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Profis Dienstag, 04.06.2019

Patric Klandt: "Ich sehe mich als Teamplayer"

Fotos: Sportfoto Zink

Mit 35 Jahren ist Patric Klandt der mit Abstand älteste Spieler im Kader des FCN. Der gelernte Kfz-Mechaniker hat somit bereits eine lange Karriere im Profi-Fußball hinter sich, die in früheren Jahren sogar als Feldspieler begann. Die "lebende FSV Frankfurt-Legende" fand im letzten Sommer in Nürnberg eine neue sportliche Heimat, fliegt als dritter Torwart aber oftmals unter dem Radar der Fans und Medien. "Das stört mich nicht", sagt er. Klandt versteht sich eben als absoluter Teamplayer, wie er im ausführlichen Interview mit fcn.de verriet.

fcn.de: Hi Patric! Erst mal vorweg: Glückwunsch zur Vertragsverlängerung. Was war am Ende der ausschlaggebende Grund, dass du beim Club bleiben wolltest?

Patric Klandt: Danke! Es passt einfach alles. Ich fühlte mich von Beginn an sehr wohl in Nürnberg und freue mich sehr, dem Verein und der Mannschaft in den nächsten beiden Spielzeiten helfen zu dürfen.

fcn.de: Damit gehst du in deine Jahre 18 und 19 im Herren-Fußball. Deine Karriere begonnen hast du damals bei Eintracht Frankfurt.

Patric Klandt: Das ist schon echt lange her (lacht). Bei der Eintracht habe ich ja schon in der Jugend gespielt, übrigens bis zur C-Jugend als Feldspieler.

fcn.de: Profitierst du davon heute noch in deinem Spielstil? Würdest du dich als technisch starken Torwart bezeichnen?

Patric Klandt: Das ist schon ein Vorteil, wenn du als Torwart ein bisschen mit dem Ball umgehen kannst. Ich habe früher auch oft mit Freunden gekickt, davon ist viel hängen geblieben.

fcn.de: Dann kannst du dich also auch im mannschaftsinternen Fußball-Tennis behaupten?

Patric Klandt: Also im Winter-Trainingslager wurde ich mit den Brasilianern im Team Erster (lacht).

fcn.de: Wir erinnern uns! Warum hast du dann letztendlich doch den Schritt vom Feldspieler zum Torwart gemacht?

Patric Klandt: Ich habe zwar lange im Feld gespielt, Torwart zu sein hat mir aber tatsächlich mehr Spaß gemacht, vor allem Paraden zu machen und viel zu springen.

fcn.de: Als Torwart ging es dann auch hoch in die Reserve-Mannschaft von Eintracht Frankfurt. Wie groß war damals der Traum vom Profi-Fußball bei der SGE?

Patric Klandt: Damals war der Traum sehr groß. Willi Reimann war damals Profi-Trainer, Torwart-Trainer war Andreas Menger. Ich durfte dort ein paar Mal mittrainieren. Leider haben sie sich letztendlich gegen mich entschieden, sodass ich 2004 zum SV Wehen Wiesbaden wechselte.

fcn.de: War das rückblickend die größte Enttäuschung deiner Karriere?

Patric Klandt: Nein, gar nicht. Im Gegenteil: Ich bin zu einem Drittligisten gewechselt, war dort vorerst als Nummer zwei eingeplant. Mein Ziel war es, irgendwann Stammtorwart zu werden, das hat bereits nach dem siebten Spieltag geklappt. Danach war ich Stammspieler und habe viele Partien gemacht.

  • "Manchmal muss man ohnehin einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen."

fcn.de: Der Wechsel zum SV Wehen war so etwas wie der Dosenöffner deiner Profi-Karriere. Um auf Nummer sicher zu gehen, hast du aber als Jugendlicher eine Lehre zum Kfz-Mechaniker gemacht. Von deinen Eltern oder von dir: Von wem kam da die Motivation, eine Ausbildung parallel zum Fußball abzuschließen?

