Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK
Profis Teamcheck Donnerstag, 21.04.2016

Teamcheck Union: Voll im Soll – aber zu spät

Für die Köpenicker war es bis hierhin eine turbulente Saison. Zwei Trainerwechseln und einer enttäuschenden Hinrunde folgte ein sportlicher Aufschwung, der die Berliner zu den aktuell formstärksten Teams der Liga macht.

Foto: Sportfoto Zink

Was Union Berlin ist? Wer nun mit „einer von 18 Zweitligisten“ antwortet, hat Recht und liegt zugleich falsch. Denn die „Eisernen“ sind zwar in ihrer siebten Zweitliga-Spielzeit in Folge und doch kein normaler Profi-Verein: Das „St. Pauli des Osten“ wurden und werden sie hier und da genannt, was ihnen selbst weniger gefällt, weil es ihrem Selbstverständnis widerspricht. Union ist Union, Punkt. Der Name steht für sich, für Kult und einen ganz speziellen Klub. Nur, was macht das Besondere aus?

An dieser Stelle könnte man eine grundsätzliche Debatte lostreten, was einen Verein zu einem sogenannten Kultklub macht: Ist es der Klub an sich, sein Standpunkt, seine Historie oder sind es die Menschen in und um ihn herum? Es ist eine Mixtur aus allem, bei dem einen hat die Historie mehr Gewicht, bei dem anderen ist es der Faktor Fans. Und diese sind, das kann man bei Union zweifelsfrei festhalten, zu großen Teilen für den einmaligen Flair der Berliner verantwortlich.

Gänsehautmomente in der Alten Försterei

Es ist eine große, bunte Familie, die an der Alten Försterei jedes Heimspiel zu dem macht, was man heutzutage Event nennt. Sie füllen auch das Stadionrund, wenn kein Spiel, sondern „nur“ das traditionelle Weihnachtssingen auf dem Programm steht, fürs Public Viewing während eines großen Turniers wie WM oder EM schleppen sie schon mal ihre Sofas in die Arena, in der sonst ihre Lieblinge  grätschen, dribbeln und schießen und sorgen dort für heimelige Wohnzimmer-Atmosphäre. Und wenn wie in dieser Spielzeit ein nach seiner Leukämie-Erkrankung wiedergenesener Benjamin Köhler erstmals wieder in einem Pflichtspiel den Rasen betritt, verleihen sie dem ohnehin bewegenden Moment zusätzlich eine Emotionalität, die auch dem Hartgesottensten eine Gänsehaut verpasst.

Doch außergewöhnlich hin oder her, in anderen Punkten ist Union ein ganz normaler Zweitligist. Man nehme zum Beispiel die sportlichen Ambitionen. Es liegt in der Natur des Sports, dass man nach Höherem strebt. Und wer wie Union zuvor viermal in Folge die 2. Liga in der ersten Tabellenhälfte abgeschlossen hat, der befasst sich automatisch mit dem Thema erstes Drittel und Aufstieg. „Platz 1 bis 6“ gaben die Berliner im vergangenen Sommer als Ziel aus, nachdem sie zuvor bis auf Torjäger Polter alle ihre Stammspieler hatten halten und ihren Kader zudem mit gestandenen Zweitliga-Kräften wie Daube (St. Pauli), Fürstner (Fürth), Kessel (Braunschweig) oder Quaner (Aalen) verstärken können. Nicht wenige Kenner der 2. Liga hatten übrigens Union als Geheimfavoriten auf seinem Zettel stehen.

Die insgeheime Aufstiegshoffnung

Zurück in die Gegenwart: Als Sechster treten die Berliner am Samstag, 23.04.16, beim Club an, so gesehen müssten sie also im Soll liegen. Das trifft allerdings nur bedingt zu, denn hinter der Vorgabe „Platz 1 bis 6“ verbarg sich der Wunsch, im Aufstiegsrennen zumindest ein Wörtchen mitreden zu können. Nur, das ist den Berlinern in dieser Spielzeit nie gelungen. Und daran wird sich nichts ändern, der Abstand zu den Aufstiegsrängen ist mit 13 Punkten auf den Club zu groß. Ein Umstand, der an der Alten Försterei mit dem Blick auf das Jahr 2016 ein wenig Wehmut auslöst. Zu Recht, wenn die Hinrunde nur nicht so holprig verlaufen wäre, der Begriff Aufstiegskampf hätte heute für Union sehr wohl eine Bedeutung.

