Fans Interview Mittwoch, 08.12.2021

S04-Fan Lennart Röthemeyer im Interview: "Da habe ich Gänsehaut bekommen"

Ein Leben ohne Schalke? Für Lennart Röthemeyer unvorstellbar. "Schalke war immer eine Konstante. Schalke war immer da", erzählt er uns im Interview. Vor ein paar Jahren machte Lennart bundesweit auf sich aufmerksam, als eine Kamera festhielt, wie "emotional" er seine Mannschaft von der Tribüne aus anfeuerte. Vor dem Freundschaftsduell am Freitag haben wir mit ihm gesprochen.

Fotos: privat

fcn.de: Glück auf, Lennart! Du bist leidenschaftlicher Schalke-Fan, seit wann schlägt dein Herz für Königsblau?

Lennart Röthemeyer: Im Prinzip bin ich Schalke-Fan seitdem ich noch gar nicht wusste, dass es mich gibt. Wie bei den meisten war der Vater das Zünglein an der Waage, nach ein paar Monaten hat er mir schon den ersten Schal umgelegt. Von da an war der Weg für mich geebnet. Das Schalke-Gen wurde mir quasi schon in die Wiege gelegt.

fcn.de: Wann war dein erster Stadionbesuch auf Schalke?

Lennart Röthemeyer: Das weiß ich noch ganz genau, das war im zarten Alter von elf Jahren. Das war auch zweite Liga, gegen Wattenscheid 09 vor 72.000 Zuschauern im Parkstadion. Mich haben an diesem Tag diese wahnsinnigen Menschenmassen begeistert. Ich habe selber Fußball gespielt, aber als ich dort war, stand das Fußballgeschehen gar nicht so im Vordergrund. Ich fand das Drumherum viel Faszinierender. Die Nordkurve komplett in Blau und Weiß, die zigtausenden Bierbecher, die durch die Luft geflogen sind, wenn ein Tor gefallen ist. Auch die unzähligen Fahnen, als die Mannschaften auf das Spielfeld gekommen sind, das hat mich nicht mehr losgelassen.

fcn.de: Dich hat Schalke nicht mehr losgelassen sagst du, hast du eine Dauerkarte und besuchst du die Auswärtsspiele?

Lennart Röthemeyer: Ich habe zusammen mit meiner Frau eine Dauerkarte seit 2004 und wir sind daher regelmäßig dabei. Auch Auswärtsspiele besuchen wir häufiger. Wenn meine Frau arbeiten muss, bin ich dann alleine auswärts dabei. Aktuell ist das mit den Stadionbesuchen aber natürlich schwierig.

fcn.de: Welchen Stellenwert hat der FC Schalke 04 in deinem Leben?

Lennart Röthemeyer: Schalke hat eine ganz große Bedeutung in meinem Leben. Schalke war immer eine Konstante, Schalke war immer da. Ich würde es nicht über alles stellen, weil ich im Laufe der Zeit auch andere Dinge schätzen gelernt habe, wie zum Beispiel meine Familie. Aber Schalke 04 hat dennoch einen sehr hohen Stellenwert in meinem Leben, sowohl im Beruf als auch im Privaten. Ich sehe es ein Stück weit schon als vollwertiges Familienmitglied.

fcn.de: Du bist durch deine emotionalen Ausbrüche eine Berühmtheit im Fanblock und mittlerweile auch darüber hinaus geworden. Wie hast du diese Entwicklung wahrgenommen?

Lennart Röthemeyer: Los ging das Ganze gegen Mailand, als ich das erste Mal gefilmt wurde. Ich saß nach dem Spiel im Auto und habe mich gefreut, dass wir gegen die Italiener gewonnen haben. Ich bekam dann pausenlos Anrufe, dass ich eben über das Fernsehbild gelaufen bin. Davon wusste ich nichts. Beim zweiten Mal, dem Spiel gegen den HSV, hat mich Reporter Jörg Dahlmann gefragt, ob er mich das Spiel über begleiten dürfte. Mit dem Begriff Berühmtheit tu ich mich aber schwer, ich bin einer von vielen, mich haben sie eben dabei gefilmt. Mich kennen jetzt natürlich mehr Leute als früher, deswegen: Seht euch vor dem Internet vor, das vergisst nie!

fcn.de: Ist es noch ungewohnt für dich, dass Interviewanfragen reinkommen? Oder fragen Fans auch mal nach Selfies?

