochen, was wiederum McClaren als Einstellungsproblem brandmarkte, so waren es zuletzt beim 2:3 gegen Bayer „nur“ individuelle Fehler. Es geht also, Tabelle hin oder her, aufwärts beim VfL.