Teamcheck Samstag, 17.08.2013

Hertha nur ein Aufsteiger? Von wegen!

fcn.de hat sich den kommenden Club-Gegner angeschaut. Die Berliner im Teamcheck.

Foto: Picture Alliance

Es gibt Bundesliga-Aufsteiger – und es gibt die Hertha, die in dieser Saison zwar rein faktisch unter diese Rubrik fällt, aber nicht als solcher gesehen wird. Und dies war schon vorm Traumstart mit dem historischen 6:1 über Frankfurt der Fall: Nie wurden die Berliner im Vorfeld der Saison mit einem Kampf um den Ligaverbleib von der ersten Sekunde an in Verbindung gebracht. Und dies hat nur am Rande mit dem Umstand zu tun, dass man von einem in der Hauptstadt beheimateten Klub generell mehr erwartet. Der Kader der Berliner, weil durchgängig individuell gut besetzt, lässt nun mal keine Abstiegsphantasien zu. Wobei, verspielte die Hertha im Frühjahr 2012 nicht die Qualifikation für den deutschen Fußball-Olymp mit einer Mannschaft, deren Güte sich mindestens auf dem Level des aktuellen Teams bewegte?

Qualität alleine schützt also vor Abstieg nicht – womit wir beim Berliner Trainer Jos Luhukay wären. Der Niederländer und die besagte Qualität ergeben erst das Gesamtpaket, bei dem sich selbst ausgesprochene Pessimisten mit Absturzphantasien schwertun. Anders ausgedrückt: Der 50-Jährige, der bereits Gladbach und Augsburg in Liga 1 führte, steht an der Spree in erster Linie für die Zuversicht, den bisherigen fünf Erstligaabstiegen auf lange Sicht keinen sechsten hinzufügen zu müssen.

Luhukay als Erfolgsgarant

Das Kuriose daran: Luhukay passt eigentlich gar nicht so recht zur Hertha. Seine bescheidene, unaufgeregte und geerdete Art steht im krassen Gegensatz zum Selbstverständnis vieler Hauptstädter. Dabei könnte er in eigener Sache schon ein wenig auf den Putz hauen, bei all dem, was er jüngst so vorzuweisen hat.Neben dem bereits erwähnten Aufstieg mit dem FCA im Jahr 2011 zum Beispiel auch den noch höher einzustufenden Klassenerhalt mit den bayrischen Schwaben im Jahr darauf. Und selbstredend seine Bilanz mit der Hertha.

Sie war in ihren Grundfesten erschüttert, als sich Luhukay ihr vor einem Jahr mit der Mission „sofortiger Wiederaufstieg“ annahm – mit einem klaren Plan und einer ebenso klaren Vorstellung, welchen Fußball er mit seinem neuen Team praktizieren muss, um seinen Auftrag zu erfüllen. Er impfte der Hertha eine dominante Spielweise ein – mit hohem Verteidigen, mit aggressivem Offensivpressing und mit viel Ballbesitz – und dies alles, ohne anfällig für Konter zu sein. Dies erwies sich nicht nur als attraktives, sondern auch als besonders erfolgreiches Rezept. Die Hertha sprintete unter Luhukay förmlich zurück in die Bundesliga, stellte eine Serie von 21 ungeschlagenen Spielen und am Ende einen neuen Punkterekord auf.

Seit Oktober ist der Aufsteiger nahezu unschlagbar

Na und, mögen einige einwenden, der Niederländer hatte schließlich auch den bestbesetzten Kader der Liga, seine Ausbeute war somit kein großes Kunststück. Nur, dass viele gute Spieler aber noch lange keine gute Mannschaft ergeben, lehrt der Fußball Jahr um Jahr aufs Neue.