Lennart Röthemeyer: Das ist tatsächlich komisch. Ein paar Wochen später gehst du wieder ins Stadion, dann kommen die Leute auf dich zu und sagen „du bist doch der Typ aus dem Video, können wir kurz ein Foto miteinander machen?“ Das wirkt im ersten Moment ein bisschen surreal, weil ich nur ein Typ aus Werther bin, der beim Fußball ein bisschen durchgedreht ist. Mittlerweile habe ich mich tatsächlich fast daran gewöhnt und es gibt auch etwas Positives. Egal wo ich bin und nach einem Selfie gefragt werden, der zweite Satz ist eigentlich immer „Willst du ein Bier?“. Durstig gehe ich aus dieser Sache also nicht heraus.

fcn.de: Die letzten Jahre waren sportlich nicht so erfolgreich, wie hast du den Abstieg im Sommer erlebt?

Lennart Röthemeyer: Wie ich das für mich analysiert habe, muss ich sagen, dass wir der verdienteste Absteiger der letzten Jahre waren. Das Problem war aber, dass wir letzte Saison kaum ins Stadion durften und konnten das dementsprechend nicht kompensieren. Wir hatten keine Möglichkeit, irgendwie Einfluss auf diesen Abstieg zu nehmen, das wirkt auch noch immer ein bisschen nach. Die Spiele habe ich bis zum bitteren Ende über mich ergehen lassen, zusammen mit meinem Vater in seiner Holzhütte im Garten.

fcn.de: Was war emotional schlimmer: die verpasste Meisterschaft 2001 oder der Abstieg in diesem Jahr?

Lennart Röthemeyer: Für mich war das definitiv die verpasste Meisterschaft. Das abrupte Rausreißen des Herzens kurz vor Schluss. Im Prinzip warst du mit der Mannschaft schon am Feiern, du hattest den Mannschaftsbus mit Schale und 100.000 Fans auf der Straße vor Augen. Sich das kurz vor Schluss aus den Händen reißen lassen zu müssen, dieser Stachel sitzt bis auf Lebenszeit tief. Beim Abstieg war klar, du warst eine der schlechtesten Mannschaften und realistisch gesehen hatten wir überhaupt keine Chance. Auch wenn ich mich an den kleinsten aller kleinen Strohhalme bis zuletzt noch geklammert hatte.

fcn.de: Wie siehst du die Aufstiegschancen für Schalke?

Lennart Röthemeyer: Als Fan kann ich mich mit dieser zweiten Liga komplett anfreunden, nichtsdestotrotz möchte ich natürlich aufsteigen. Wenn ich die bisherige Leistung bewerte, sehe ich momentan tatsächlich andere Mannschaften vor uns, die spielerisch weiter sind als wir. Bei uns ist noch zu viel Sand im Getriebe, aber es steht eine Mannschaft auf dem Platz, was letzte Saison nicht immer so war. Ich hoffe, dass dieses Kollektiv weiter zusammenwächst und dann spielerisch noch mehr möglich ist. Mir ist es lieber, ein stabiles Fundament aufzubauen und dich dann oben zu etablieren, als direkt aufzusteigen und dann in der ersten Liga wieder unterzugehen.

fcn.de: Schalke 04 und der FCN haben ja eine besondere Beziehung, hast du Club-Fans in deinem Freundeskreis?

Lennart Röthemeyer: Richtige Cluberer habe ich nicht in meinem Freundeskreis, das ist aber geografisch bedingt. Ich wohne in Ostwestfalen, hier ist der Club nicht so präsent als Fan-Institution. Wenn es so wäre, fände ich es aber schön. Die freundschaftliche Beziehung zwischen Schalke und dem 1. FC Nürnberg ist schon außergewöhnlich. Von 17 Heimspielen gönnst du dem Gegner bei 16 Spielen nichts. Wenn Nürnberg kommt, gehst du als Schalke-Fan da ganz anders ran und genießt das Spiel.

fcn.de: Gab es für dich ein besonderes Erlebnis, das diese Fan-Freundschaft zeigt?

