Stolpersteine für Marie und Karl Marcus
Zum fünften Mal verlegten der 1. FC Nürnberg und der Verein „Geschichte für alle“ Stolpersteine. Immer am 30. April wird damit in der NS-Zeit ausgeschlossenen jüdischen Club-Mitgliedern vor ihrem letzten selbstgewählten Wohnsitz gedacht – heuer vor dem Gebäude am Maxtorgraben 31 an Marie Marcus (geb. Friedlein) und ihren Mann Karl. Der Club stellt sich damit seiner geschichtlichen Verantwortung. Ein wichtiger Termin in der FCN-Bildungsarbeit, der am vergangenen Donnerstag fast nicht hätte durchgeführt werden können.
Es stand nur noch der letzte finale Akt an: die Herausnahme des Pflastersteins und das Einsetzen der Stolpersteine. Peter Meier, Aufsichtsratsvorsitzender des 1. FC Nürnberg, hatte die über 30 Teilnehmenden, darunter Jurij Kopf aus dem Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, Fans, Vertreter aus dem Verein und aus städtischen Kultureinrichtungen, eine Klasse des Sonderpädagogischen Förderzentrums Langwasser, die am Jenö Konrad-Cup 2026 teilnehmen, begrüßt. Er verwies aus aktuellem Anlass auf das Theaterstück „Heulen mit den Wölfen“ am Staatstheater Nürnberg., das ebenfalls auf den von Club-Historiker Bernd Siegler recherchierten Lebensgeschichten jüdischer Club-Mitgliedern beruht.
Bernd Siegler hatte den im vorauseilenden Gehorsam am 30. April 1933 aus dem Verein ausgeschlossenen 142 jüdischen Mitgliedern mit seinem Werk „Heulen mit den Wölfen“ einen Namen und eine Geschichte gegeben und damit die Basis für die jährlich am 30. April abgehaltene Stolpersteinverlegung geschaffen. So wie nun für Marie Marcus, geborene Friedlein. Die junge Frau, so schilderte es Siegler vor Ort, trat am 1. März 1930 in die Tennisabteilung des 1. FC Nürnberg ein und wurde am 30. April 1933 daraus zwanghaft wieder entfernt. 1938 heiratete sie ihren Mann Karl Siegbert Marcus. Das Ehepaar wurde am 29. November 1941 vom Bahnhof Märzfeld in Nürnberg in das Ghetto Riga-Jungfernhof deportiert und dort ermordet. Marie Friedleins Eltern wurden in Thersienstadt bzw. Auschwitz ermordet. Betty, Maries Schwester, überlebte die Schoah. Sie emigrierte im November 1939 mit ihrem Mann Georg Roth nach England.
Pascal Metzger, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Verein „Geschichte für alle“, kümmert sich um alle Stolpersteinverlegungen in Nürnberg. „Alle Menschen haben es verdient, dass man sich an sie erinnert und in ihre Geschichte eintaucht“, sagt er. Dank SÖR kann das mit den Stolpersteinen Nummer 243 und 244 nun auch an Marie und Karl Marcus getan werden. Der bereits gelockerte Pflasterstein vor dem Wohngebäude im Maxtorgraben 31 war aus unerklärlichen Gründen wieder einbetoniert worden, eher der städtische Servicebetrieb kurzfristig mit dem Presslufthammer anrückte und so die Verlegung doch noch ermöglichte. Herzlichen Dank für diese schnelle Hilfe!
Informationen zu den bisher verlegten Stolpersteinen gibt es auf ClubGeschichte.de, der interaktiven Geschichtswerkstatt des FCN: Stolpersteinverlegungen 1.FCN