Rayan Ghrieb: Grenzgänger, Spätstarter und Dribbler
Ende Mai machte der Club die Verpflichtung von Rayan Ghrieb als zweiten Neuzugang offiziell. Der Flügelspieler war in der vergangenen Saison für den 1. FC Magdeburg aktiv – und davor? Wir stellen euch unseren Neuzugang etwas genauer vor.
Bis zur vergangenen Spielzeit, als Ligakonkurrent Magdeburg Rayan Ghrieb als Neuzugang vorstellte, war der Linksfuß in Deutschland wohl eher ein Unbekannter. Aber wahrscheinlich nicht in ganz Deutschland. Denn der Flügelspieler wurde in Strasbourg geboren, erlernte die Grundlagen des Fußballs bei kleineren Vereinen rund um Strasbourg im Elsass, ehe er in die U17 von Offenburg wechselte und damit zu seiner ersten Station in Deutschland.
Vier Jahre lang war der junge Rayan dann auf der deutschen Seite aktiv, schaffte von der U19 auch für vier Spiele den Sprung in die erste Mannschaft des FV Offenburg in der Oberliga Baden-Württemberg. Es folgten daraufhin wieder drei Jahre in Frankreich, wo Rayan für drei Vereine in der vierthöchsten Spielklasse aktiv war. Da er aber nirgends in Frankreich so richtig Anschluss fand, entschied er sich erneut für einen Wechsel zurück nach Deutschland, wo er während einer Saison beim SV Oberachern wieder sein Glück in der Oberliga versuchte. Neun Spiele, in denen er drei Tore erzielte, später, folgte ein weiterer Wechsel auf die französische Seite ins 40 km entfernte Schiltigheim.
Der Durchbruch
Die Karriere wollte noch nicht so richtig in Fahrt kommen, denn der Wechsel nach Schiltigheim war ein Schritt zurück in die fünfhöchste französische Liga. Dort fing der damals 22-Jährige an, regelmäßig zu spielen, erzielte in 31 Partien 15 Tore, wodurch der USL Dunkerque, ein Verein in der dritthöchsten Spielklasse, auf ihn aufmerksam wurde. Es ging zum zweiten Mal in seinem Leben raus aus dem Elsass an die französische Atlantikküste und Ghrieb nahm seine gute Form mit. In seiner ersten Saison am Atlantik stieg er in die Ligue 2 auf, wurde zum Spieler der Saison gekürt und schien so richtig Fuß zu fassen im Profifußball.
Sein eher ungewöhnlicher Weg sollte sich auszahlen, in der Saison 2024/25 schloss sich der schon 25-Jährige EA Guingamp an, spielte auch dort regelmäßig und steuerte neun Treffer und zwei Vorlagen zum Erreichen der Aufstiegs-Play-Offs bei. Das brachte ihn dann schlussendlich auch in Deutschland auf den Zettel des 1. FC Magdeburg, der ihn im Sommer 2025 verpflichtete.
Ein fast folgenschwerer Jubel
Der Dribbler startete auch gleich mit dem FCM gut in die Saison, sorgte mit einem Doppelpack in Saarbrücken für das Weiterkommen in Runde zwei des DFB-Pokals und durfte gegen Greuther Fürth am vierten Spieltag seinen ersten Treffer in der 2. Bundesliga bejubeln. Deutschlandweite Bekanntheit erreichte er dann aber am 15. Spieltag beim Auswärtsspiel im Olympiastadion. Ghrieb kam in der Nachspielzeit nach einer Balleroberung zum Abschluss, erzielte das entscheidende 2:0 und sprang beim Torjubel über die Mauer Richtung Gästeblock.
„Jetzt können wir darüber lachen – aber das Ganze hätte auch schlimmer enden können. Es war im Nachhinein schon eine gefährliche Situation. Ich habe im Nachgang viele Nachrichten bekommen. Meine Freunde und vor allem die Familie waren vor dem TV gesessen und im ersten Moment ganz geschockt, als sie gesehen haben, was da passiert ist. Als ich aber wieder mit einem Lächeln im Gesicht aufgetaucht bin, waren sie erleichtert“, äußerte er sich zu seinem Abflug in den Graben des Olympiastadions.
Ab sofort soll er solche Treffer für den Club erzielen und im besten Fall vor der Mauer einen kurzen Stopp machen. Kein Stopp gibt es für Rayan aber, wenn die Gegenspieler vor ihm stehen, denn der Flügelspieler gehört statistisch ligaweit zu den besten Dribblern.
So oder so freut er sich aber vor allem auf das Max-Morlock-Stadion: „Als Liga-Konkurrent habe ich den 1. FC Nürnberg im letzten Jahr natürlich verfolgt und beim direkten Duell Ende April auch selbst erlebt, wie es ist, im Max-Morlock-Stadion auf dem Platz zu stehen. Jetzt freue ich mich darauf, die Atmosphäre künftig als FCN-Spieler genießen zu können und hoffe natürlich, gemeinsam mit Mannschaft und Fans möglichst viele Erfolge feiern zu können.“ Und wir freuen uns auf dich, Rayan!