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Profis Hintergründe Freitag, 13.02.2015

Teamcheck Union: Aufbruchstimmung an der Wuhle

Nach der Neurorientierung auf der Trainerbank, blieb der Erfolg beim 1. FC Union Berlin anfänglich aus. Derzeit gelten die Köpenicker aber als "Mannschaft der Stunde". fcn.de hat den kommenden Gegner genauer unter die Lupe genommen.

Foto: Picture Alliance

Festgefahrene Strukturen aufzubrechen ist nicht leicht, aber notwendig, um vorwärts zukommen. Das gilt, ganz banal, für viele Bereiche im Leben und natürlich auch für den Profifußball. Union Berlin dient als passendes Beispiel. Seit 2009 spielt der Traditionsklub aus dem Stadtteil Köpenick ununterbrochen in der 2. Liga. Die Plätze 12, 11, zweimal 7 und 9 sprangen in diesem Zeitraum in der Abschlusstabelle heraus.

Union etablierte sich in diesen Jahren, gilt mittlerweile als ein fester Bestandteil des Bundesliga-Unterhaus'. Uwe Neuhaus stieg mit den "Eisernen" seinerzeit als Trainer auf und stand die ganze Zeit auf der sportlichen Kommandobrücke. Für die Verantwortlichen um Präsident Dirk Zingler wäre es im Frühjahr 2014 ein Leichtes gewesen, mit Neuhaus auch die sechste Saison 2. Liga in Angriff zu nehmen. Stattdessen entschied man sich an der "Alten Försterei", die Kruste aufzubrechen. Neuhaus musste gehen, mit Norbert Düwel verpflichtete die Vereinsspitze einen vergleichsweise unerfahrenen Cheftrainer.

Neuanfang mit alter Zielsetzung

Der 47-Jährige, geboren im niederbayerischen Altötting, hat in seiner Vita zu diesem Zeitpunkt vier Jahre als Assistenztrainer von Mirko Slomka bei Hannover 96 stehen, davor trainiert er von 2007 bis 2009 die Nationalelf der Studentinnen. Als Aktiver kickte er lediglich im Amateurbereich, bei Türk Gücü München und Wacker Burghausen in der Bayernliga.

Die Installierung Düwels schien also, je nach Betrachtungsweise, innovativ, aber auch riskant. Und zunächst sahen sich die Skeptiker bestätigt. Den drei Unentschieden zum Saisonauftakt folgen zwei Niederlagen - Eisern Union nistete sich in der Abstiegsregion ein, eine harte Saison drohte. So etwas sorgt im stets aufgeregten Business Profifußball an sich schon für Unruhe und Aufregung. Bei Union potenzierte sich diese durch den erzwungenen Abschied Torsten Mattuschkas. Ein Spieler mit bundesweit überschaubarer Bekanntheit, bei Union aber schlicht und einfach eine lebende Legende, ein Idol der Fans. Zumal Mattuschka im Vorjahr noch auf den herausragenden Wert von 24 Scorerpunkten (12 Tore) kam. So einen stellt man nicht in Frage, schallt es aus dem Fußballvolksmund. Düwel aber verzichtete auf das Idol, weil er macht, was jeder Neue irgendwie glaubt, machen zu müssen. Er verändert etwas.

Aufwärtstrend nach anfänglicher Talfahrt

Anfangs mochte es wie Aktionismus anmuten, die Erfolge blieben aus, viele meinten. Am 10. Spieltag stand alles auf der Kippe, 0:1 lag Union zur Halbzeit gegen den SV Sandhausen hinten. Eine weitere Heimniederlage, und der Deckel über der Akte Düwel wäre geschlossen worden, glaubten viele. Union aber siegte, und seitdem ging es aufwärts.

In den jüngsten sechs Partien holte die Mannschaft vier Siege, verlor nur noch einmal. Der Lohn? Platz acht in der Tabelle, Tendenz leicht steigend. "Wir haben wieder Moral und Charakter gezeigt, indem wir erneut ein Spiel gedreht haben. Es kann in der Tabelle noch ein bisschen aufwärts gehen", sagte Kapitän Damir Kreilach nach dem 2:1-Sieg gegen den VfL Bochum. Er selbst erzielte dabei das Siegtor. Ein gewöhnliches 2:1 für einen ungewöhnlichen Verein.

Ein "Kultverein" kämpft gegen den Krebs

Viele halten die Eisernen neben dem FC St. Pauli für den größten Kultverein im deutschen Profifußball. Union-Fans erwiesen sich in der Vergangenheit mehrfach als kreativ, um den oft klammen Verein finanziell zu unterstützen. Hilfe bekommt auch Benjamin Köhler, einer der Spieler. Der 34-Jährige kämpft gegen Lymphdrüsenkrebs im Magenbereich. In Anlehnung an seine Rückennummer 7 gab es gegen Bochum nach sieben Minuten eine Unterbrechung, die Spieler präsentierten unter ihren Trikots ein Shirt mit Köhlers Nummer, "gemeinsam kämpfen" stand darauf.

Nach dem Abpfiff hielt die Mannschaft ein Plakat mit dem Schriftzug "Eisern bleiben Benny" hoch, der Erkrankte bekam es auf der Tribüne hautnah mit, während Union den auslaufenden Vertrag mit ihm bis 2016 verlängerte. Gelebte Solidarität in einem oft eiskalten Geschäft. Union ist eben ein spezieller Verein. Und alles andere als verkrustet.

 

 

Spieldaten

21. Spieltag, 2. Bundesliga 2014/2015
3 : 1
1. FC Nürnberg
4. Peniel Kokou Mlapa 1:0
54. Jakub Sylvestr (Elfmeter) 2:1
87. Jakub Sylvestr 3:1
Union Berlin
17. Sebastian Polter 1:1
Stadion
Grundig Stadion
Datum
15.02.2015 12:30 Uhr
Schiedsrichter
Robert Kempter
Zuschauer
29166

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Rakovsky - Celustka - Petrak - Hovland - Bulthuis - Polak - Schöpf - Mlapa (78. Blum) - Füllkrug (59. Stark) - Burgstaller (70. Koch) - Sylvestr
Reservebank
Schäfer, Pachonik, Stark, Blum, Kerk, Koch
Trainer
René Weiler
Union Berlin
Haas - Trimmel - Puncec - Leistner - Schönheim - Kreilach - Parensen - Kobylanski (56. Sulejmani) - Skrzybski - Polter (89. Zejnullahu) - Nebihi (68. Quiring)
Reservebank
Amsif, 18466, Kopplin, Jopek, Quiring, Sulejmani, Zejnullahu
Trainer
Norbert Düwel

Ereignisse

4. min Spielstand: 1:0
Peniel Kokou Mlapa

17. min Spielstand: 1:1
Sebastian Polter

53. min Spielstand: 1:1
Sebastian Polter

54. min Spielstand: 2:1
Jakub Sylvestr

56. min Spielstand: 2:1
Valmir Sulejmani kommt für Martin Kobylanski

59. min Spielstand: 2:1
Niklas Stark kommt für Niclas Füllkrug

68. min Spielstand: 2:1
Christopher Quiring kommt für Bajram Nebihi

70. min Spielstand: 2:1
Robert Koch kommt für Guido Burgstaller

75. min Spielstand: 2:1
Michael Parensen

78. min Spielstand: 2:1
Danny Blum kommt für Peniel Kokou Mlapa

87. min Spielstand: 3:1
Jakub Sylvestr

89. min Spielstand: 3:1
Eroll Zejnullahu kommt für Sebastian Polter