Joschka Hobitz: Konstantere Leistungen bringen
Joschka Hobitz steht seit Anfang dieser Saison an der Seitenlinie der U19-Juniorinnen, die, ebenfalls seit dem Saisonstart, in der Bayernliga spielen. Im Interview spricht er über die Entwicklung seiner Mannschaft und gibt einen Ausblick auf die kommenden Wochen.
Joschka, ihr spielt mit den U19-Juniorinnen seit einem halben Jahr in der Bayernliga. Wie habt ihr euch etablieren können?
Nach anfänglichen Schwierigkeiten und drei Niederlagen in den ersten drei Spielen haben wir uns gut in der Liga zurechtgefunden. Wir überwinterten als beste „zweite Mannschaft“ auf Platz 6 – mit einem Spiel weniger und sogar noch rechnerischen Chancen auf Platz 5.
Wir brauchten etwas Zeit, um mit dieser sehr jungen Mannschaft und einem Altersdurchschnitt von 17,9 Jahren in der Liga anzukommen. Besonders unglücklich waren die Niederlagen gegen Ingolstadt und Regensburg, in denen wir jeweils unter unseren eigenen Erwartungen geblieben sind. Andererseits konnten wir mit starken Auftritten gegen Weinberg und Ruderting überzeugen und auswärts sogar den Regionalliga-Absteiger Hof schlagen.
Die Inkonstanz haben wir in der Hinrundenanalyse gemeinsam mit dem Team klar angesprochen. Sie ist der Hauptgrund dafür, dass wir etwas hinter unseren Erwartungen geblieben sind. Genau hier wollen wir in der Rückrunde ansetzen und unsere Leistungen deutlich konstanter auf den Platz bringen.
Was hat sich verändert im Vergleich zur Landesliga?
Wir spielen jetzt gegen deutlich erfahrenere Mannschaften, die teilweise auf semiprofessionellem Niveau arbeiten. Das ist ein klarer Unterschied zur Landesliga. Viele Gegnerinnen haben Regional- oder sogar Zweitligaerfahrung. Trotz unseres sportlichen Niveaus stellt uns diese größere Erfahrung immer wieder vor Herausforderungen.
Aber genau das ist unser Ziel. Wir wollen ausbilden, indem wir im Wettbewerb von unseren Gegnern lernen. Es hilft uns enorm, gegen ältere und erfahrenere Teams zu spielen.
Wie blickst du auf das letzte halbe Jahr zurück?
Die Mannschaft hat sich in den letzten sechs Monaten sehr gut entwickelt. Vor allem im athletischen Bereich konnten wir deutliche Fortschritte erzielen, insbesondere im Spieltempo. Da wir in dieser Saison zudem mit einem neuen System spielen, ist auch eine klare taktische Entwicklung erkennbar.
Zur Entwicklung gehört auch, dass wir mit Paschedag, Zapf, Schuster, Schnappinger, Büttner und Haupeltshofer mittlerweile sechs Spielerinnen aus dem U17-Jahrgang erfolgreich in die U19 integriert haben, die alle regelmäßig Spielzeit bekommen. Das spricht insgesamt für eine sehr gute Arbeit im Jugendbereich.
Ergänzt wird das durch die Übernahme von Luisa Eichinger in die U19 bereits im U16-Alter. Sie dürfen wir aktuell zwar noch nicht in der Frauenliga einsetzen, aber auch das ist eine sehr positive Entwicklung der letzten Monate.
Bei all den positiven Aspekten dürfen wir jedoch die Verletzungen nicht ausblenden: Zwei Spielerinnen verpassten die komplette Hinrunde, eine weitere fällt mit einem Kreuzbandriss sogar die gesamte Saison aus.
Das letzte halbe Jahr war also geprägt von tollen Erfahrungen, aber auch von Herausforderungen – und genau das gehört dazu.
Welche Ziele habt ihr euch für den Rest der Saison gesetzt?
Bei unseren Prozess- und Entwicklungszielen liegt der Fokus vor allem auf mehr Konstanz und einer weiter steigenden Intensität im Umschaltspiel. Hier wollen wir den nächsten Schritt machen und die Spielerinnen auf ein noch höheres Niveau bringen.
Zudem müssen wir an unserer Chancenverwertung arbeiten. Zwar haben wir die viertwenigsten Gegentore kassiert, allerdings gibt es auch nur drei Mannschaften, die weniger Tore erzielt haben als wir. Das wollen wir definitiv verbessern.
Natürlich ist es unser Ziel, die beste „zweite Mannschaft“ der Liga zu bleiben und in der Rückrunde mehr Punkte zu holen als in der Hinrunde. Über allem steht jedoch weiterhin die individuelle Entwicklung unserer Spielerinnen.
Wie hat sich die Mannschaft mit dem Wechsel von einer U20 auf eine U19 verändert?
Durch die Verjüngung des Kaders sind die körperlichen Unterschiede zu den Gegnerinnen noch deutlicher geworden. Diese müssen wir auf andere Weise ausgleichen – vor allem durch taktische Elemente und eine hohe Intensität.
Unsere Mannschaft muss in nahezu jedem Spiel ans Leistungslimit gehen, um konkurrenzfähig zu sein. Das verschiebt unsere Leistungsgrenze nach oben, was wir natürlich als Effekt begrüßen.
Gleichzeitig bietet die Verjüngung die Möglichkeit, jungen Spielerinnen mehr Einsatzzeit und Aufmerksamkeit zu geben. Das wäre in einer älteren Altersstruktur in diesem Umfang nicht möglich.
Welches Highlightspiel erwartet euch noch?
Ende Januar absolvieren wir ein dreitägiges Trainingslager in Essen. Dort treffen wir am 31.01. um 15 Uhr auf Schalke 04. Zwischen beiden Vereinen gibt es eine tiefgründige Freundschaft, die wir auch in der Jugend weitertragen wollen. Die U19 von Schalke spielt in einer eigenen U19-Liga und misst sich – anders als wir – nicht mit älteren Gegnerinnen. Für uns ist das ein sehr guter Test, um unsere athletische Entwicklung zu überprüfen.
Außerdem steht Anfang Februar unser alljährlicher Leistungsvergleich gegen Hof und die U20 von Carl Zeiss Jena an. Hier haben wir die Möglichkeit zu zeigen, dass unsere Bayernliga durchaus mit der Regionalliga Nordost vergleichbar ist, in der Jena aktuell auch ergebnistechnisch eine gute Rolle spielt. Das ist für uns eine hervorragende Gelegenheit für einen direkten Vergleich.