Außerdem holperte und rumpelte es bei der Hertha anfänglich auch gewaltig. Im DFB-Pokal schied sie gegen den Viertligisten Worms aus dem Pokal aus, in der Liga entsprach der eine Punkt aus zwei Spielen exakt ihren gezeigten Leistungen. Während damals im anerkannt nervösen Umfeld einige bereits das Lied „Aufstieg ade“ anstimmten, blieb Luhukay unbeeindruckt. Spätestens ab Oktober, wenn die Hertha gemäß seinen Vorgaben eingespielt sei, werde sie nahezu unschlagbar sein, erwiderte er. Das Ergebnis ist ja bekannt.

Klassenerhalt als Ziel

Was bedeutet es, wenn eben dieser Mann nun schon lange vor dem 6:1-Auftaktsieg prophezeit, dass die Hertha keine Angst haben müsse und eine Spielklasse höher eine gute Rolle spielen werde? Verbergen sich dahinter vielleicht sogar internationale Ziele? Von wegen, zitterfrei und unaufgeregt die Liga zu halten, das ist es, was Luhukay seiner nur punktuell verstärkten Elf zutraut und auch von ihr verlangt. Deswegen hat er ihr auch in der Vorbereitung viel abverlangt.

Ruhig, wie es nun einmal seine Art ist, aber eben auch knallhart in der Sache. Siehe Aufstiegskapitän Peter Niemeyer und der in der vergangenen Spielzeit mit 18 Toren sowie 14 Assists alles überragende Ronny – ihnen entriss der einst bei allem Fachwissen fälschlicherweise als zu nett und zu still fürs Profigeschäft eingeschätzte Luhukay kurzerhand kompromisslos das Ticket für die Stammelf, weil sie ihn in der Vorbereitung nicht überzeugten. Ein normaler Vorgang, doch wann hat zuletzt ein Aufsteiger solchen Hochkarätern einen Bankplatz zugewiesen? Wobei, Hertha ist ja kein normaler Aufsteiger.

Spieldaten

2. Spieltag, Bundesliga 2013/2014
2 : 2
1. FC Nürnberg
40. Josip Drmic 1:0
89. Hiroshi Kiyotake 2:2
Hertha BSC
61. Sami Allagui 1:1
78. Ronny 1:2
Stadion
Grundig Stadion
Datum
18.08.2013 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Guido Winkmann
Zuschauer
40000

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Feulner (58. Chandler) - ?? - Pogatetz - Pinola - Stark (71. Esswein) - Balitsch - Kiyotake - Drmic - Mak (65. Frantz) - Ginczek
Reservebank
Rakovsky, Angha, Chandler, Plattenhardt, Esswein, Frantz, Pekhart
Trainer
Michael Wiesinger
Hertha BSC
Kraft - Pekarik - Janker (66. Ronny) - Langkamp - Holland - 18466 - Hosogai - Allagui (66. Wagner) - Baumjohann (83. Brooks) - 18466 - Ramos
Reservebank
Buchert, Brooks, Kluge, 18466, Ronny, Schulz, Wagner
Trainer
Jos Luhukay

Ereignisse

8. min Spielstand: 0:0


27. min Spielstand: 0:0
Markus Feulner

32. min Spielstand: 0:0
Peter Pekarik

40. min Spielstand: 1:0
Josip Drmic

53. min Spielstand: 1:0
Javier Pinola

53. min Spielstand: 1:0
Alexander Baumjohann

58. min Spielstand: 1:0
Timothy Chandler kommt für Markus Feulner

61. min Spielstand: 1:1
Sami Allagui

65. min Spielstand: 1:1
Mike Frantz kommt für Robert Mak

66. min Spielstand: 1:1
Ronny kommt für Christoph Janker

66. min Spielstand: 1:1
Sandro Wagner kommt für Sami Allagui

69. min Spielstand: 1:1
Niklas Stark

71. min Spielstand: 1:1
Timothy Chandler

71. min Spielstand: 1:1
Alexander Esswein kommt für Niklas Stark

78. min Spielstand: 1:2
Ronny

83. min Spielstand: 1:2
John Anthony Brooks kommt für Alexander Baumjohann

89. min Spielstand: 2:2
Hiroshi Kiyotake

]]>