Profis Mittwoch, 21.10.2020

So lief die erste virtuelle Mitgliederversammlung

Foto: fcn.de

Premiere beim 1. FC Nürnberg: Am Dienstag, 20.10.20, fand die traditionelle Mitgliederversammlung erstmals virtuell statt. Rund 4.000 Mitglieder nahmen an der digitalen Versammlung teil.

Die Meistersingerhalle blieb in diesem Jahr leer. Stattdessen fanden sich der Aufsichtsrat, die Vorstände des 1. FC Nürnberg und Mitarbeiter der Geschäftsstelle am Dienstagabend am Max-Morlock-Stadion ein, um die diesjährige Jahreshauptversammlung zum Schutz der Gesundheit aller Mitglieder virtuell durchzuführen.

„Wir wollten uns auch in diesen schwierigen Zeiten den Fragen stellen und die Berichte abgeben“, eröffnete Dr. Thomas Grethlein. Nach den einleitenden Worten vergab Dr. Grethlein den Ehrenamtspreis an den ehemaligen Club-Präsidenten Franz Schäfer. Anschließend fand das Gedenken der im zurückliegenden Jahr verstorbenen Mitglieder statt.

„Geben Sie dieser Mannschaft Vertrauen“

Nach der Benennung des Versammlungsleiters Prof. Axel Adrian und der Genehmigung der Tagesordnung folgte der Bericht des neuen Sportvorstandes Dieter Hecking. „Ich bin sehr dankbar, dass mir der Aufsichtsrat diese ehrenvolle Aufgabe zugetraut hat“, sagte Hecking zu seiner Rückkehr im Sommer. Gemeinsam mit NLZ-Leiter Michael Wiesinger installierte er zu Beginn seiner Tätigkeit den neuen Cheftrainer Robert Klauß. „Wir haben Robert Klauß verpflichtet, weil Michael und ich der Meinung waren, dass er der beste Kandidat ist. Er ist ein junger Trainer mit einer klaren Vorstellung“, erklärte Hecking diesen Schritt und gab Fans und Mitgliedern einen Appell zum Kader mit auf den Weg: „Geben Sie dieser Mannschaft Vertrauen.“

Nach der sportlichen Skizzierung trat Niels Rossow, Kaufmännischer Vorstand, ans Mikrophon und verkündete im wirtschaftlichen Bericht zum Geschäftsjahr 2019/20 positive Zahlen. Demnach hatte der 1. FC Nürnberg in der Saison 2019/20 zum Bilanzstichtag 30.06.2020 trotz der anhaltenden Corona-Pandemie einen operativen Jahresüberschuss in Höhe von 1,8 Mio. € nach Steuern (Vorjahr: 8,1 Mio. € nach Steuern) erzielt. Demzufolge konnte er das Eigenkapital auf 10,4 Mio. € (Vorjahr: 8,6 Mio. €) erhöhen.

„Der Pandemie die Stirn geboten“

„Ich freue mich, am heutigen Tage ein solch positives Ergebnis zu präsentieren, welches nicht ohne ein exzellentes Arbeitsergebnis unserer Mitarbeiter sowie die Unterstützung unserer Sponsoren und Spieltagskunden zustande gekommen wäre. Gemeinsam haben wir der Pandemie in dieser schwierigen Zeit mit all ihren Unwägbarkeiten und Unsicherheiten die Stirn geboten“, sagte Rossow. „Ich bin froh, an dieser Stelle zu sagen, dass der 1. FC Nürnberg nicht zu den 13 Vereinen gehörte, der bei einer Aussetzung des Spielbetriebes existenzbedroht war. Die wirtschaftliche Substanz des 1. FC Nürnberg ist nicht durch Corona angreifbar – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

Gleichzeitig warnte Rossow aber auch: „Bei aller Freude über das letztjährige Ergebnis muss ich mahnend den Finger heben – das laufende Geschäftsjahr wird aufgrund der anhaltenden Corona-Effekte und einem schlechten sportlichen Ergebnis im Vorjahr wirtschaftlich äußerst anspruchsvoll.“

UnserClub.de & Bericht zur Gesellschaftlichen Verantwortung

Neben den finanziellen Aspekten stellte Rossow auch die Aktionen dar, die über „die 90 Minuten auf dem Rasen“ hinausgehen. Die Highlights: Rossow stellte exklusiv die neue Community-Plattform UnserClub.de vor, auf der Club-Fans mit sozialem Engagement Punkte sammeln und diese gegen ganz besondere „Money-Can’t-Buy-Erlebnisse“ einzutauschen. Außerdem veröffentlichte Rossow den „Bericht zur Gesellschaftlichen Verantwortung des 1. FC Nürnberg“, in dem auf über 90 Seiten eindrucksvoll das soziale Engagement des Club dargestellt ist. Ein digitales Exemplar bekommt jedes Club-Mitglied am Mittwoch zugeschickt. Rossow: „Der 1. FC Nürnberg ist mehr als nur ein Fußballverein.“

Nach den Vorstandsberichten trat Dr. Thomas Grethlein ans Rednerpult und betonte, dass ein Abstieg in die Dritte Liga den Club vor die größte Herausforderung gestellt hätte. Umso wichtiger sei daher der Klassenerhalt gewesen, wodurch die ersten Monate der Pandemie überdurchschnittlich gut überstanden werden konnten. Dabei bedankte er sich sowohl bei den langjährigen und neuen Partnern wie Sponsoren für die wertvolle Zusammenarbeit als auch bei den Mitgliedern, Fans, Mitarbeitern für die Unterstützung.

TOP 9 abgesetzt, Vorstände und Aufsichtsrat entlastet

Es folgte die Aussprache zu den Berichten, in der die Mitglieder ihre persönlichen Anliegen in zwei für jeweils drei Minuten geöffneten Chatfenster vorbrachten und so ihre Fragen an die Vertreter aus Vorstand und Aufsichtsrat richteten. Zwischen der ersten und der zweiten Chat-Runde entschied die Mehrheit, dass an diesem Abend über keine satzungsändernde Anträge entschieden wird. Nach der zweiten Chat-Runde einigten sich die Mitglieder um kurz vor Mitternacht, dass die Jahreshauptversammlung auch über 24 Uhr hinaus fortgesetzt werden soll.

Anschließend entschieden die Mitglieder über die Entlastung für Vorstand und Aufsichtsräte, die sowohl den beiden (ehemaligen) Vorständen Niels Rossow und Robert Palikuca wie auch allen Aufsichtsräten erteilt wurde.

Grethlein, Fifka und Pagenburg in den Aufsichtsrat gewählt

In Tagesordnungspunkt 7 wurde die Wahl von drei Aufsichtsratsmitgliedern durchgeführt. Mit Dr. Thomas Grethlein stellte sich – im Gegensatz zu Günther Koch und Stefan Müller - einer der drei scheidenden Aufsichtsräte wieder zur Wahl. Am Ende wählten die Club-Mitglieder Dr. Thomas Grethlein (1108 Stimmen), Prof. Dr. Matthias Fifka (799) und Chhunly Pagenburg (696) in den Aufsichtsrat.

Nach über sieben Stunden beschloss Dr. Thomas Grethlein um 1:40 Uhr die Mitgliederversammlung 2020.