ClubNachwuchs Samstag, 27.12.2025

Michael Wiesinger im Jahresabschlussinterview: "Wir haben eine gute Kultur entwickelt"

Foto: Sportfoto Zink

Wieder ist ein Jahr vorbei und im ClubNachwuchs ist einiges passiert. Tolle Reisen, spannende Spiele, fulminante Siege, Eigengewächse im Lizenzbereich und viele schöne gemeinsame Momente. Auf fcn.de lässt unser NLZ-Leiter Michael Wiesinger die vergangenen 365 Tage im Interview Revue passieren.

fcn.de: Servus Wiese! Vielen Dank dafür, dass du dir noch einmal Zeit genommen hast über das Jahr 2025 zu sprechen. Wie fällt dein allgemeines Fazit für den ClubNachwuchs in den letzten zwölf Monaten aus?

Michael Wiesinger: Es war ein sehr erfolgreiches Jahr mit vielen schönen Ereignissen. Wir hatten etliche Highlights, auf die wir gerne zurückblicken und haben vieles erreicht. Auch in diesem Jahr erreichten wir eine sehr hohe Quote an Spielern, die wir in den Profibereich bringen konnten und sind darauf sehr stolz.

fcn.de: Du hast es gerade schon angesprochen: In den vergangenen Jahren haben immer mehr Eigengewächse ihre ersten Schritte im Profifußball gemacht. Mit Simon Joachims, Tino Kusanovic, Levin Chiumento, Eric Porstner und Piet Scobel haben im Jahr 2025 gleich fünf Akteure mit ClubNachwuchs-DNA ihr Profidebüt gefeiert. Ist das für dich ein Beleg für die gute Arbeit im NachwuchsLeistungsZentrum?

Michael Wiesinger: Ja, auf jeden Fall. An dieser Stelle möchte ich mich auch direkt bei allen Mitarbeitern im NLZ bedanken, denn jeder hat einen großen Teil dazu beigetragen. Es ist unser übergeordnetes Ziel, die Spieler optimal auszubilden und wenn dieser Weg dazu führt, dass sich die Talente nachhaltig im Profikader etablieren können, dann ist das natürlich ein Erfolg für uns alle und wir können stolz darauf sein.

fcn.de: Dem 1. FC Nürnberg ist es im vergangenen Jahr erneut gelungen viele Top-Talente aus dem eigenen Stall langfristig an sich zu binden. Was macht den Club in deinen Augen zur richtigen Adresse für die Nachwuchstalente?

Michael Wiesinger: Nachhaltige und erfolgreiche Nachwuchsarbeit basiert immer auf einer gewissen ehrlichen Grundausrichtung. Ich glaube, dass die jungen Spieler uns im Moment abnehmen, dass es bei uns die Möglichkeit gibt, Fußballprofi zu werden. Wir hinterlegen das nicht nur mit Worten, sondern auch mit Taten, da sie bei uns im Verein einfach die Chance bekommen, sich zu zeigen. Das Wichtigste ist, dass wir den Talenten diese Möglichkeiten bieten und das läuft bei uns in den letzten Jahren richtig gut. Darum bin ich mir auch sicher, dass wir eine richtig gute Adresse für junge Spieler sind.

fcn.de: Ist das auch der Grund, warum wir unsere Talente im Perspektivkader oder auch durch die Fördertrainingseinheiten individuell belohnen und dennoch konkreter fordern?

Michael Wiesinger: Wir zeigen unseren Nachwuchsfußballern von Beginn an ein Schaubild auf, wie bei uns der Weg zum Fußballprofi aussehen kann. Dieser Weg beinhaltet unterschiedliche Etappen und eine davon ist, dass die Talente frühestmöglich mit dem Lizenztrainerteam in Kontakt treten sollen. Im Optimalfall auch gleich mit dem Cheftrainer persönlich, damit er sich ein Bild von den Jungs machen kann. Bereits in der U14 und U15 gibt es die ersten Fördertrainingseinheiten, die wir mit dem Perspektivtraining gezielt ausweiten. Damit möchten wir den Jungs den Weg nach ganz oben erleichtern. Sie sollen mehr Vertrauen in ihre eigenen Stärken bekommen und auch wissen, was an der Spitze der Nahrungskette von ihnen verlangt wird.

fcn.de: Natürlich werfen wir auch einen Blick auf die sportliche Situation unserer Mannschaften. Noch in der vergangenen Spielzeit dauerte es für die U23 lange sich den Klassenerhalt zu sichern. Wie hast du die Endphase der letzten Saison erlebt?

