Klare Standards, klare Entwicklung: Die Torhüterinnen-Arbeit beim Club
Seit 2014 ist Christian Krüger beim 1. FC Nürnberg als Torwarttrainer tätig und kümmert sich mittlerweile Hauptverantwortlich um den Torhüter-Bereich. Damit fällt auch die Ausbildung und Entwicklung des Torhüterinnen-Teams der ClubFrauen in seinen Aufgabenbereich. Im Interview mit ihm haben wir noch einmal die vergangene Saison rekapituliert, einen Blick auf die kommende Saison geworfen und auch mit den beiden Torhüterinnen dieser historischen Spielzeit gesprochen.
Chris, am Ende stand der Klassenerhalt. Wie fällt dein Fazit zur vergangenen Saison aus?
Am Ende der Saison steht der Klassenerhalt. Das ist definitiv das Wichtigste. Darüber hinaus war die vergangene Saison aus Torhüterinnen-Sicht ein voller Erfolg. Unser Team mit Larissa Rusek und Lourdes Romero konnte über die gesamte Spielzeit hinweg positive Leistungen zeigen und der Mannschaft entscheidend zum Klassenerhalt verhelfen. Zusätzlich konnten wir in der Hinrunde dazu beitragen, dass sich Larissa Rusek nicht nur in der Bundesliga etablierte, sondern auch in der österreichischen A-Nationalmannschaft. Dass sie nach einer halben Saison im Winter den Schritt zu Juventus Turin in die italienische Serie A machen konnte, zeugt ebenfalls von der guten Arbeit, die wir gemeinsam geleistet haben. Das macht uns natürlich stolz. Auch Lourdes war mit guten Leistungen sofort präsent und konnte ihre Qualitäten zeigen. Obwohl sie in der Hinrunde keine Einsatzzeiten erhielt, blieb sie jederzeit positiv und professionell. Sie nutzte die Zeit, um intensiv an sich zu arbeiten und sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Gleichzeitig war sie für die Mannschaft ein wichtiger Rückhalt, hat von der Bank aus gepusht und das Team unterstützt. Ihre Entwicklung wurde nun mit ihrer erstmaligen Berufung in die Schweizer A-Nationalmannschaft belohnt. Das freut uns natürlich sehr.
Lourdes Romero, seit der Rückrunde bist du die Nummer eins im Tor. Wie erlebst du die tägliche Arbeit bei den ClubFrauen?
Wir arbeiten innerhalb des Torhüterinnen-Teams sehr detailliert. Sowohl in den Videoanalysen als auch auf dem Platz wird sehr kleinschrittig gearbeitet. Man merkt, dass das Team hinter dem Team einen klaren Plan hat, wie Torhüterinnen entwickelt werden sollen. Außerdem ist jede Person jederzeit wichtig – unabhängig davon, ob sie spielt oder nicht. Dadurch entsteht das Gefühl, sich täglich weiterentwickeln zu können.
Larissa Rusek, was hat die Torhüterinnen-Arbeit in Nürnberg für dich besonders gemacht?
Mich hat vor allem die Arbeit auf dem Platz überzeugt. Die Kommunikation innerhalb des Torhüterinnen-Teams war von Beginn an offen und direkt. Ich habe sofort gemerkt, dass sich der Verein intensiv mit meinen Spielen, meiner Person und meinem Torwartspiel auseinandergesetzt hat. Wir hatten von Anfang an einen klaren gemeinsamen Plan, den wir sehr gut umsetzen konnten.
Chris, zwei Torhüterinnen haben in der vergangenen Saison den Sprung in die A-Nationalmannschaft geschafft. Was zeichnet die Torhüterinnen-Ausbildung in Nürnberg besonders aus?
Ich glaube, uns zeichnet besonders aus, dass wir versuchen, dieselben Standards im Männer- wie im Frauenfußball zu etablieren. Viele Inhalte sind identisch: Videoanalysen, Gegneranalysen und Trainingsaufbau unterscheiden sich kaum. Ob das ein Alleinstellungsmerkmal ist, weiß ich nicht. Aber es ist etwas, das uns stolz macht und das wir in den kommenden Jahren weiter ausbauen möchten.
Du bist als Torwart-Koordinator für den gesamten Bereich verantwortlich. Wie sieht deine Arbeit konkret aus?
Ich versuche, die Standards aus dem Herrenfußball nach und nach auch im Frauenfußball zu implementieren und als Schnittstelle zwischen beiden Bereichen zu fungieren. Meine Aufgaben sind dabei zweigeteilt. Als Torwart-Koordinator bin ich einerseits Trainerentwickler und andererseits Ausbilder der Torhüterinnen. Im Rahmen der Trainerentwicklung konnten wir in den vergangenen Jahren junge Trainertalente für unser NLZ gewinnen und weiterentwickeln. Ein gutes Beispiel ist Jakob Hubmann, der zwei Jahre bei der U20/U19 der ClubFrauen tätig war und nun in den ClubNachwuchs wechselt. In der täglichen Arbeit versuche ich, unsere Inhalte, Werte und die Torwart-Philosophie zu vermitteln und Ansprechpartner für Torhüterinnen sowie Torwarttrainer zu sein. Zusätzlich bin ich für das Scouting neuer Torhüterinnen verantwortlich.
Welche Rolle spielt dabei die Nachwuchsförderung?
Wir haben in der vergangenen Saison den Torhüterinnen-Perspektivkader ins Leben gerufen. Dort bauen wir einen Pool aus jungen, talentierten Nachwuchstorhüterinnen aus der Region auf, auf die wir durch Scouting und Torhüterinnen-Talenttage aufmerksam geworden sind. Dieser Kader trainiert regelmäßig bei uns am Valznerweiher. Die Maßnahme dient sowohl der Ausbildung als auch der Leistungsüberprüfung externer Torhüterinnen. Gleichzeitig hilft sie uns, die Strahlkraft der ClubFrauen in der Region weiter auszubauen.
Die neue Saison wirft bereits ihre Schatten voraus. Mit welchen Erwartungen blickst du auf die kommenden Monate?
Nach dem erfolgreichen Klassenerhalt und der verdienten Sommerpause richtet sich der Blick natürlich bereits auf die neue Saison. Auch dort steht der Klassenerhalt an erster Stelle. Diesem Ziel ordnen wir alles unter. Aus meiner Sicht ist es hervorragend, dass wir unser Torhüterinnen-Team frühzeitig mit Rebecca Adamczyk verstärken konnten. Rebecca wurde bereits mehrfach für die deutsche U23-Nationalmannschaft nominiert. Wir sind überzeugt, dass sie mit ihrer Art, das Torwartspiel zu interpretieren, und unseren Ausbildungsinhalten bei uns die nächsten Schritte in ihrer Karriere gehen kann. Denn wie im gesamten Frauenfußball des 1. FC Nürnberg ist auch im Torhüterinnen-Bereich unsere Mission klar: junge Talente scouten, verpflichten, weiterentwickeln und auf höhere Aufgaben vorbereiten.