Profis Interview Donnerstag, 27.02.2014

Sebastian Kehl: "Es bleibt für ganz viele Dinge wenig Zeit"

Foto: Picture Alliance

Sebastian Kehl ist Kapitän bei Borussia Dortmund. Vor dem Spiel gegen den Club sprach er mit fcn.de über das anstehende Duell, die Schwierigkeiten englischer Wochen und niederländische Trainer.

fcn.de: Herr Kehl, der 1. FC Nürnberg hat in der Rückrunde bislang zwölf Punkte geholt, der BVB zehn. Wie sehr überrascht Sie, dass der Club in der Rückrundentabelle aktuell vor dem BVB liegt?

Sebastian Kehl: Zunächst einmal freue ich mich für den Club über diesen Aufwärtstrend, der das Ergebnis harter Arbeit ist und Respekt verdient. Nichtsdestotrotz ist es – gerade auch wegen der Niederlage beim Hamburger SV – unsere Aufgabe, durch einen Heimsieg gegen Nürnberg den nächsten Schritt auf dem Weg zur direkten Champions-League-Qualifikation zu machen.

fcn.de: Sie sind seit 2002 bei Borussia Dortmund. In dieser Zeit hat der BVB von 19 Duellen gegen den Club nur eines verloren. Der letzte Nürnberger Sieg in Dortmund liegt sogar fast 22 Jahre zurück. Warum ist der 1. FCN offenbar so etwas wie ein Lieblingsgegner für den BVB?

Sebastian Kehl: Solche Zahlenspielereien sind zwar nett, aber sie haben ehrlich gesagt nicht viel Substanz. Unmittelbar nach unserem Champions-League-Sieg in St. Petersburg begann die seriöse, professionelle Vorbereitung auf das Nürnberg-Spiel. Wir werden uns – auch durch Videoanalysen – so gut es geht auf den Club einstellen. Dass die Nürnberger in den vergangenen Wochen so erfolgreich waren, zeigt ihre Qualität und schärft sicher zusätzlich die Sinne jedes Einzelnen bei uns.

fcn.de: Der BVB befindet sich eigentlich seit Jahren im Rhythmus der englischen Wochen. Wie viel Zeit bleibt da, sich mit dem "normalen" Bundesliga-Alltag zu beschäftigen und zu verfolgen, was bei einem Verein wie dem 1. FC Nürnberg los ist?

Sebastian Kehl: Da haben Sie Recht, es bleibt für ganz viele Dinge wenig Zeit. Dieser Drei-Tage-Rhythmus, über den wir uns sportlich betrachtet sehr freuen, beinhaltet unheimlich viele Reisen, Einheiten, Sitzungen, Behandlungen, Medientermine und andere Verpflichtungen. Natürlich lesen wir viele Geschichten in Zeitungen und schauen uns die Zusammenschnitte der Spieltage im TV an, aber sich intensiv mit einer anderen Mannschaft zu beschäftigen, das ist im Grunde erst unmittelbar vor einem direkten Duell möglich.

fcn.de: Der Club hat seit einigen Monaten mit Gertjan Verbeek einen niederländischen Trainer. Sie selbst arbeiteten beim BVB zwischen 2004 und 2006 mit Bert van Marwijk ebenfalls mit einem holländischen Coach zusammen. Was unterscheidet einen niederländischen Trainer von einem deutschen? Was zeichnet ihn aus?

Sebastian Kehl: Es ist wirklich sehr schwierig, Trainer miteinander zu vergleichen. Jeder hat seine eigene Art und Linie, und ich konnte bislang von jedem eine Menge für mich und mein Spiel mitnehmen. Das gilt selbstverständlich auch für Bert van Marwijk, der hier beim BVB in einer Zeit Trainer war, als der Klub wirtschaftlich ums Überleben kämpfen musste. Insgesamt ist die sehr gute taktische Spielidee und die große Wertschätzung von Disziplin wohl ein Markenzeichen holländischer Trainer.

fcn.de: Aufgrund der Erfolge der letzten Jahre wird die aktuelle Situation beim BVB von Teilen der Öffentlichkeit als kleiner Rückschritt empfunden. Wie bewerten Sie die momentane Lage der Borussia?

