ClubMänner Teamcheck Freitag, 18.09.2026

Maximilian Senft: Der Pokerspieler auf der Trainerbank des KSC

Foto: DFL

Vom Pokertisch in Las Vegas auf die Trainerbank des Karlsruher SC: Maximilian Senft hat einen ungewöhnlichen Weg in den Profifußball genommen. Der 37-jährige Wiener bringt Erfahrung aus Österreich, eine klare Spielidee und eine ganz besondere Schule der Entscheidungsfindung mit, um das schwere Erbe von Christian Eichner beim KSC anzutreten.

Es gibt wohl nicht viele Fußballtrainer, die ihren größten sportlichen Erfolg nicht auf dem Fußballplatz, sondern an einem Pokertisch gefeiert haben. Maximilian Senft gehört zu dieser kleinen Gruppe. 2014, Las Vegas. World Series of Poker. Senft spielt sich bis auf Platz elf und erspielt sich ein Preisgeld von 565.000 US-Dollar. Eine halbe Million Dollar für eine Entscheidung nach der anderen, für Geduld, Disziplin und die Fähigkeit, auch dann an der eigenen Strategie festzuhalten, wenn das Ergebnis zunächst gegen einen spricht.

Heute sitzt Senft nicht mehr am Pokertisch. Er sitzt auf der Trainerbank des Karlsruher SC. Und auch wenn Fußball und Poker auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein könnten, hat Senft aus seiner Zeit als Profi-Pokerspieler etwas mitgenommen, das ihn bis heute begleitet: Die Qualität einer Entscheidung lässt sich nicht allein an ihrem Ergebnis messen.

Gute Entscheidungen, schlechte Ergebnisse

Beim Poker kann die bessere Ausgangslage verlieren. Im Fußball kann eine Mannschaft überlegen spielen und trotzdem als Verlierer vom Platz gehen. Für Senft ist genau das eine der entscheidenden Gemeinsamkeiten. Die wichtigste Lehre, die er aus seiner Pokerkarriere mitgenommen habe, sei die Beurteilung der Qualität einer Entscheidung unabhängig vom Ergebnis. Am Pokertisch könne man trotz einer guten Ausgangslage verlieren, obwohl man zuvor eine clevere Entscheidung getroffen habe.

Eine Haltung, die viel über den Trainer Senft verrät. Denn Fußball ist für ihn nicht allein eine Abfolge von Ergebnissen. Es geht um Prozesse, um Entwicklung und um die tägliche Arbeit. Gerade weil der Fußball als Low-Scoring-Sport von Zufällen und einzelnen Situationen geprägt ist, möchte Senft Entscheidungen und Leistungen nicht ausschließlich anhand der Anzeigetafel bewerten. Das bedeutet nicht, dass Ergebnisse für ihn unwichtig wären. Im Gegenteil. Aber sie sind für den Wiener nicht der einzige Maßstab.

Von Wien über Ried nach Karlsruhe

Geboren in Wien, führte Senfts Weg zunächst nicht auf direktem Weg in den Profifußball. Seit 2022 arbeitete er bei der SV Ried, zunächst bei der zweiten Mannschaft. Nach sieben Monaten folgte der nächste Schritt: Im März 2023 übernahm Senft die Profimannschaft. Was folgte, war der bislang wichtigste Abschnitt seiner Trainerkarriere. In der Saison 2024/25 führte Senft die SV Ried zur Meisterschaft und damit zurück in die österreichische Bundesliga. Aus dem Trainer der zweiten Mannschaft war innerhalb weniger Jahre ein Aufstiegstrainer geworden. Doch es war nicht nur der Aufstieg, der in Karlsruhe Aufmerksamkeit erregte. Senft steht für einen Fußball, der aktiv und intensiv sein soll. Für klare Strukturen, hohe Arbeitsintensität und die Weiterentwicklung einzelner Spieler.

Genau diese Eigenschaften waren es, die den Karlsruher SC von Senft überzeugten. Die KSC-Geschäftsführung beschrieb ihn bei seiner Vorstellung als Trainer, der gezeigt habe, dass er Erfolg nicht nur kurzfristig erzeugen, sondern durch tägliche Arbeit stabilisieren könne. Senft soll der Mannschaft Struktur geben, Spieler entwickeln und gleichzeitig eine klare Spielidee vermitteln. Es geht um Intensität, Aktivität und einen Fußball, der nicht allein auf das Reagieren ausgerichtet ist. Damit bringt Senft etwas mit, das auch seine bisherige Karriere kennzeichnet: einen ausgeprägten Blick auf Prozesse.

