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Fans Hintergründe Donnerstag, 27.02.2020

Phönix aus dem Schutt: Der Karlsruhe-Sixpack

Foto: Sportfoto Zink

Und erneut geht es Freitagabend auswärts nach Baden-Württemberg. Der Club fährt auf die Baustelle Wildparkstadion zum Gastspiel beim Karlsruher SC. Der Sixpack:

1. Deutscher Meister, keiner weiß warum

Nach dem Karlsruher SC wird jeder Fan auf der Meisterschale vergeblich suchen. Der KSC ist im Grunde nie Deutscher Meister geworden, zumindest mit seinem heutigen Namen. Offiziell gegründet am 06. Juni 1894, ist der KSC erst am 16.10.1952 durch Fusion zweier Vereine zu seinem Namen gekommen.

Der KFC Phönix 1894 und der VfB Mühlburg – beide gehen auf noch ältere Vereine zurück – bildeten ab diesem Zeitpunkt den „Karlsruher Sport-Club Mühlburg-Phönix e. V.“ Einer der Vorgängervereine des KFC Phönix 1894, der Karlsruher FC Phönix, wurde 1909 der sechste Verein, der die deutsche Fußballmeisterschaft für sich entschied. Als rechtmäßiger Nachfolger des Karlsruher FC Phönix ist der KSC also auch einmal deutscher Fußballmeister.

2. Deutsches Meisterschaftsendspiel 1909

Man sollte meinen, ein Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft wird in Deutschland ausgetragen, aber auch hier sorgt der Tatbestand zunächst für Verwirrung, ist aber aufgrund seiner Vergangenheit vollkommen korrekt. Der FC Phönix Karlsruhe war in der Saison 1908/09 der süddeutsche Vertreter in der Endrunde um die deutsche Meisterschaft. Nach einem 5:0-Sieg gegen den FC München-Gladbach in Duisburg und einem 9:1 gegen den SC Erfurt 95 in Frankfurt am Main, stand der Klub am 30. Mai 1909 im Endspiel um die deutsche Fußballmeisterschaft. Gegner der Karlsruher war an dem Tag Titelverteidiger vom Berliner TuFC Viktoria 1889.

Der Endspielort wirkt heute auf den ersten Blick etwas ungewohnt. Der Semmlerplatz vom SC Schlesien befand sich nämlich im heute rund 650.000-Einwohner zählenden Breslau in Polen. Die einzige deutsche Meisterschaft der Karlsruher wurde also auf heute polnischem Grund gewonnen, war damals aber Teil des Deutschen Reichs und somit deutscher Grund und kein Finalspielort außerhalb des Landes.

3. KSC, KFC, KFV

Um die Verwirrung perfekt zu machen, kommt jetzt noch eine weitere Abkürzung ins Spiel: KFV. Der Karlsruher Fußball Verein. 1891 gegründet wurde er 1910 – ein Jahr nach dem KSC-Vorgänger Phönix – ebenfalls deutscher Fußballmeister. Der KFV war allerdings nie einer der Fusionsvereine des KSC und immer selbstständig. Über Jahrzehnte prägte Phönix Karlsruhe und den KFV eine große Rivalität, zum Beispiel im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft 1910, als die beiden Vereine aufeinandertrafen. Aufnahmen dieses Spiels sind die ältesten erhaltenen Aufnahmen eines deutschen Fußballfilms.

Während der KFC Phönix mit dem VfB Mühlburg zum KSC fusionierte und dadurch sportlich erfolgreich blieb, ging es für den KFV ab der Nachkriegszeit im Grunde nur noch bergab bis hin zur Zahlungsunfähigkeit Mitte der 2000er Jahre. Infolgedessen wurde der KFV vom Spielbetrieb ausgeschlossen und verlor auch seine Heimat. Den 1905 erbauten KFV-Platz, auf dem 1909 die deutsche Nationalmannschaft ihren ersten offiziellen Länderspielsieg gegen die Schweiz feierte, nachdem er 2006 abgerissen wurde.

Seit 2007 ist der KFV wieder in den badischen Amateurligen vertreten, allerdings muss der Klub nach dem Abriss seines Stadions als Gast auf andere Sportplätze ausweichen. Seit 2017 auf den Platz der DJK Grün-Weiß Rüppurr, den er ein Jahr später als Pächter übernahm und dort seine Partien in der Kreisklasse B austrägt. Außerdem gibt es eine weitere Herrenmannschaft in der Kreisklasse C und eine Frauenmannschaft in der badischen Verbandsliga.

Heutzutage pflegen der KFV und der KSC ein gutes Verhältnis zueinander. KSC-Präsident Ingo Wellenreuther ist Vorstandsmitglied im KFV, verschiedene ehemalige KSC-Präsidenten Ehrenmitglieder beim einstigen Rivalen.

