ClubMänner Montag, 30.03.2026

Oostendorp & Polenz beim DFB Pro Lizenz-Lehrgang: Zwei Cluberer auf der Schulbank

Fotos: FCN/Sportfoto Zink

Es ist die höchste Trainerlizenz, die man erreichen kann und nur wenige ausgewählte Persönlichkeiten haben die Chance, beim DFB Pro Lizenz-Lehrgang teilzunehmen. In diesem Jahr hat der Club die Ehre, mit Thomas Oostendorp und Jerome Polenz gleich zwei von 17 Teilnehmern stellen zu dürfen. Wir haben uns mit den beiden FCN-Coaches über den Kurs, die Doppelbelastung und das Ziel des Lehrganges unterhalten.

Doppelbelastung stimmt jedoch nicht ganz für beide FCN-Teilnehmer, denn ClubFrauen-Cheftrainer Thomas Oostendorp ist vor kurzem Vater eines kleinen Mädchens geworden und hat somit derzeit eine Dreifachbelastung zu bewältigen: „Es ist alles gut verlaufen und alle sind wohlauf. Die ersten Tage sind immer ein bisschen hektisch, aber jetzt haben wir etwas mehr Ruhe. Meine Frau sagt immer, dass ich jetzt wieder in den Urlaub fahre, wenn es zum Lehrgang geht. (lacht) Aber die paar Stunden Schlaf mehr nehme ich gerne mit“, sagt der ClubFrauen Coach dazu, wie er zwischen jungem Familienglück, Cheftrainer in der Google Pixel Frauen-Bundesliga und Lehrgang pendelt.

Mit Jerome Polenz ist auch ein Mitglied aus dem Trainerstab der ClubMänner mit dabei, schaffte den Auswahlprozess im DFB-Assessment-Center und ist somit der zweite FCN-Teilnehmer in der 72. Auflage des Lehrganges: „Ich wollte schon mein ganzes Leben lang so viel wie möglich lernen. Und das ist die höchste Ausbildungsstufe, die man als Trainer erreichen kann. Das bringt einen nochmals enorm weiter und man kriegt Einblicke und Entwicklungsmöglichkeiten, die man nirgends sonst erhält“, erläutert er seine Entscheidung für die Teilnahme am Lehrgang.

Zurück auf der Schulbank

Jeden Monat geht es für das Duo für drei Tage nach Frankfurt in die Klassenzimmer am DFB-Campus: „Wir waren tatsächlich noch nicht auf dem Platz, sondern viel im Klassenzimmer. Denn es geht darum, uns als Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Da werden viele verschiedene Bereiche abgedeckt, wie die Medienarbeit, sportpsychologische Themen oder was ich als Führungskraft darstelle. Wir haben auch immer unsere Hausaufgaben, die es zu erledigen gilt und dann bei der nächsten Zusammenkunft besprochen und aufgearbeitet werden“, schildert Oostendorp den Ablauf des Lehrganges.

Dabei liegt der Fokus vor allem darauf, seine eigene Trainerpersönlichkeit weiterzuentwickeln: „Wir hatten schon einige Expertentalks, z.B. mit Rudi Völler und Andreas Rettig. Die geben dir dann Erfahrungen aus Jahrzehnten Profifußball weiter. Das ist sehr wertvoll“, meint Polenz und führt aus: „Meine Stärken liegen vordergründig in der Analyse und der Arbeit auf dem Platz. Aber wo man immer dazulernen kann, ist, wie die Vorgänge in großen Klubs sind, beispielsweise im Umgang mit den Medien. Zudem bekommt man Einblicke in die verschiedenen Arbeitsweisen anderer Vereine. Das interessiert mich sehr, weil es ja auf unterschiedlichste Art und Weise funktioniert.“

Und weiter: „Vor allem geht es aber im Kurs darum, seine eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln und authentisch in seinem Wirken und Handeln zu sein. Während des Lehrgangs findest du heraus: was kann ich schon gut und woran muss ich noch arbeiten.“

„Knackiges Programm“

So ein Tag im Lehrgang ist prall gefüllt, wie der Co-Trainer Analyse der ClubMänner erzählt: „Es gibt schon einen typischen Ablauf und der ist sehr knackig. Um neun Uhr morgens geht die erste Unterrichtsstunde los und vormittags werden zwei Module behandelt. Nach dem Mittagessen geht es direkt bis 18 Uhr weiter, ehe der Austausch mit den anderen Trainern stattfindet.“ Und dann betreut das Duo ja jeweils noch eine Profimannschaft mit und versucht diese bestmöglich auf den nächsten Gegner einzustellen.

