Diese Webseite verwendet Cookies

Wir verwenden Cookies, um Inhalte zu personalisieren und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

OK
Profis Dienstag, 14.08.2018

Lukas Mühl: "Mit großen Sprüchen kommt man nicht weiter"

Foto: Sportfoto Zink

Seit er 14 Jahre alt ist, trägt er das Trikot des 1. FC Nürnberg. Im Interview spricht Lukas Mühl über seinen Werdegang beim Club, eine Portion Skepsis, die ihn auf seinem Weg begleitet und erklärt, warum seine Erziehung ihm stets geholfen hat.

fcn.de: Lukas, du gehst in deine dritte Profi-Saison beim Club. Was hat sich für dich verändert im Vergleich zu den letzten zwei Jahren?

Lukas Mühl: Ich bin jetzt nicht mehr dabei, wenn es heißt: U20-Spieler, Tor tragen! (lacht)

fcn.de: Wer hat das jetzt übernommen?

Lukas Mühl: Es sind ja ein paar jüngere Spieler nachgekommen wie Timothy Tillman, Kevin Goden oder Simon Rhein, der aus der U21 dabei ist. Denen darf ich jetzt den Vortritt lassen. Wobei das nie ein Problem für mich war. Ich finde, dass das für einen jungen Spieler auch dazu gehört. Deshalb helfe ich auch jetzt noch mit.

fcn.de: Man muss sich als junger Spieler also hochdienen?

Lukas Mühl: Das kann man schon so ausdrücken. Als junger Spieler hat man natürlich noch nicht das große Standing in einer Mannschaft. Das muss man sich erarbeiten, durch solche Dinge, vor allem natürlich aber über das Sportliche. Du musst auf dem Platz überzeugen, dann wächst auch das Standing innerhalb einer Mannschaft. Mit großen Sprüchen kommt man nicht weiter, das ist meine Erfahrung. Und das finde ich auch gut so.

fcn.de: Das heißt, du hast jetzt zwei Lehrjahre hinter dir und machst jetzt den nächsten Schritt?

Lukas Mühl: Das würde ich so nicht sagen. Es ist eher eine ständige Weiterentwicklung. Die Zeiten ändern sich wahnsinnig schnell. Ich weiß noch, als ich unter René Weiler in St. Pauli zum ersten Mal im Kader stand, kurze Zeit später habe ich dann in Dresden schon mein Startelf-Debüt gefeiert. Alleine in diesem kurzen Zeitraum hat sich meine Sichtweise schon geändert.

fcn.de: Inwiefern?

Lukas Mühl: Als ich die ersten Male auf der Bank sitzen durfte, fand ich das richtig cool. Nachdem ich dann ein paar Mal in der Startelf stand, war auf der Bank zu sitzen natürlich nicht mehr ganz so cool. (lacht)

fcn.de: Daran wird sich nichts geändert haben?

Lukas Mühl: Als Profi-Fußballer willst du immer spielen, du willst immer mehr. Darum will ich jetzt auch in der Bundesliga so viele Spiele, wie möglich machen, klar. Und ich möchte an mir selbst feststellen, dass ich mich weiterentwickele, dass ich besser werde. Das ist auch wichtig, weil die Qualität der Gegner in der Bundesliga auch nochmal deutlich höher ist.

fcn.de: Worauf freust du dich in der Bundesliga am meisten?

Lukas Mühl: Sich mit den Besten zu messen, wird ein tolle Herausforderung. Zuhause wird unser Stadion sicher immer richtig voll werden, das ist ein schönes Gefühl. Und Auswärtsspiele in München, Dortmund oder den anderen großen Stadien werden sicher auch etwas Besonderes.

fcn.de: Du bist einst mit 14 Jahren nach Nürnberg gekommen. Jetzt spielst du bald gegen die Bayern oder den BVB in der Bundesliga. Hättest du dir das damals erträumt?

Lukas Mühl: Den Traum, Profi-Fußballer zu werden, haben natürlich ganz viele Kinder. Aber darum ging es gar nicht, als ich damals mit 14 nach Nürnberg gekommen bin. Da habe ich erstmal geschaut, wie ich hier zurechtkomme, was die Mitspieler und Gegner draufhaben.

fcn.de: Du bist offenbar ganz gut zurechtgekommen.

Ich habe versucht einen Schritt nach dem anderen zu gehen. Und ich hatte immer ein gutes Umfeld, das mir auch geholfen hat, meinen Weg zu finden und mit mir offen und ehrlich umgegangen ist.

fcn.de: Ab wann hast du gemerkt, dass es tatsächlich etwas werden könnte mit dem Profi-Fußball?

Lukas Mühl: Den einen Moment gab es nicht. Es ist eher eine Entwicklung, die einem das Gefühl gibt, dass man auf dem richtigen Weg sein könnte. Bei mir war es ohnehin nie so, dass über mich gesagt wurde: Der schafft es auf jeden Fall nach oben. Es war eher immer eine Portion Skepsis dabei.

fcn.de: Kannst du dir erklären, woher diese Skepsis kam?

Lukas Mühl: Ich war nie der extrovertierte Typ, der in der ersten Reihe stehen musste und wollte. Mir war es wichtig, meine Aufgaben ordentlich zu erledigen, mich kontinuierlich zu verbessern. Daran habe ich eher im Hintergrund gearbeitet. Es gab in meinen Mannschaften immer den einen oder anderen, auf den mehr geachtet wurde. Und das war auch gut so. Dadurch hatte ich meine Ruhe und konnte mich entwickeln. Auf der anderen Seite spielt der eine oder andere, von dem man dachte, dass er es voll draufhat und es auf alle Fälle packt, heute vielleicht in der Landesliga.

fcn.de: Warum?

Lukas Mühl: Weil man zu sehr im Fokus stand, der Druck zu groß war und der Kopf dann nicht mitgespielt hat. Aus meiner Sicht ist der Kopf entscheidend. Du darfst dir auf der einen Seite nicht die Sinne vernebeln lassen und musst auf der anderen Seite immer den Antrieb haben, dich verbessern zu wollen.

fcn.de: Was hast du getan, dass der Kopf mitspielt?

Lukas Mühl: Bei mir spielen da meine Wurzeln und meine Erziehung eine große Rolle. Ich komme aus Niederbayern, da zählt erstmal harte Arbeit. Es wird einem früh beigebracht, dass man sich Dinge selbst verdienen muss. Das war im Fußball schon zu meinen Anfangszeiten so, als mein Papa mein Trainer war und mir nichts geschenkt hat. Und das hat mir dann auch hier beim Club geholfen, weil ich mir auch hier alles hart erarbeiten musste.

fcn.de: War deine Herangehensweise vielleicht auch ein Grund dafür, warum deine Trainer dich oft zum Kapitän gemacht haben, obwohl dir, wie du sagst, auch immer eine Portion Skepsis begegnet ist?

Lukas Mühl: Ich glaube, meine Trainer haben meine Art einfach geschätzt. Ich bin ein Typ, der immer positiv an die Dinge rangeht und versucht, seinen Mitspielern zu helfen. Natürlich geht’s auch um die individuelle Entwicklung, aber man muss immer die Mannschaft im Blick haben, sonst sieht man als Einzelner schlecht aus. Deshalb ist es mir wichtig, mich auch in meine Mitspieler hinzuversetzen. Mir ist es nicht egal, wenn es einem schlecht geht, weil er verletzt ist, draußen sitzt oder irgendetwas nicht stimmt. Ich weiß, wie schnell es gehen und es einen selbst erwischen kann.