Patric Klandt: Sagen wir so: Mir war es wichtig, meinem Vater war es sehr wichtig. Man weiß ja nicht, wie eine Karriere verläuft. Es hätte ja sein können, dass ich mit 20 Sportinvalide werde und nie wieder spielen kann. Von daher war es sinnvoll, dass ich ein zweites Standbein hatte.

fcn.de: Sehr vorbildlich! Zumal deine Karriere mit dem nächsten Wechsel nach Rostock 2006 ins Stocken geriet.  

Patric Klandt: In Rostock wollte ich den nächsten Schritt machen. Dort ist es aber nicht so gut gelaufen. Für Rostocks Amateure hatte ich am Anfang ein Pokalspiel gegen Schalke, das wir 1:9 verloren haben. Der Trainer Frank Pagelsdorf hat danach nicht mehr auf mich gebaut. Nach anderthalb Jahren kam die Anfrage vom FSV Frankfurt, das wollte ich dann unbedingt machen. Manchmal muss man ohnehin einen Schritt zurückgehen, um zwei nach vorne zu machen.

fcn.de: Am Ende waren es sogar mehr als zwei Schritte, beim FSV Frankfurt wurdest du zu einer wahren Vereins-Ikone. Wie war deine Zeit beim FSV?

Patric Klandt: Das war wirklich eine schöne Zeit, wir sind ja direkt in die zweite Liga aufgestiegen. Danach haben wir die meiste Zeit gegen den Abstieg gespielt, in einer Saison hatten wir aber einen Ausreißer, wurden am Ende Vierter. Dass ich ausgerechnet in meiner Heimat zweite Bundesliga spielen konnte, war natürlich umso schöner.

fcn.de: Was vielleicht nur wenige Club-Fans wissen: Viele in Frankfurt bezeichnen dich als lebende Legende. Wie erarbeitet man sich einen solchen Status?

Patric Klandt: Das kann man sich nicht erarbeiten oder sagen ‚Du musst das und das machen, um eine Legende zu werden‘. Ich habe versucht, immer wieder aufs Neue meine Leistung zu bringen. Das ist mir ganz gut gelungen. Ob ich jetzt eine lebende Legende bin, müssen die FSV-Fans beurteilen.

fcn.de: 2015 hast du den FSV nach erfolgreichen Jahren verlassen. Was war der ausschlaggebende Grund für einen Wechsel?

Patric Klandt: Ich war damals in Gesprächen, ich wollte einen längerfristigen Vertrag mit einem Anschlussvertrag. Das hat damals nicht geklappt. Die Verantwortlichen hatten andere Pläne, sodass ich den Verein verlassen habe.

fcn.de: Wie sehr hat es dann geschmerzt, als „FSV-Legende“ die Abstiege der Frankfurter zu verfolgen?

Patric Klandt: Sehr. Ich habe viele Leute dort gekannt, immer den Kontakt gehalten. Das war schon sehr traurig zu sehen, dass der Verein soweit runter musste.

fcn.de: Am Ende bist du beim SC Freiburg gelandet. Wie war die Zeit im Breisgau?

Patric Klandt: Es war eine sehr schöne Zeit in einer schönen Stadt mit super lieben Leuten. Meine Frau und ich haben viele Freunde gefunden. Von daher blicke ich da sehr gerne zurück.

  • "Ich sehe mich als Teamplayer"

fcn.de: Beim SC hast du ja auch 2016 deinen ersten und bislang einzigen Titel gefeiert.

Patric Klandt: Das war überragend. Unser Ziel war der Aufstieg. Dass es dann auch noch zur Zweitliga-Meisterschaft gereicht hat, war umso schöner. Ein tolles Erlebnis, mal die Schale hochzuhalten.

fcn.de: Vielleicht auch ein Erlebnis, das du im nächsten Jahr mit dem Club erleben kannst …

Patric Klandt: Da würde ich nicht Nein sagen (lacht).

fcn.de: Seit einem Jahr bist du beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag, nimmst seitdem die Rolle als Nummer drei an. Es gibt sicherlich viele Fußball-Fans, die sich die Frage stellen, wie man dauerhaft mit der Rolle als Trainingstorwart zufrieden sein kann. Wie würdest du denen das erklären, was für einen Reiz macht das aus?

