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Profis Teamcheck Donnerstag, 17.09.2015

SV Sandhausen: Nur Abwehrbeton? Von wegen!

Foto: Picture Alliance

Am Samstag gastiert der SVS beim Club. Die Schwartz-Elf ist eine der großen Überraschungen der bisherigen Saison.

Auf nichts ist mehr Verlass. Man nehme nur einmal den SV Sandhausen. Bis vor kurzem war das doch dieser kleine Verein, der es schaffte, sich mit viel Leidenschaft, Disziplin und einem cleveren sowie strikt befolgten Defensivkonzept in dem erlauchten Kreis der besten 36 deutschen Vereine festzubeißen.

Gelang 2013 der Klassenerhalt in Liga 2 noch aufgrund der Lizenzverweigerung für den MSV Duisburg auf dem grünen Tisch, so schaffte der SVS den Klassenverbleib in den darauf folgenden zwei Jahren dann ausschließlich und letztendlich souverän auf dem grünen Rasen: zweimal Platz 12 lautete die beeindruckende Bilanz. Dass man dem SVS einen wenig attraktiven Spielstil nachsagte? Geschenkt, zweimal Platz 12! Dass der SVS dabei mit dem Toreschießen geizte? Auch geschenkt, zweimal Platz 12!

Rolle als Underdog

Die größeren, namhafteren und mit besseren Voraussetzungen ausgestatteten Klubs in der Liga indes verglichen die Aufgabe, gegen Sandhausen zu spielen, gerne mit einem Zahnarztbesuch: höchst lästig, weil oft unangenehm. Was erschwerend hinzukam: Man, also die großen Klubs, konnte eigentlich nur verlieren. Ein Sieg über Sandhausen galt als normal, ein Remis als zwei verlorene Punkte und eine Niederlage als bittere Pleite. Der SVS selbst indes fühlte sich in der Rolle des Underdogs pudelwohl. Gut, ein wenig nagte es schon am Ego als eine nur Abwehrbeton anrührende Mannschaft abgestempelt zu werden, doch letztendlich stachelte dies die Nordbadener nur noch mehr an.

Nun wird sich der eine oder andere fragen, warum dies alles in der Vergangenheit gehalten ist? Denn auf den ersten Blick hat sich beim SVS doch nichts bis wenig verändert: Sein Spielort ist mit der acht Kilometer von Heidelberg entfernt liegenden Gemeinde Sandhausen derselbe geblieben. Somit haben sich auch die im Vergleich zur Konkurrenz bescheidenen Rahmenbedingungen, was zum Beispiel Zuschauer oder Sponsoren anbelangt, nicht grundlegend verbessert. Unterm Strich haben sich die Startvoraussetzungen sogar verschlechtert, denn der SVS ging in dieses Spieljahr aufgrund eines Verstoßes gegen Lizenzauflagen mit dem Handicap eines Drei- Punkte-Abzuges.

Plötzlich auch offensivstark

Kein Wunder also, dass in diesem Sommer bei den meisten Saisontipps unter der Spalte "Abstiegskandidat" der Name Sandhausen wie in den Jahren zuvor zu finden war. Und heute? Würde es das besagte Handicap nicht geben, der SVS hätte ebenso viele Punkte wie der große Meisterschaftsfavorit RB Leipzig. Bislang hat Sandhausen jedenfalls nur eine Niederlage hinnehmen müssen - und die beim SC Freiburg. Auf der Liste der von ihm Bezwungenen stehen ambitionierte Vereine wie Braunschweig, Union und Paderborn. Und am vergangenen Spieltag waren die Sandhäuser die ersten, die gegen den Spitzenreiter aus Bochum nicht als Verlierer vom Feld gehen mussten.

Doch nun zum Bemerkenswertesten: All dies hat sich die bis vor kurzem auf Defensivfußball reduzierte Mannschaft von Trainer Alois Schwartz in erster Linie erstürmt und nicht tief stehend verteidigt. 15 Tore schlagen für den SVS zu Buche, nur der SC Freiburg weist einen Treffer mehr auf. Damit nicht genug: Nach dem besagten Duell gegen Bochum strahlte Präsident Jürgen Machmeier über beide Ohren. "Wir waren mit dem Spitzenreiter auf Augenhöhe", frohlockte der große Macher beim SVS. Und damit meinte er nicht den 1:1-Endstand an sich, sondern die Tatsache, dass sein Team dem zuletzt für seinen technisch feinen Angriffsfußball hochgelobten VfL auch spielerisch absolut Paroli hatte bieten können.

Unbequemer Gegner

 Dass so etwas das Selbstvertrauen wachsen lässt, versteht sich. Wurde einst jedes Remis und jeder Sieg stets als Schritt in Richtung Ligaerhalt eingestuft, so fällt nun in den Kommentaren der Sandhäuser nach einem Spiel der Begriff "Abstiegskampf" so gut wie gar nicht mehr. Also, nichts wie weg mit den alten, stereotypen Denkschablonen! Das degenschwingende Defensivmonster Sandhausen hat ausgedient, nun kommt der mutige, stürmische SVS mit dem Florett in der Hand.

Was sich dummerweise mit Blickrichtung auf die Partie am Samstag nicht verändert hat: Die Nordbadener sind ein höchst unbequemer, schwer zu bezwingender Gegner geblieben. Übrigens auch, weil sie das mit dem Gutverteidigen nicht verlernt haben. Auf diesen Umstand ist unverändert Verlass. 

Spieldaten

7. Spieltag, 2. Bundesliga 2015/2016
2 : 0
1. FC Nürnberg
18. Hanno Behrens 1:0
82. Jan Polak 2:0
SV Sandhausen
Stadion
Grundig-Stadion
Datum
19.09.2015 12:00 Uhr
Schiedsrichter
Arne Aarnink
Zuschauer
23378

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Kirschbaum - Brecko - Hovland - Bulthuis - Sepsi - ?? - Behrens - Burgstaller (90. Sylvestr) - Schöpf - Leibold - Blum (79. Polak)
Reservebank
Rakovsky, Füllkrug, Gíslason, Petrak, Polak, Hercher, Sylvestr
Trainer
René Weiler
SV Sandhausen
Knaller - Klingmann - Kister - Hübner - Paqarada - Kulovits - Linsmayer (87. Stolz) - Bieler (62. Zillner) - Kratz (62. Jovanovic) - Kosecki - Wooten
Reservebank
Kühn, Hammann, Roßbach, Schulz, Stolz, Zillner, Jovanovic
Trainer
Alois Schwartz

Ereignisse

18. min Spielstand: 1:0
Hanno Behrens

48. min Spielstand: 1:0
Dave Bulthuis

62. min Spielstand: 1:0
Robert Zillner kommt für Alexander Bieler

62. min Spielstand: 1:0
Ranisav Jovanovic kommt für Kevin Kratz

63. min Spielstand: 1:0
Denis Linsmayer

67. min Spielstand: 1:0
Florian Hübner

79. min Spielstand: 1:0
Jan Polak kommt für Danny Blum

82. min Spielstand: 2:0
Jan Polak

85. min Spielstand: 2:0
Niclas Füllkrug kommt für

87. min Spielstand: 2:0
Dominik Stolz kommt für Denis Linsmayer

90. min Spielstand: 2:0
Jakub Sylvestr kommt für Guido Burgstaller

90.(+2) min Spielstand: 2:0
Niclas Füllkrug