Seit dem Start der Liga nach der Winterpause werden die Berliner der zu Saisonstart abgegebenen Einschätzung der Experten gerecht: In der Tabelle 2016 belegen sie hinter Freiburg (25 Punkte), dem Club (23) und Leipzig (21) mit 20 Punkten den vierten Platz. Dies ist bei aller Kadergüte doch ein wenig erstaunlich, denn auf dem Trainerposten gab es nach einer gewollten eine ungewollte Rochade: Anfang März erkrankte der erst in der Hinrunde für den glücklosen Norbert Düwel verpflichtete Sascha Lewandowski und musste wegen Burn-out seinen Posten räumen.

Jens Keller übernimmt

Dass dies keinerlei Komplikationen nach sich zog, spricht für die Mannschaft wie auch für den bis Saisonende vom „Co“ zum „Chef“ beförderten André Hofschneider. Auch das Bekanntwerden des Umstandes, dass Letzterer ab dem Sommer als Scout arbeitet und der zuletzt auf Schalke tätige Jens Keller dann die Mannschaft übernehmen wird, hat die Spieler nicht mal ein kleines Stück weit zurücklehnen lassen.

Der Chef geht in ein paar Wochen, in der Tabelle geht nach oben wie unten nichts wirklich Entscheidendes mehr, da wäre ein Spannungsabfall um ein paar Prozentpunkte zumindest verständlich. Bei Union ist das Gegenteil der Fall: Die Mannschaft hat sich gefunden, großen Gefallen am süßen Geschmack des Erfolges und will nun noch einen oder zwei Plätze gutmachen. In Zahlen: Seit vier Spielen ist sie ungeschlagen, jüngst ist sie dreimal in Folge ohne Gegentor vom Feld gegangen, was Einiges über ihre Stärken aussagt. Das kompakte, kampfstarke Verteidigen zeichnet sie derzeit ebenso aus wie das blitzschnelle Umschalten nach einem Ballgewinn. Kurz gesagt: Eine richtig knifflige Aufgabe wartet auf den Club!

Spieldaten

31. Spieltag, 2. Bundesliga 2015/2016
6 : 2
1. FC Nürnberg
49. Tim Leibold 1:2
60. Niclas Füllkrug (Elfmeter) 2:2
67. Niclas Füllkrug 3:2
74. Guido Burgstaller 4:2
90. Niclas Füllkrug 5:2
90. Even Hovland 6:2
1. FC Union Berlin
3. Adrian Nikci (Kopfball) 0:1
23. Damir Kreilach (Kopfball) 0:2
Stadion
Grundig-Stadion
Datum
23.04.2016 12:00 Uhr
Schiedsrichter
Martin Thomsen
Zuschauer
30384

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Rakovsky - Brecko - Margreitter - Hovland - Sepsi - Behrens - Leibold - Gíslason (70. Petrak) - Kerk (82. ERROR!) - Burgstaller (88. Teuchert) - Füllkrug
Reservebank
Stephan, Mössmer, ??, Petrak, Stieber, Hercher, Teuchert
Trainer
René Weiler
1. FC Union Berlin
Busk - Kessel - Puncec - Pogatetz - Parensen - Fürstner (46. Redondo) - Kroos - Zejnullahu (57. Trimmel) - Kreilach - Nikci - Wood
Reservebank
Haas, Trimmel, Quiring, Redondo, Quaner
Trainer
André Hofschneider

Ereignisse

3. min Spielstand: 0:1
Adrian Nikci

15. min Spielstand: 0:1
Eroll Zejnullahu

23. min Spielstand: 0:2
Damir Kreilach

32. min Spielstand: 0:2
Benjamin Kessel

42. min Spielstand: 0:2
Adrian Nikci

46. min Spielstand: 0:2
Kenny Prince Redondo kommt für Stephan Fürstner

49. min Spielstand: 1:2
Tim Leibold

57. min Spielstand: 1:2
Christopher Trimmel kommt für Eroll Zejnullahu

60. min Spielstand: 2:2
Niclas Füllkrug

65. min Spielstand: 2:2
Even Hovland

67. min Spielstand: 3:2
Niclas Füllkrug

70. min Spielstand: 3:2
Ondrej Petrak kommt für Rúrik Gíslason

74. min Spielstand: 4:2
Guido Burgstaller

82. min Spielstand: 4:2
ERROR!Sebastian Kerk

88. min Spielstand: 4:2
Cedric Teuchert kommt für Guido Burgstaller

90. min Spielstand: 5:2
Niclas Füllkrug

90.(+2) min Spielstand: 6:2
Even Hovland