Michael Wiesinger: Das Jahr 2025 hat mir klar aufgezeigt, um was es in der Ausbildung und der Nachwuchsarbeit geht. Am Ende gibt es immer unterschiedliche Phasen. Am besten ist es natürlich, wenn man erfolgreich ist. Mit jungen Spielern gibt es aber auch immer wieder die Momente, in denen man realisiert, dass man hinsichtlich der Punkteausbeute ins Hintertreffen geraten ist. Gerade dann ist es wichtig, dass man ruhig und besonnen, aber auch bestimmend weiterarbeitet, um die Spieler auf das nächste Level zu heben. Am Ende war es eine sehr emotionale Saison, die aber auch gute Ausbildungsaspekte mit sich brachte. Im Endspurt hat die Mannschaft bewiesen, dass sie in den richtigen Momenten abliefern kann. Die U23 spielt in einer sehr ausgeglichenen Liga, in der man sich die Punkte immer hart erarbeiten muss – da zahlen wir teilweise Lehrgeld, doch haben daraus gelernt und zum Glück den Sack noch frühzeitig zu gemacht.

fcn.de: In dieser Saison läuft es umso besser. Mit fünf Siegen in Serie startete das Team in die neue Runde. Die vergangenen acht Spiele konnte die Mannschaft von Trainer Andreas Wolf für sich entscheiden und sicherte sich beide Derbysiege gegen den FC Bayern München und die SpVgg Greuther Fürth. Nun überwintern wir auch noch als Tabellenführer der Regionalliga Bayern. Was zeichnet die Mannschaft in deinen Augen aus?

Michael Wiesinger: Natürlich muss man dabei anmerken, dass wir in der Kaderstruktur einiges verändert haben. Neben dem Schwerpunkt, möglichst viele eigene U19-Spieler in die U23 zu bekommen, haben wir uns auch gezielt extern verstärkt. Um das ganze Konstrukt zu verstärken haben wir beispielsweise mit Leo Eberle oder Khalid Abu El Haija Spieler verpflichtet, die wir unserer Meinung nach nicht in den eigenen Reihen hatten, denen wir aber perspektivisch zutrauen, bei uns den nächsten Schritt zu machen. Wir haben aber auch eine beachtliche Anzahl an Spielern, die regelmäßig im Profitraining mitwirken und sich dann in der Regionalliga Spielpraxis holen – dadurch haben wir in diesem Jahr auch in der Breite eine ganz andere Qualität. Ein wichtiger Aspekt war es, dass wir gleich die ersten fünf Spiele gewonnen haben. Für eine junge Mannschaft, die sich neuformieren muss, ist es immer leichter, zueinander zu finden und Selbstvertrauen zu tanken, wenn man so in eine Saison startet. Man hat gemerkt, dass es anders ist als in den letzten Jahren, als die Mannschaft erst nach der Winterpause in Tritt kam. Dieses Jahr war das komplett anders und wir hatten teilweise Spiele, in denen wir trotz des jungen Alters wie eine richtige Spitzenmannschaft aufgetreten sind. Es hat mir große Freude bereitet, dabei zuzusehen, doch man muss das natürlich richtig einordnen. Das zeichnet uns alle aber auch aus, dass wir das beim FCN vom Trainer bis zu den Verantwortlichen auf jeden Fall können.

fcn.de: Erneut stoßen viele Spieler aus dem Lizenzbereich hinzu, jedoch hat sich darunter auch ein fester Kern entwickelt. Wie profitiert die Mannschaft davon?

Michael Wiesinger: Die Kunst dabei ist es, die verschiedenen Gruppen zueinander zu führen, das macht es bei einer U23 aus. Es ist nicht immer einfach, alle Interessensgruppen zu einer funktionierenden Einheit zusammenzubringen. Genau das hat Andi Wolf aber mit seinem Trainerteam in dieser Saison im engen Austausch mit dem Lizenztrainerteam sehr gut hinbekommen. Dafür muss man auch ein großes Kompliment aussprechen. Es ist eine Mannschaft zusammengewachsen, die einen Spirit entwickelt hat. Es ist wichtig, dass man sich in der Kabine einig ist, gemeinsame Ziele verfolgt und auch die Rolle in der U23 annimmt. Viele verstehen und erkennen, dass sie sich über diese Mannschaft natürlich auch für höhere Aufgaben qualifizieren und sich weiterentwickeln können. In der laufenden Runde muss man sagen, dass alles optimal aufgegangen ist und es wahnsinnig viel Spaß macht anzusehen, welche Dynamiken sich da entwickelt haben.

fcn.de: Doch auch ohne Unterstützung aus dem Profibereich gelingt es der Mannschaft, die Spiele für sich zu entscheiden. Gegen den TSV Schwaben Augsburg trat die U23 ohne Lizenzspieler an, hatte noch vier Akteure aus der U19 dabei und setzte sich dennoch durch. Ist das ein Beweis für die hohe Qualität innerhalb der Mannschaft?

