Profis Teamcheck Freitag, 02.05.2014

Teamcheck Hannover: Die große Lust auf Europa

Vor dem letzten Heimspiel gegen Hannover 96 blickt fcn.de auf den kommenden Club-Gegner.

Foto: Picture Alliance

Am Anfang war Sehnsucht, nun herrscht einfach nur Erleichterung. Hannover 96 jedenfalls ist heilfroh, dass zumindest das Thema Klassenerhalt in der so unbefriedigend wie auch kurios verlaufenden Spielzeit bereits erledigt ist.

Rückblende in den vergangenen Sommer: Die Niedersachsen richteten sich auf eine Saison ein, in der sie zum ersten Mal seit zwei Jahren nicht auf der internationalen Bühne vertreten waren. Einen Umstand, der ihnen schwer im  Magen lag. Denn in den zwei Jahren zuvor sind sie auf den Geschmack gekommen. Aufs Reisen, auf die Spiele unter der Woche, auf die renommierten Gegner. Kurzum, die Lust auf Europa war so groß wie unbefriedigt. Kein Wunder also, dass Vereinsboss Martin Kind „das obere Drittel und damit die Aussicht auf die Europa League“ als klares Saisonziel ins Schaufenster stellte.

Ambitionierte Ziele für Hannover 96

Worte, denen der umtriebige, vor gut einer Woche 70 Jahre alt gewordene Macher der 96er zuvor auch Taten folgen ließ: Der Unternehmer sorgte für den vermeintlich passenden Rahmen, in dem er für seinen Klub den größten Etat in dessen Geschichte schnürte. Nicht zu vergessen der Streifzug auf dem Transfermarkt, der mit Edgar Prib aus Fürth, Leonardo Bittencourt vom BVB und Salif Sané vom AS Nancy ein verheißungsvolles Trio zutage förderte.  Doch Rekordetat hin, Neuzugänge her, der damalige Trainer und heutige HSV-Coach Mirko Slomka sprach dennoch von einem „sehr ambitionierten Ziel“. 

Vergangenheit, das Ziel, wie Mirko Slomka, der in Winterpause darüber stolperte, dass Europa für Hannover unerreichbar weit weg war, während die Abstiegszone bedrohlich nahe lag. Letzteres Problem sollte die 96er auch unter Slomkas Nachfolger Tayfun Korkut lange Zeit der Rückserie begleiten. Dabei begann es so gut für den Deutsch-Türken. Gleich im ersten Spiel, noch dazu beim niedersächsischen Rivalen Wolfsburg, beendete der 40-Jährige die große Auswärtsmisere. Die Serie von saisonübergreifend neun Niederlagen in der Fremde knackte der neue Trainer mit einem 3:1. Ein erstes Ausrufezeichen, dem eine Woche später das nächste folgen sollte: Hannover besiegte Gladbach ebenfalls mit 3:1, und die einst staunende Fußballwelt begann zu verstehen, warum sich 96 für den bis dato nur absoluten Fachleuten bekannten Korkut entschieden hatte.

Achterbahnfahrt unter dem neuen Trainer

Als sich kurz vor Weihnachten die Ereignisse an der Leine überschlugen, beeindruckte Korkut den 96-Chef Kind in einem Gespräch bereits nach wenigen Minuten so tief, dass er sich gleich auf dem Cheftrainer-Sessel wiederfand. Eine fraglos überraschende wie mutige Entscheidung. Denn der in Stuttgart geborene, ehemalige türkische Nationalspieler war als Trainer ein nahezu unbeschriebenes Blatt.

Hannovers Saisonverlauf glich auch unter dem neuen Mann weiterhin einer wilden Achterbahnfahrt. Mal begeisterte die Mannschaft mit forschen, mutigen Aufritten, um eine Woche später mit dem genauen Gegenteil davon aufzuwarten. Der Tiefpunkt war fraglos Anfang April das 0:3 im Derby bei der Eintracht aus Braunschweig, als sich 96 nach einer schwachen Darbietung wieder großen Abstiegsängsten ausgesetzt sah. Und als Martin Kind im direkten Anschluss daran davon sprach, dass „ein Abstieg gar nicht geht“, interpretierten dies nicht wenige als eine klare Warnung an den Trainer.

Der Trainer als Hoffnungsträger

„Von wegen“, erwiderte Kind kurze Zeit später: Korkut stehe in keinster Weise in Frage, er sei der Hoffnungsträger für die Zukunft. Und sein junger Fußballlehrer enttäuschte ihn nicht: Seit dem besagten 0:3 ist sein Team ungeschlagen, besiegte auch dank taktischer Kniffe des Deutsch-Türken den HSV und Frankfurt überzeugend und mit viel Leidenschaft.

Der Lohn ist ein sorgenfreies Saisonfinale. Wer daraus schließt, dass der Club am Samstag auf eine sehr entspannte Mannschaft aus Hannover trifft, liegt einem Trugschluss auf. 96 hat diese Saison zwar abgehakt, nicht aber deren Begleitumstände. Etlichen Spielern wird ganz genau auf die Füße geschaut, nächste Spielzeit soll schließlich wieder vieles anders werden. Sie ist ja nicht verschwunden, die Lust auf Europa. 

Spieldaten

33. Spieltag, Bundesliga 2013/2014
0 : 2
1. FC Nürnberg
Hannover 96
5. 18466 0:1
51. Manuel Schmiedebach 0:2
Stadion
Grundig Stadion
Datum
03.05.2014 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Manuel Gräfe
Zuschauer
46014

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Chandler, Nilsson, Pinola, Plattenhardt - Balitsch, Frantz (67. Stark), Kiyotake (56. Pachonik), Hloušek - Drmic, Pekhart (71. Colak)
Reservebank
Rakovsky, Angha, Pachonik, Pogatetz, Gärtner, Stark, Colak
Trainer
Roger Prinzen
Hannover 96
Zieler - Rajtoral, Avevor, 18466, 18466 - Schmiedebach, 18466 (86. Dierßen), Bittencourt, 18466, 18466 (78. Prib) - Rudnevs (88. Sulejmani)
Reservebank
Schmidt, Pocognoli, Sané, Dierßen, Prib, 18466, Sulejmani
Trainer
Tayfun Korkut

Ereignisse

5. min Spielstand: 0:1
18466

34. min Spielstand: 0:1
Timothy Chandler

36. min Spielstand: 0:1
Manuel Schmiedebach

51. min Spielstand: 0:2
Manuel Schmiedebach

55. min Spielstand: 0:2
Javier Pinola

56. min Spielstand: 0:2
Marvin Plattenhardt

56. min Spielstand: 0:2
Tobias Pachonik kommt für Hiroshi Kiyotake

67. min Spielstand: 0:2
Niklas Stark kommt für Mike Frantz

71. min Spielstand: 0:2
Antonio-Mirko Colak kommt für Tomas Pekhart

78. min Spielstand: 0:2
Edgar Prib kommt für 18466

86. min Spielstand: 0:2
Tim Dierßen kommt für 18466

88. min Spielstand: 0:2
Valmir Sulejmani kommt für Artjoms Rudnevs

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