Lennart Röthemeyer: Gibt es, ja. Nach unserer Anreise nach Nürnberg gab es ein Problem mit unserem Hotelzimmer, was jemand aus der aktiven Fanszene vom Club mitbekam. Dann wurde sofort geschaut, dass wir noch irgendwie an ein Zimmer rankommen, was dann am Ende auch geklappt hat. Auch die Szene, als wir Arm in Arm in einem Zelt hier standen und gemeinsam „Die Legende lebt“ gesungen haben, da habe ich Gänsehaut bekommen – so etwas vergisst man nicht.

fcn.de: Bist du am Freitag im Stadion dabei?

Lennart Röthemeyer: Momentan besuche ich keine Spiele und bin daher auch am Freitag nicht vor Ort. Ich habe auch ein bisschen Wehmut, ich wäre sehr gerne hingegangen. Nach dem Abstieg habe ich direkt zu meinem Vater gesagt „Jetzt haben wir wenigstens zwei schöne Spiele gegen Nürnberg“. Hoffentlich ist die Situation im Frühjahr wieder anders und wir können dann im Mai zusammen den Aufstieg in Nürnberg feiern.

fcn.de: Danke dir für das Interview, Lennart. Servus & Glück auf!

Spieldaten

17. Spieltag, 2. Bundesliga 21/22
4 : 1
FC Schalke 04
20. Thomas Ouwejan 1:0
66. Manuel Schäffler (Eigentor) 2:1
85. Darko Churlinov 3:1
90. Ko Itakura 4:1
1. FC Nürnberg
49. Fabian Nürnberger 1:1
Stadion
Datum
10.12.2021 18:30 Uhr
Schiedsrichter
Tobias Reichel
Zuschauer
15000

Aufstellung

FC Schalke 04
Fraisl - Thiaw - Itakura - Kaminski - Ranftl - Palsson - Ouwejan - Zalazar (90. Aydin) - Idrizi (69. Flick) - Pieringer - Churlinov (89. Dadashov)
Reservebank
Wienand, Matriciani, Wouters, Aydin, Calhanoglu, Flick, Mikhailov, Rzatkowski, Dadashov
Trainer
Sven Piepenbrock
1. FC Nürnberg
Mathenia - Valentini (77. Köpke) - Schindler - Sörensen - Handwerker - Geis - Krauß (43. Duman) - Nürnberger - Møller Dæhli (46. Dovedan) - Shuranov (70. Borkowski) - Schäffler
Reservebank
Klaus, Fischer, 18466, Suver, Dovedan, Duman, Latteier, Borkowski, Köpke
Trainer
Robert Klauß

Ereignisse

20. min Spielstand: 1:0
Thomas Ouwejan

43. min Spielstand: 1:0
Taylan Duman kommt für Tom Krauß

46. min Spielstand: 1:0
Nikola Dovedan kommt für Mats Møller Dæhli

48. min Spielstand: 1:0
Marvin Pieringer

49. min Spielstand: 1:1
Fabian Nürnberger

66. min Spielstand: 2:1
Eigentor: Manuel Schäffler

69. min Spielstand: 2:1
Florian Flick kommt für Blendi Idrizi

70. min Spielstand: 2:1
Dennis Borkowski kommt für Erik Shuranov

77. min Spielstand: 2:1
Pascal Köpke kommt für Enrico Valentini

78. min Spielstand: 2:1
Fabian Nürnberger

80. min Spielstand: 2:1
Rodrigo Zalazar

85. min Spielstand: 3:1
Darko Churlinov

89. min Spielstand: 3:1
Rufat Dadashov kommt für Darko Churlinov

90.(+2) min Spielstand: 3:1
Mehmet Aydin kommt für Rodrigo Zalazar

90.(+4) min Spielstand: 4:1
Ko Itakura

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