Patric Klandt: Jeder Spieler will spielen, das ist klar. Ich würde mich auch freuen, wenn ich spielen dürfte. Ich sehe mich aber auch als Teamplayer, der mit Fabi und Christian in einem Team ist. Für mich steht da der Teamgedanke. Wenn Chris gute Leistung bringt, dann spricht das auch für Fabi und mich. Das ist mein Ansporn, auch im Training Gas zu geben, sodass sich Fabi und Christian nie zurücklehnen können. So möchte ich helfen, dass die beiden ihre Top-Leistung abrufen können.

fcn.de: Ist das nicht auch ein deutlich entspanntes Leben, im Vergleich zu bspw. Mathenia, der Woche für Woche diesem großen Druck ausgesetzt ist?

Patric Klandt: Für Christian ist es mental schon anspruchsvoller als für mich, klar. Aber auch ich bin im Stadion, fiebere mit und bin angespannt. Ich gehe da nicht hin und denke ‚Mir egal, was da passiert, weil ich eh nicht spiele‘.

fcn.de: Dafür bist du aber auch nicht in einem solch medialen Blickfeld wie viele deiner Kollegen. Stört es dich, dass über dich weniger berichtet wird?

Patric Klandt: Überhaupt nicht. Ich bin ohnehin ein Mensch, der sich mehr im Hintergrund aufhält und nicht vor der Kamera stehen muss. Die Jungs machen ja auch das gut, von daher passt das schon.

  • "Ich frage mich, wie ich schon 35 Jahre alt sein kann"

fcn.de: Mit 35 Jahren bist du mit Abstand der älteste im Kader. Gibt es bestimmte Momente in der Kabine, in denen du das merkst?

Patric Klandt: Ich muss sagen, dass ich ziemlich jung geblieben bin. Wenn man täglich mit den jungen Spielern abhängt, hält das auch jung. Ich frage mich eh, wie ich schon 35 Jahre alt sein kann, so fühle ich mich gar nicht (lacht).

fcn.de: Haben deine jungen Mitspieler auch dafür gesorgt, dass du seit Anfang des Jahres bei Instagram aktiv bist?

Patric Klandt: (Lacht). Da ist eher meine Frau dran schuld. Ich war vorher nur ein bisschen bei Facebook aktiv, aber auch da scrollt man immer endlos lang. Deswegen habe ich mich auch lange gegen Instagram gewehrt, ich wollte nicht immer am Handy hängen. Meine Frau hat mich dann dazu überredet, damit die Fans auch ein bisschen was sehen können.

fcn.de: Abgesehen von Facebook, Instagram und Co.: Hat sich der Profifußball auch noch in anderen Bereichen verändert, seitdem du vor 15 Jahren in die Zweite Mannschaft von Eintracht Frankfurt aufgestiegen bist?

Patric Klandt: Auf alle Fälle. Damals galt ich mit 20 Jahren als extrem junger Spieler, da durftest du wenn überhaupt die Tore tragen oder Hütchen aufstellen, in der Kabine hattest du auch gar nichts zu melden. Das hat sich schon sehr geändert.

fcn.de: Was machst du eigentlich nach deiner Karriere? Gibt es schon konkrete Überlegungen?

Patric Klandt: So direkt nicht, ich würde aber schon gerne im Fußball-Bereich bleiben. Es wäre schön, wenn das eines Tages klappen würde.

fcn.de: Zu der Eröffnung einer Patric-Klandt-Kfz-Werkstatt wird es also eher nicht kommen?

Patric Klandt: (lacht) Nein, dafür bin ich aber auch schon zu lange draußen. Als ich die Lehre gemacht habe, waren Autos auch noch ganz anders ausgestattet. Daran sieht man auch mal, wie alt ich eigentlich bin.