Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK
Profis Freitag, 20.03.2020

Niels Rossow & Robert Palikuca: Die Club-Vorstände im Interview

Foto: Sportfoto Zink

Die beiden Vorstände des 1. FC Nürnberg blicken auf die aktuelle Situation und sprechen über den wirtschaftlichen und sportlichen Bereich.

fcn.de: Unabhängig vom Fußball: Viele Menschen erleben die Corona-Krise derzeit als beklemmend. Wie geht es Ihnen damit?

Niels Rossow: Wir machen uns derzeit alle Gedanken über die Situation und sind um unsere Liebsten in Sorge. In Nürnberg steigen die Fallzahlen und wir bekommen mit, was in Italien passiert. Wir achten darauf, dass wir gesund bleiben und uns an die Vorgaben halten, damit wir unserer Verantwortung als Staatsbürger gerecht werden. Alle ziehen toll mit. Allen Mitarbeitern gilt dafür ein großer Dank, dass sie diese große Herausforderung schnell angenommen haben. Wir halten alle Mitarbeiter zur Vorsicht an, um die wir natürlich auch besorgt sind. So schwer es uns bei dem schönen Wetter fällt, wir gehen derzeit eben nicht hinaus.

fcn.de: Was ist in dieser Krise besonders wichtig? Worauf kommt es an?

Niels Rossow: Wir werden diese Krise nur bewältigen können, wenn wir gemeinsam zusammenstehen und solidarisch handeln. Das betrifft alle handelnden Akteure. Diese Situation ist auch eine Chance für den Fußball, sich wieder ein bisschen näher an die Gesellschaft anzunähern. Wenn man keine Solidarität zeigt, dann braucht man auch keine Solidarität einfordern. Jeder wird seinen Beitrag leisten.

fcn.de: Welchen Beitrag kann die Mannschaft in der aktuellen Phase leisten?

Robert Palikuca: Wir stehen in Form von Videokonferenzen im stetigen Austausch mit dem Mannschaftsrat und dem Cheftrainer. Von beiden bekommen wir klare Signale, dass sie bestrebt sind, ihren Beitrag zu leisten. Wir wollen aber nach der Quarantäne im direkten Dialog noch mit jedem einzelnen und der gesamten Mannschaft sprechen. Es ist aber viel zu früh, jetzt Parolen nach draußen zu schreien. Es gibt reihenweise Unwägbarkeiten. Wir arbeiten alle Szenarien durch. Aktuell weiß niemand, wann der Spielbetrieb wiederaufgenommen wird. Und wie dann die Rahmenbedingungen sind. Ob mit oder ohne Zuschauer. Wir werden alles dafür tun, um bestmöglich darauf vorbereitet zu sein.

fcn.de: In einigen wenigen Medien kursierte das Gerücht, der Club sei neben fünf anderen Vereinen einer der gefährdeten Vereine, der durch die Corona-Krise in existenzielle Probleme geraten könne. Wie gefährdet ist der 1. FC Nürnberg wirklich?

Niels Rossow: Wir konzentrieren uns in dieser ernsten Situation ausschließlich auf das Wesentliche und lassen uns nicht von Gerüchten leiten. Eines ist klar - wir haben eine sehr solide wirtschaftliche Basis, ein hochkompetentes Team und einen Plan – wir werden auch diese große Herausforderung meistern. Unser Finanzteam um Mario Hamm und Tobias Wendl arbeitet zusammen mit uns mit Hochdruck an einem ganzheitlichen wirtschaftlichen Konzept für alle Bereiche in unserem Verein. Auch alle anderen Mitarbeiter aus unserem Kernteam leisten tolle Arbeit.

Robert Palikuca: Der Club hat in der Vergangenheit schon einige schwierige Phasen durchlebt und wirtschaftliche Herausforderungen bewältigt. Wir arbeiten zielstrebig und lösungsorientiert. Und wir sind absolut überzeugt, dass wir die sich in einer dynamischen Zeit täglich ändernden Probleme lösen werden. Daraus werden wir als eingeschworene Einheit und gestärkt hervorgehen.

fcn.de: Wie sieht dieser Plan aus?

Niels Rossow: Wichtig ist, dass wir unsere Situation gemeinsam und ganzheitlich angehen. Wir stellen alles auf den Prüfstand und planen verschiedene Szenarien. Wir haben sehr gut gewirtschaftet in den vergangenen Jahren. Insofern wird der FCN die Saison, wie auch immer diese aussieht, bewältigen können.

fcn.de: Normalerweise ist die heiße Phase der Saisonplanung im März in vollem Gange. Sind Gespräche mit Spielern, Beratern und anderen Vereinen gerade überhaupt zielführend?

Robert Palikuca: Die Kaderplaner und ich stehen mit Spielern und Beratern im dauerhaften Dialog. Momentan ist es aber nicht leicht, konkret zu werden. Auch das ist eine Herausforderung, weil keiner weiß, wann der Spielbetrieb wie wiederaufgenommen wird. Wir sind aber auch hier überzeugt, dass wir mit unserem Finanzteam trotz wirtschaftlicher Anpassungen die bestmöglichen Voraussetzungen schaffen werden. Priorität hat aber die Sicherung aller Arbeitsplätze. Nicht nur im Lizenzbereich.

fcn.de: Welcher Schwerpunkt wird gerade im sportlichen Bereich gesetzt?

Robert Palikuca: Aufgrund der Ausnahmesituation findet der Trainingsbetrieb ausschließlich in Form von Stabilisationsübungen und Grundlagenausdauer in den eigenen vier Wänden statt. Wichtiger ist, dass sich alle an die Vorgaben und an die Quarantänevorschriften halten. Damit schützt das Team sich selbst und andere.

fcn.de: Ein ‚Notfallstab‘ arbeitet mit Hochdruck und leistet seinen Beitrag zur Ausarbeitung eines Konzepts.

Niels Rossow: Aktuell arbeiten nur wenige Mitarbeiter physisch auf der Geschäftsstelle. Ein wichtiger Aspekt ist unter anderem die Sicherstellung des Home-Office mit der entsprechenden IT-Lösung für die Kollegen, damit der Betrieb aufrecht erhalten bleibt. Aber auch die Sicherung des Vereinsgeländes. Mit der Ankündigung durch den Freistaat Bayern, den Katastrophenfall auszurufen und jetzt weiter in eine Ausgangsbeschränkung zu gehen, haben unsere Mitarbeiter alle Vorgaben extrem professionell und schnell umgesetzt. Wir werden diese Zeit nur gemeinsam bewältigen können. Alle arbeiten engagiert und mit Herzblut für den Club – auch zuhause. Es ist ein großer Zusammenhalt zu spüren.

fcn.de: Ist eine Prognose, wann es wie weitergeht, jetzt gerade realistisch?

Robert Palikuca: Nein. Und es ist auch nicht angebracht, Prognosen abzugeben. Dafür ist nicht Zeit. Der Fußball steht in Abhängigkeit von der Ausbreitung des Virus. Es scheint so, als ob erst wieder in absehbarer Zeit Fußball gespielt werden kann, wenn alle in der Gesellschaft Solidarität und Zurückhaltung leben.