Michael Wiesinger: Das Spiel war für uns zunächst ein Highlight, da wir die Tabellenführung verteidigen konnten. Unsere Ausbildungsstrategie beinhaltet es aber auch, dass wir im Optimalfall möglichst viele eigene U19-Talente in die U23 integrieren können. Von diesem Weg wollen wir auch nicht weggehen, denn deswegen machen wir unsere intensive Jugendarbeit. Beim Spiel gegen Augsburg wurden die U19-Talente belohnt, die seit mehreren Jahren bei uns sind, die Club-DNA und die Werte des FCN komplett verinnerlicht haben und damit auch unsere Arbeit verkörpern.

fcn.de: Wir gehen eine Altersstufe nach unten: In der Vorsaison verpasste die U19 die Qualifikation für LIGA A, zeigte aber dennoch starke Leistungen in der B-Runde. Obwohl man nicht mehr um die Meisterschaft kämpfen konnte, war man dennoch gefordert. Wie wertvoll waren diese Erfahrungen für die Mannschaft?

Michael Wiesinger: Für mich war es wichtig, auch einmal zu hören, wie es den Trainern und Spielern dabei ging. Man spürte schon, dass die Teilnahme an LIGA B für alle eine riesen Enttäuschung war, da man sich mit den Besten messen wollte. Wir wollen unsere Toptalente halten, indem wir ihnen auch diese Möglichkeit bieten. Umso wichtiger war es für uns, dass wir es in diesem Jahr geschafft haben, da wir Verantwortlichen nun auch die Möglichkeiten haben, unsere Talente zu bewerten, wenn sie sich mit den besten Mannschaften der Republik messen. Unser Trainerteam um Michael These hat es in der Vorsaison aber hervorragend hinbekommen, diese Ligaphase sinnvoll zu nutzen und in der laufenden Spielzeit stärker anzugreifen.

fcn.de: In der aktuellen Saison läuft es für die Mannschaft von Trainer Michael These umso besser. Die Qualifikation für LIGA A wurde souverän eingetütet. Als einziges Team setzte es keine Niederlage gegen den Vorrundenprimus aus Stuttgart und beide Derbys wurden gewonnen. Wie beurteilst du die Vorrunde und was traust du der Mannschaft zu?

Michael Wiesinger: In Anbetracht der Gruppeneinteilung wussten wir, dass wir auch Gegner dabei hatten, bei denen man im Vorfeld schon wusste, dass alles an diesem Tag passen musste, um diese zu bezwingen. Unsere Jungs haben das bisher bravourös gemacht und gezeigt, dass sie sich selbst ans Limit bringen können. Mit Michael These haben wir einen sehr erfahrenen Nachwuchstrainer, dem es gelingt, seine Mannschaft in den wichtigen Momenten richtig einzustellen. Das freut mich sehr für die Mannschaft. Ich glaube in LIGA A haben wir richtige Highlights und Gradmesser vor der Brust, die unseren Spielern auch aufzeigen können, wie gut sie wirklich sind.

fcn.de: Die U17 hingegen schaffte es bereits in der Vorsaison in LIGA A, qualifizierte sich für die K.O.-Phase und scheiterte im Achtelfinale am 1. FC Köln. War das rückblickend eine zufriedenstellende Spielzeit für dich?

Michael Wiesinger: Wenn man in der K.O.-Phase um die deutsche Meisterschaft steht, dann macht das natürlich schon Spaß. Auch diese Entscheidungsspiele mit Endspielcharakter prägen die Ausbildung von jungen Spielern und bringen sie auch in der Entwicklung nach vorne. Rückblickend war das eine sehr tolle Runde, die unsere U17 hingelegt hat.

fcn.de: Zum Vorrundenabschluss in der laufenden Saison wurde es nochmal richtig emotional. Nach einer starken Runde zog die Mannschaft von Trainer Vincent Novak im direkten Duell mit dem SSV Jahn Regensburg in aller letzter Sekunde das Ticket für LIGA A. Wie ist deine Einschätzung zur Vorrunde und was ist das nächste Etappenziel?