Sebastian Kehl: Wir messen uns an unseren eigenen Zielen. Die haben wir im Sommer 2013 realistisch, klar und in aller Öffentlichkeit formuliert: erneute direkte Qualifikation für die Champions League, Überwintern in der Königsklasse, Einzug ins DFB-Pokalfinale. Sie sehen: Wir können all unsere Saisonziele noch aus eigener Kraft erreichen – eines haben wir ja sogar schon erreicht. Und hoffen jetzt sogar darauf, es wieder unter die acht besten Mannschaften Europas zu schaffen. (Lacht) So schlecht finde ich das alles nicht.

fcn.de: Ihr Vertrag beim BVB endet im Sommer. Sie haben bis heute als Profi viel erlebt, wurden Meister und Pokalsieger, standen im CL- und UEFA-Cup-Finale und nahmen an zwei Weltmeisterschaften teil. Unabhängig davon, wann Sie ihre Karriere beenden: Würden Sie Ihre Erfahrungen als Profi später gerne mal an andere weitergeben und im Fußball bleiben?

Sebastian Kehl: Aktuell bin ich mittendrin im Profi-Zirkus. Ich bin Kapitän und habe das Gefühl, dass ich nicht nur mithalten, sondern der Mannschaft weiterhin etwas geben kann. Insofern denke ich noch nicht allzu intensiv über das nach, was im Anschluss an die aktive Spielerkarriere vielleicht folgen kann. Borussia Dortmund hat ja gerade erst den Wunsch geäußert, mich vertraglich weiter binden zu wollen. Das ehrt mich, und wir werden sicher innerhalb der kommenden Wochen darüber sprechen. Aber auch nach der Karriere dem Fußball verbunden zu bleiben, das kann ich mir – nach einer kurzen Auszeit – sehr, sehr gut vorstellen.

Spieldaten

23. Spieltag, Bundesliga 2013/2014
3 : 0
Borussia Dortmund
51. 18466 1:0
64. Robert Lewandowski 2:0
83. Henrik Mkhitaryan 3:0
1. FC Nürnberg
Stadion
Signal Iduna Park
Datum
01.03.2014 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Christian Dingert
Zuschauer
80545

Aufstellung

Borussia Dortmund
18466 - 18466 - Sokratis (36. 18466) - 18466 - Schmelzer - Sahin - 18466 - Aubameyang (71. Hofmann) - Mkhitaryan (85. Jojic) - Großkreutz - Lewandowski
Reservebank
Langerak, Durm, 18466, Hofmann, Jojic, 18466, Schieber
Trainer
Jürgen Klopp
1. FC Nürnberg
Schäfer - Angha - Petrak - Pinola (36. Pogatetz) - Plattenhardt - Frantz (78. Stark) - Feulner (61. Campaña) - Kiyotake - Drmic - Pekhart - Hloušek
Reservebank
Rakovsky, ??, Campaña, Pogatetz, Mak, Stark, Colak
Trainer
Gertjan Verbeek

Ereignisse

36. min Spielstand: 0:0
Emanuel Pogatetz kommt für Javier Pinola

36. min Spielstand: 0:0
18466 kommt für Sokratis

45. min Spielstand: 0:0
Markus Feulner

51. min Spielstand: 1:0
18466

57. min Spielstand: 1:0
Emanuel Pogatetz

61. min Spielstand: 1:0
José Campaña kommt für Markus Feulner

64. min Spielstand: 2:0
Robert Lewandowski

71. min Spielstand: 2:0
Jonas Hofmann kommt für Pierre Emerick Aubameyang

78. min Spielstand: 2:0
Niklas Stark kommt für Mike Frantz

83. min Spielstand: 3:0
Henrik Mkhitaryan

85. min Spielstand: 3:0
Milos Jojic kommt für Henrik Mkhitaryan

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