4. Boxen

Nicht nur Fußball wird beim KSC gespielt, es wird auch geboxt. Bereits seit 1959 hat der Karlsruher Sport-Club eine Box-Abteilung. Über die Jahre hinweg sicherten die Athleten dem KSC rund 200 badische und deutsche Meistertitel. Allen voran Tyson Gray, der im Federgewicht zwischen 1978 und 1993 durchgehend badischer Meister wurde und 1996 an den olympischen Spielen in Atlanta teilnahm (Achtelfinale). Oder auch Sven Ottke, der in seiner Zeit beim Karlsruher SC mehrfacher deutscher und 1996 sogar Europameister wurde. Außerdem trat er 1992 in Barcelona und 1996 in Atlanta als Boxer des KSC bei den Olympischen Spielen an und wurde in Spanien Sechster sowie Neunter in den USA. Der KSC war von 1992 bis 1997 seine letzte Amateurstation, ehe er in den Profibereich zu Wilfried Sauerland wechselte.

5. Leichtathletik

Auch Leichtathletik wird im Karlsruher SC betrieben. Gerade in den 1920er Jahren konnte der KSC bemerkenswerte Leistungen verbuchen, ehe es in der Zeit des Nationalsozialismus wieder ruhiger um die Leichtathletiksektion wurde. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg kam wieder Fahrt auf und ranghohe Leichtathleten fanden den Weg zurück nach Baden. Der Ertrag waren mehrere Erfolge, unter anderem auch Edelmetall bei olympischen Spielen. Ende der 1960er wurde es allerdings erneut ruhig um die KSC-Leichtathleten und auch die großen Events im Wildparkstadion gehörten der Vergangenheit an. Erst durch die internationalen Leichtathletik-Meetings in der Europahalle und der Verpflichtung von Star-Weitspringerin Heike Drechsler zu ihrem Karriereausklang 2001, den sie mit zwei deutschen Meistertiteln 2001 und 2002 feierte, fand die Leichtathletik im KSC wieder Gehör. Mit dem aktuellen Umbau des Karlsruher Wildparkstadions zu einem reinen Fußballstadion sind die Laufbahn und somit auch die Leichtathletikveranstaltungen im Wildpark Geschichte.

6. Feldhandball

Eine inzwischen längst ausgestorbene Sportart hat beim KSC ebenfalls eine lange Tradition: Feldhandball. Während beim VfB Mühlburg „erst“ ab 1948 eine Feldhandballabteilung bestand, wurde bei Phönix schon ab 1925 eine Handballabteilung betrieben. Auch nach der Fusion zum KSC blieb die Abteilung erhalten und erlebte in den 1950er Jahren ihre populärste Phase. Das Länderspiel zwischen Deutschland und Österreich am 12.10.1956 verfolgten 20.000 Zuschauer im Karlsruher Wildparkstadion, als die deutsche Mannschaft sich mit 24:18 durchsetzte.

Schon in den 1960ern, aber vor allem im Jahrzehnt darauf verlor der Feldhandball gegenüber seinem „kleinen Bruder“ in der Halle immer weiter an Bedeutung. 1977 wurde die Sportart beim Badischen Handballverband nicht mehr weiter berücksichtigt. Aufgrund der nicht vorhandenen vereinseigenen Sporthalle und der immer größer und stärker werdenden Konkurrenz in der Stadt ließ der Verein den Handball fallen und übte ihn nicht mehr aus.

Spieldaten

24. Spieltag, 2. Bundesliga 2019/2020
0 : 1
Karlsruher SC
1. FC Nürnberg
74. Patrick Erras (Kopfball) 0:1
Stadion
Wildparkstadion
Datum
28.02.2020 18:30 Uhr
Schiedsrichter
Christof Günsch
Zuschauer
14450

Aufstellung

Karlsruher SC
Uphoff - Stiefler - Kobald - 18466 - Carlson - Groiß (76. Gueye) - Gondorf - Camoglu (81. Fink) - Wanitzek - 18466 (69. Kother) - Hofmann
Reservebank
Gersbeck, 18466, Roßbach, Thiede, Fröde, Grozurek, Fink, Gueye, Kother
Trainer
18466
1. FC Nürnberg
Mathenia - Sorg (37. Valentini) - Margreitter - Mühl - Handwerker - Erras - Geis - Hack (90. Heise) - Behrens - Dovedan (87. Schleusener) - Frey
Reservebank
Willert, Heise, Valentini, Gnezda Cerin, Kerk, Ishak, Lohkemper, Schleusener, Zrelak
Trainer
Jens Keller

Ereignisse

22. min Spielstand: 0:0
Christoph Kobald

35. min Spielstand: 0:0
Manuel Stiefler

35. min Spielstand: 0:0
Nikola Dovedan

37. min Spielstand: 0:0
Enrico Valentini kommt für Oliver Sorg

66. min Spielstand: 0:0
Jerome Gondorf

69. min Spielstand: 0:0
Dominik Kother kommt für 18466

74. min Spielstand: 0:1
Patrick Erras

76. min Spielstand: 0:1
Babacar Gueye kommt für Alexander Groiß

81. min Spielstand: 0:1
Anton Fink kommt für Burak Camoglu

87. min Spielstand: 0:1
Tim Handwerker

87. min Spielstand: 0:1
Fabian Schleusener kommt für Nikola Dovedan

90.(+1) min Spielstand: 0:1
Philip Heise kommt für Robin Hack

90.(+3) min Spielstand: 0:1
Enrico Valentini