Michael Wiesinger: In Anbetracht des Kaders hatte ich in der Vorrunde die Erwartungshaltung, dass wir uns für LIGA A qualifizieren. Das ist uns auch gelungen und wir haben uns im „Endspiel“ gegen Regensburg belohnt. Wir haben da einen sehr spannenden Jahrgang mit Talenten, die sich jetzt auf diesem Level beweisen können. Analog zur U19 hilft es uns natürlich weiter, die Spieler auf diesem Niveau bewerten zu können, auch was die nächsten Ausbildungsschritte betrifft. Es wird richtig spannend werden und deshalb freue ich mich sehr auf die Spiele.

fcn.de: Die U14 geht als Spitzenreiter ins neue Jahr. Die U16, U15 und U13 liegen auf dem zweiten Tabellenplatz und die U12 auf Rang drei. Alle Teams gehören somit zur Spitzengruppe in ihrer jeweiligen Liga. Wie siehst du die Entwicklungen und Saisonverläufe unserer jüngeren Mannschaften?

Michael Wiesinger: Zum Jahresabschluss ist das natürlich eine richtig schöne Momentaufnahme. Wir haben erfolgreichen Fußball gespielt und das gehört auch zu unserer Identität beim 1. FC Nürnberg. Mir ist es dabei sehr wichtig, dass ich von allen verantwortlichen Trainern die Rückmeldung und das Gefühl bekomme, dass sie sehr akribisch arbeiten und nah an den Spielern dran sind. Unsere fest definierten Ausbildungsthemen müssen über allem stehen und wenn wir das gut umsetzen können, wissen wir auch, dass wir erfolgreich sind. Mit Dieter Frey und Reini Hintermaier haben wir zwei wichtige Personalien im ClubNachwuchs, die sich inhaltlich sehr ausgiebig mit den Mannschaften beschäftigen. Dabei haben wir auch gemerkt, dass wenn wir für die Mannschaften und die Trainer auch in schweren Zeiten da sind und ihnen den Rücken stärken, dass wir ein richtig starkes und funktionierendes Konstrukt aufgebaut haben. Die guten Ergebnisse der Teams sind für mich die logische Folge aus dem Ganzen und ein Beleg für die gute Arbeit, die wir im Kollektiv an den Tag legen.

fcn.de: Eine spannende Reise nach Namibia, der gesicherte Klassenerhalt der U23, die Erfolge beim Cordial-Cup, diverse Profidebüts oder die Herbstmeisterschaft des kleinen Club – was war für dich das absolute Highlight im Jahr 2025?

Michael Wiesinger: Tagtäglich gibt es unterschiedlichste Highlights im ClubNachwuchs, denn es passiert so viel. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, dann wäre es einerseits die Reise nach Namibia. Das war wichtig, um Erfahrungen, aber auch Grenzerfahrungen zu sammeln. Es war schön, mit einigen Mitarbeitern und der Mannschaft die Zeit dort zu verbringen und ein neues Land kennenlernen zu dürfen. Andererseits war es der Cordial-Cup, an dem wir mit drei Mannschaften erfolgreich teilgenommen haben. Da konnte man die FCN-Familie pur erleben und hat gemerkt, was der Verein auslösen kann. Beim Finalsieg der U15 sind auch unsere Jungs aus der U11 und U13 auf den Platz gestürmt und haben gemeinsam gejubelt. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, wie wichtig es ist, Wertschätzung zu erfahren und sie auch weiterzugeben. In diesem Moment hat man das ohne große Worte gespürt und gemerkt, wie glücklich unsere Jungs, aber auch alle Eltern waren den 1. FC Nürnberg repräsentieren zu dürfen.

fcn.de: Gib uns gerne einen Ausblick: Was kommt im neuen Jahr auf den ClubNachwuchs zu?

Michael Wiesinger: Für uns gilt es nun, den eingeschlagenen Weg nachhaltig weiterzugehen und uns dennoch stetig zu hinterfragen. Wir haben dabei eine gute Kultur entwickelt, die besagt, dass es immer wieder gilt, unterschiedlichste Dinge zu verbessern. Das wünsche ich mir auch nach dem Jahreswechsel. Es ist wichtig, dass alle im Team genauso motiviert und akribisch, aber auch empathisch zusammenarbeiten. Wir müssen uns alle dem großen Ziel, der optimalen Vorbereitung und Ausbildung unserer Talente unterordnen und unsere Spieler jeden Tag ein Stück besser machen.


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