Profis Freitag, 11.09.2020

Philipp Tschauner: "Meine Kinder sind Club-Mitglied"

Foto: Sportfoto Zink

Seine Wurzeln hat er in Nürnberg, heute spielt er in Leipzig: Philipp Tschauner über seine Verbundenheit zum Club, seine Zeit bei RB und das Aufeinandertreffen beider Vereine am Samstag.

fcn.de: Hallo Philipp, 15 Jahre ist es her, dass Du im Club-Trikot Dein Bundesligadebüt gefeiert hast. Wie blickst Du auf die Zeit beim FCN zurück?

Philipp Tschauner: Es ist kein Geheimnis: Der FCN ist mein Herzens- und Heimatverein. Ich bin dort groß geworden, habe 12 Jahre lang alle Jugendmannschaften durchlaufen, bin zum Profi gereift und habe mein Bundesligadebüt gefeiert. Nürnberg wird immer meine Heimat sein, deswegen spielt der FCN eine große Rolle für mich.

fcn.de: Du bist schon mit neun Jahren an den Valznerweiher gewechselt, hast seitdem viermal gegen Deinen alten Verein gespielt. Ist es für Dich am Samstag trotzdem noch eine besondere Rückkehr ins Max-Morlock-Stadion?

Philipp Tschauner: Definitiv, ich bin einfach sehr gern in Nürnberg. Zudem sind meine beiden Kinder Club-Mitglieder und auch mein Schwiegervater ist großer Fan. Ich freue mich sehr auf das DFB-Pokalspiel, mit Fans wäre die Rückkehr allerdings noch schöner geworden.

fcn.de: Unser Cheftrainer, Robert Klauß, ist Dir natürlich auch nicht unbekannt. Wie würdest Du ihn beschreiben?

Philipp Tschauner: Ich habe ihn in Leipzig als sehr akribisch und detailliert arbeitend und als eine großartige Persönlichkeit kennengerlernt. Er macht sich viele Gedanken, wie man den kommenden Gegner bespielen kann. Bei RB Leipzig hat er unter vielen guten Cheftrainern gearbeitet und da sicher einiges mitgenommen. Ich glaube, er war jetzt bereit für diesen Schritt und wird seinen Weg gehen. Auf diesem wünsche ich ihm viel Erfolg!

fcn.de: Seit über einem Jahr bist Du jetzt in Leipzig. Fühlst Du Dich wohl? Was macht den Verein für Dich aus?

Philipp Tschauner: Es hätte sicherlich ein einfacheres erstes Jahr geben können, um zu einem neuen Verein zu wechseln. Durch die Corona-Pandemie und die Umstände war vieles anders als sonst. Dennoch war es ein extrem spannendes Jahr, in dem wir gemeinsam sehr viel erlebt haben. Ich fühle mich hier absolut wohl. Der Verein ist ein sehr junger Klub, der wahnsinnig schnell groß geworden ist und jetzt auf diesem hohen Niveau bleiben möchte. Mit dem Halbfinale in der Champions League haben wir ein Ausrufezeichen in Europa gesetzt, was uns auch in der Wahrnehmung sehr guttut. Hier wird einfach gute Arbeit geleistet! Wir möchten dieses hohe Niveau natürlich konstant halten, deswegen müssen wir immer aufs Neue Gas geben.

fcn.de: Wie würdest Du Deine Rolle im Team von RB Leipzig beschreiben?

Philipp Tschauner: Ich wurde als dritter Torhüter geholt. Dafür bin ich in der abgelaufenen Saison sogar ziemlich oft in den Kader gerutscht, was ich zu Beginn der Spielzeit zwar erhofft, aber gar nicht erwartet habe. Da ich mit Abstand zu den Älteren gehöre, habe ich sicher eine andere Sicht auf einige Dinge. Ich versuche, mit meiner Erfahrung zu helfen. Das wird in der kommenden Saison vielleicht nochmal wichtiger: Wir werden wieder viele Partien haben und wollen möglichst erfolgreich sein, da kann ich den jungen Spielern sicher eine gewisse Ruhe geben und auch in schwierigen Situation mal auf Einzelne einwirken. Meine Rolle ist klar definiert und ich kann mich mit ihr zu 100% identifizieren. Ich möchte sowohl in der Kabine als auch auf dem Platz alles dafür geben, dass wir unsere Ziele erreichen.

fcn.de: Ihr habt Mitte August euer letztes Pflichtspiel der vergangenen Saison bestritten. Ohne einen einzigen Test geht es am Samstag für euch im Pokal gegen den Club. Empfindest Du das als großen Nachteil?

Philipp Tschauner: Es war ein sehr spezieller Sommer. Für uns Spieler – genauso wie die vom FC Bayern im Übrigen – gab es erstmals keine reguläre Vorbereitung. Damit müssen wir umgehen. Dass wir keine Vorbereitungsspiele hatten, ist jetzt kein Nachteil aus meiner Sicht. Einen höheren Wettkampfmodus, wie den, den wir beim CL-Turnier erlebt haben, kann es ja kaum geben. Dazu waren jetzt viele unserer Jungs im Wettkampfmodus bei ihren Länderspielen. Einzig die Neuzugänge konnten sich vielleicht nicht so schnell einfinden wie sonst. Wir alle sind aber voll fokussiert und trainieren auf hohem Niveau.

fcn.de: Ihr seid bis ins Halbfinale der Champions League gekommen. Schmerzt es noch, nicht in das Finale gekommen zu sein oder seid ihr einfach stolz, überhaupt so weit vorgedrungen zu sein?

Philipp Tschauner: Direkt nach Spiel war die Enttäuschung groß, wir waren unzufrieden. Wir hätten es einfach besser machen können, unsere Tagesform war nicht so gut wie noch gegen Madrid. Zudem gab es halt diese einmalige Chance, mit nur einem Spiel pro Runde sehr weit zu kommen. Man darf aber auch nicht vergessen, gegen wen wir da gespielt haben. Nach ein paar Tagen überwog dann auch der Stolz über das Erreichte. Sowohl für den Verein als auch die Stadt und die Region. Für alle war diese Reise ein unglaubliches Erlebnis und ein Meilenstein, es unter die Top 4 in Europa geschafft zu haben.

fcn.de: Was für eine Partie erwartest Du am Samstag?

Philipp Tschauner: Der Club hat gar nichts zu verlieren. Die Trainersituation – auch die Leihe von Tom Krauss – machen das Spiel natürlich speziell. Robert wird sich bestimmt gut überlegt haben, wie er uns knacken könnte, er wird seine Jungs richtig heiß machen. Wir müssen am Limit spielen und wieder schnell in den Wettkampfmodus kommen. Ich mache mir da aber keine Sorgen. Trotz der kurzen Pause sind alle schon hungrig auf die neue Spielzeit und damit natürlich auch auf den DFB-Pokal.