Die ersten Härtetests

Wie gut sich seine Ideen in der Praxis umsetzen lassen, zeigt sich bereits in den ersten Wochen seiner Amtszeit. Der Start in die Saison war dabei ein Spiegelbild dessen, was Senft aus seiner Pokerzeit gelernt hat: Gute und schlechte Ergebnisse liegen manchmal dicht beieinander. Zum Auftakt gelang dem KSC ein 2:1 gegen Arminia Bielefeld. Im Südwest-Derby beim 1. FC Kaiserslautern folgte ein 0:0. Im DFB-Pokal setzte sich Karlsruhe anschließend mit 2:1 bei Preußen Münster durch und zog in die nächste Runde ein.

Dann aber wurde es turbulent. Gegen den VfL Wolfsburg kassierte der KSC eine deutliche 2:5-Niederlage. In Hannover erkämpften sich Senfts Spieler anschließend ein 2:2, ehe es am fünften Spieltag zu Hause gegen Aufsteiger Energie Cottbus eine 0:3-Niederlage absetzte. Der KSC steht somit nach fünf Ligaspielen bei fünf Punkten und auf Platz zwölf der Tabelle. Gerade die Niederlage gegen Cottbus zeigte, wie groß die Aufgaben für Senft sind. Karlsruhe hatte Chancen, blieb offensiv aber ohne Tor und offenbarte zugleich defensive Schwächen. Nun hatte der KSC-Coach eine Woche mehr Zeit, um seine Prozesse zu implementieren, die nun von der Klose-Elf auf die nächste Probe gestellt werden. 

Spieldaten

6. Spieltag, 2. Bundesliga 26/27
0 : 1
Karlsruher SC
–
1. FC Nürnberg
30. Mohamed Ali Zoma 0:1
Stadion
Datum
19.09.2026 13:00 Uhr
Schiedsrichter
Timo Gansloweit
Zuschauer
31067

Aufstellung

Karlsruher SC
Bernat - Pinto Pedrosa - Kobald (71. Heliton) - Franke - Ofli - Zor (86. Väänänen) - Egloff (46. Tremoulet) - Bergh (70. Eichinger) - Wanitzek - Ben Farhat (46. Ponente-Ramirez) - Fukuda
Reservebank
Himmelmann, Heliton, Scholl, Tremoulet, Civeja, Väänänen, Eichinger, Meyer, Ponente-Ramirez
Trainer
Maximilian Senft
1. FC Nürnberg
Reichert - Janisch - Kalogeropoulos - Otto (79. Mandic) - Porstner - Markhiyev - Fernandez - Becker (70. Lubach) - Justvan (70. Bøving) - Scobel (90. Haugen) - Zoma (90. Ghrieb)
Reservebank
Lisewski, Ceresoli, Heß, Mandic, Bøving, Lubach, Soldic, Ghrieb, Haugen
Trainer
Miroslav Klose

Ereignisse

21. min Spielstand: 0:0
Marcel Franke

30. min Spielstand: 0:1
Mohamed Ali Zoma

38. min Spielstand: 0:1
Deniz Ofli

46. min Spielstand: 0:1
Jason Ponente-Ramirez kommt für Louey Ben Farhat

46. min Spielstand: 0:1
Sandro Tremoulet kommt für Lilian Egloff

67. min Spielstand: 0:1
Adam Markhiyev

70. min Spielstand: 0:1
Rafael Lubach kommt für Finn Becker

70. min Spielstand: 0:1
William Bøving kommt für Julian Justvan

70. min Spielstand: 0:1
Noel Eichinger kommt für Viktor Bergh

71. min Spielstand: 0:1
Heliton kommt für Christoph Kobald

72. min Spielstand: 0:1
Noel Eichinger

79. min Spielstand: 0:1
Kristian Mandic kommt für Fynn Otto

86. min Spielstand: 0:1
Santeri Väänänen kommt für Danyal Zor

90. min Spielstand: 0:1
Sigurd Haugen kommt für Piet Scobel

90. min Spielstand: 0:1
Rayan Ghrieb kommt für Mohamed Ali Zoma

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