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Profis Donnerstag, 21.11.2019

Schiedsrichter-Veranstaltung im ClubHaus: "Wir betrügen niemanden!"

Foto: fcn.de

Der ehemalige Schiedsrichter Gerd Lamatsch präsentierte am Mittwochabend im Rahmen einer Diskussionsrunde sein neues Buch "Keller-Schiri", das sich kritisch mit dem Videoassistenten auseinandersetzt. Als Gast hatte er FIFA-Schiedsrichter Deniz Aytekin dabei. Zusammen mit den Club-Fans führte das Schiedsrichter-Duo einen interessanten Talk.

War es ein Foul damals von Werder Bremens Theodor Gebre Selassie im DFB-Pokalhalbfinale im April dieses Jahres gegen Bayerns Kingsley Coman? Zum Unverständnis vieler entschied Schiedsrichter Daniel Siebert auf Elfmeter, auch nach Rücksprache mit seinem Video-Assistenten Dr. Robert Kampka blieb er bei seiner Entscheidung. Am Ende schied Bremen aufgrund des strittigen Elfmeters aus.

„Das war für mich der Auslöser für dieses Buch“ leitete Gerd Lamatsch ein halbes Jahr später seine Veranstaltung im ClubHaus ein und meinte damit sein neues Werk, das er vor kurzem veröffentlichte. „Keller Schiri“ beleuchtet den Video Assistant Referee (VAR), liefert eine grundlegende Analyse zu den Anfangsjahren des neuen technischen Hilfsmittels, der den Fußball „gerechter“ machen soll. Lamatsch selbst blickt auf eine umfangreiche Schiedsrichter-Karriere zurück, leitete und begleitete über 1.850 Spiele bis hoch in die Zweite Bundesliga und steht dem VAR in seiner aktuellen Form kritisch gegenüber.

Aytekin: „Wir betrügen niemanden“

Eine perfekte Grundlage für eine kontroverse Diskussion, wie sie am Mittwochabend im ClubHaus stattfand. Rund 70 FCN-Fans rückten eng beieinander, um der Veranstaltung, moderiert von Katharina Fritsch, Leitung Unternehmenskommunikation & CSR, und Sebastian Koelman, Redakteur CLUB TV, beizuwohnen. Als Überraschungsgast verstärkte der FIFA-Schiedsrichter und gebürtige Nürnberger Deniz Aytekin die Runde.

Videobeweis, Handspiel, Zeitspiel – gemeinsam mit den Club-Fans führte die Runde eine interessante Konversation, die Aytekin mit persönlichen Einblicken in das Innenleben eines Schiedsrichters und Lamatsch mit lehrreichen Fakten aus seinem Werk würzten. Dass der FCN in den letzten Wochen nicht allzu viel Glück mit Schiedsrichter-Entscheidungen hatte, ließen die Club-Fans am Abend hier und da auch durchklingen. „Ich kassiere Woche für Woche Prügel, das halte ich hier auch aus“, entgegnete Aytekin der allgemeinen Kritik am Videobeweis humorvoll, stellte aber auch klar: „Es gibt immer Herrschaften, die sagen, dass sie betrogen worden sind. Hier will ich klarstellen: Wir betrügen niemanden. Das sind einfach Fehler, die passieren. Das macht keiner absichtlich. Es passieren Fehler, denn auch vor dem Bildschirm sitzen nur Menschen.“

Verdienst der Schiris: Zu viel oder zu wenig?

Kernthema blieb der VAR, für den Lamatsch hier und da Verbesserungsvorschläge einstreute, die zum Nachdenken anregten. „Wir sind als Schiedsrichter ausführende Gewalt, ich mache alles mit“, erklärte Aytekin augenzwinkernd. „Ich bin aber heilfroh, dass wir den VAR haben. Wir sind Schiedsrichter, weil wir entscheiden wollen. Ich brauche am Ende keinen, der mich mit dem Joystick lenkt, aber ich weiß: Falls was passiert, greift er ein.“

Ein Thema des Abends war auch der Verdienst der Schiedsrichter. „Viele sagen, wir kriegen ein Schweinegeld, damit kann ich leben“, räumte Aytekin ein. Ihm sind aber zwei andere Aspekte deutlich wichtiger. „Niemand sieht den Aufwand, den wir betreiben. Hier sitzen ja auch welche, die sich denken, was sind das denn für Blinde. Wenn sie im Keller sitzen, essen sie bisschen was und schlafen dabei ein. Die Realität sieht leider anders aus“, so Aytekin. „Ich weiß heute nicht, ob ich das nochmal machen würde, was ich gemacht habe. Ich habe meine Tochter nicht aufwachsen sehen, die ist jetzt 17 und lebt in Regensburg. Ich arbeite von morgens bis abends, dazu kommt die Schiedsrichter-Thematik“, gestand Aytekin, um anschließend zum zweiten Punkt zu kommen: „Man kann einem jungen Schiedsrichter, der in der Zweiten Liga ist, nicht antun, dass er parallel arbeiten muss. Die müssen einfach abgesichert werden", gab Aytekin den Zuhörern zum Schluss mit auf den Weg.

"Keller-Schiri: Der Weg zum Videobeweis" ist ab sofort hier für 11,95 Euro erhältlich.