„Es ist natürlich abhängig davon, wann wir spielen. Gegen Freiburg haben wir beispielsweise am Freitag gespielt und ich war erst zum Abschlusstraining am Donnerstag wieder zurück. Da bleibt dann wenig Zeit, noch einen großen Einfluss auf die Trainingswoche zu nehmen. Aber ich bin natürlich immer über alles informiert und telefoniere mit meinen Co-Trainern, versuche aber auch, mir nicht jedes Video der Trainingseinheiten anzusehen, sondern sie machen zu lassen. Wenn sie von sich aus auf mich zukommen, schaue ich mir schon die Dinge an, aber ich vertraue ihnen und sie können sich dadurch auch weiterentwickeln“, beschreibt Oostendorp den Ablauf im Trainerteam der ClubFrauen, wenn er einmal im Monat beim Lehrgang ist.

Auch Polenz lässt seine tagtäglichen Aufgaben nicht außer Acht und bewältigt sie zusammen mit dem Trainerteam: „Ich bin immer mit dem restlichen Trainerteam in Kontakt und wir schicken uns die Szenen hin und her. Ich komme meistens dann am Mittwochabend wieder ans Gelände und bin bis 22, 23 Uhr im Büro und erstelle die Analyse-Szenen. Das ist dann schon ein knackiges Programm. In den Wochen sind wir als Trainerteam schon gefordert, das Ganze stemmen zu können, aber es funktioniert bislang ganz gut“, so Polenz. Zumal die Unterstützung an allen Stellen groß ist, weil der Verein großen Wert auf die Fortbildung seiner Trainer legt, um sie qualitativ besser zu machen.

Vom gegenseitigen Austausch lernen

„Das Wertvolle am Kurs ist, dass es darum geht, von den jeweiligen Personen zu lernen. Und da freue ich mich darüber, dass ich auch Jerome als Trainer besser kennenlernen durfte“, stellt Oostendorp den Kontakt mit den anderen Teilnehmern in den Mittelpunkt und zeigt sich dankbar dafür, dass mit Polenz ein weiterer FCN-Akteur mit im Kurs ist. Der Co-Trainer der ClubMänner sieht dies genauso: „Man kannte sich natürlich vom Gelände, aber wir hatten in der täglichen Arbeit ja nicht viel miteinander zu tun. Deswegen freue ich mich jetzt sehr darüber, dass ich ihn so richtig kennenglernt habe, weil er ein unglaublich lustiger und herzensguter Mensch ist. Ich verstehe mich sehr gut mit ihm und schätze ihn. Es macht sehr viel Spaß mit ihm und wir sind auf einer Wellenlänge.“

Und geht es bei den beiden Teilnehmern des Club jetzt auch im internen Wettkampf um die bessere Abschlussnote? „Natürlich, ich will jeden schlagen. (lacht). Spaß beiseite. Viel wichtiger ist es, wenn jeder seine Entwicklungsschritte macht. So habe ich vielleicht ganz andere Punkte als Jerome. Das Wichtigste für unsere Lehrer ist es, dass jeder authentisch bleibt und eine bessere Version von sich selbst wird. Aber wenn jetzt jeder seine Prinzipien um 80 Prozent verwirft, dann muss man sich ja fragen, was er davor gemacht hat“, antwortet der Cheftrainer der ClubFrauen.

Dem pflichtet auch Polenz bei: „Es geht vielmehr darum, sich selbst kennenzulernen und rauszufinden, wofür du als Trainer stehst. Der Kurs ist darauf ausgelegt, Führungskräfte für den Deutschen Fußball auszubilden.“ Und von diesen Führungskräften hat der 1. FC Nürnberg Ende des Jahres zwei Stück mehr in den eigenen Reihen, von denen sich mit Sicherheit auch in Zukunft noch einiges profitieren lässt.


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