Teamcheck Freitag, 15.03.2013

Im Tagesgeschäft nichts Neues

Die Stimmungslage auf Schalke war zuletzt extrem schwankend. Inzwischen läuft es aber.

Der Profi -Fußball ein Tagesgeschäft? Die Stimmungslage extrem schwankend, himmelhochjauchzend nach Siegen, Trübsal nach Niederlagen? Das Ganze bei einem Traditionsverein wie Schalke 04 noch ausgeprägter als bei normalen Klubs? Und man hegt Zweifel an dieser These? Dann unterhalte man sich mal mit Jens Keller und der Trainer der Königsblauen wird den Gegenbeweis antreten. Keine vier Wochen ist es her, da standen in der Beliebtheitsskala der Schalker Fans höchstens noch Fußpilz oder Borussia Dortmund unterhalb des 42-jährigen Ex-Profi s. Kein Charisma, keine Erfolge, keine Lobby, eh bald wieder weg, hätte eine Kurzbeschreibung lauten können.

Die Logik dahinter musste man ja nicht verstehen, die schnelle Suche nach einem Schuldigen endet eben oft beim Cheftrainer. Kurz vor Weihnachten hatten sich die Gelsenkirchener von Huub Stevens getrennt, die Mannschaft befand sich zu diesem Zeitpunkt im freien Fall, von der Qualifikation für das Champions League-Achtelfinale mal abgesehen. Kellers erstes Spiel, das letzte vor der Winterpause, ging in die Hose, 1:2 daheim im Pokal gegen Mainz, praktisch ohne Kennenlern- oder Eingewöhnungsphase. Beileibe nicht Kellers Schuld.

Niederlage gegen Fürth

Wer zu Beginn der Rückrunde auf Keller als nächsten Trainerrauswurf wettete, träumte sicher nicht von plötzlichem Reichtum, höchstens von einer sicheren Geldanlage, so mies standen die Quoten. Keller zeigte sich äußerlich unbeeindruckt. Wie es tief in seinem Inneren aussah, kann man sich höchstens denken. Dem spektakulären 5:4-Sieg zum Auftakt gegen Hannover folgte ein torloses Remis in Augsburg – und schon geisterte das Wort Krise rund um die Veltins-Arena. Nach vier Zählern aus zwei Partien!

Das folgende von viel Pech begleitete 1:2 gegen Greuther Fürth passte ins Bild. Doch erstens hielt Manager Horst Heldt an Keller fest und zweitens bekam die Mannschaft urplötzlich die Kurve. Drei Siege fuhr die Truppe in der Bundesliga zuletzt ein. Nein, eigentlich vier, denn Derby-Siege gegen Dortmund wie vergangenen Samstag zählen bei der Anhängerschaft fast doppelt… So schnell kann es gehen. Tagesgeschäft eben. Siege zählen, Keller hat sie eingefahren, prompt gibt es erste Stimmen, die ihn doch für den Richtigen halten, eventuell sogar über das Saisonende hinaus. Noch Fragen?

Tönnies lobt Keller

Keine bei den Spielern, denn die ziehen mit. Heldt: "Weil sie spüren: Die Vorgaben des Trainers führen zum Erfolg." Auch Clemens Tönnies, der mächtige Aufsichtsratschef, lobt Keller, nennt ihn "bienenfleißig. Jens zeigt, dass er ein guter Trainer ist und zu Schalke passt." Auch in der neuen Saison? Diese Entscheidung ist offen, immerhin aber hat Keller Schalke zunächst auf Rang vier zurückgeführt und damit die Chance am Leben erhalten, auch kommende Saison in der Champions League vertreten zu sein.

Dort schlugen sich die Schalker mehr als achtbar, nach der Niederlage gegen Galatasaray war heuer erst im Achtelfinale Endstation. Stevens scheiterte auch daran, dass er lange nicht rotierte. Und als er es tat, schnell merken musste, dass der zweite Anzug nicht so richtig passte. Keller hat dennoch an ein paar Stellschrauben gedreht. Julian Draxler spielt nach dem Abgang Lewis Holtbys auf der "Zehn", links läuft stattdessen der schussgewaltige Winterneuzugang Michel Bastos auf. Der ehemalige brasilianische Nationalspieler kam aus Lyon und traf bereits dreimal.

Huntelaar verletzt

Links hinten vertraute Keller Sead Kolasinac (19), einem talentierten Eigengewächs. Andere, lange in der Formkrise steckende Spieler wie Joel Matip oder Atsuto Uchida, blühten zuletzt wieder auf, im Tor erwies sich Routinier Timo Hildebrand als unspektakulärer, dafür aber sehr sicherer Rückhalt. Das aktuell größte Problem stellt die Verletzung von Klaas-Jan Huntelaar dar, auch wenn der Torjäger, der an guten Tagen Weltklasse verkörpert, in dieser Saison nicht so richtig auf Touren gekommen ist.  Gegen Dortmund traf der Niederländer noch zum 2:0, dann verletzte er sich am Knie und wird daher auch heute in Nürnberg fehlen.

Da auch sein erster Ersatz, Ciprian Marica, ausfällt, muss es entweder Teemu Pukki richten – oder aber Keller lässt sich auf die "spanische Variante" ein, also ohne klassischen Angreifer. Dann könnte Jefferson Farfan oder ein anderer aus dem Mittelfeld nach vorne rücken. An Ehrgeiz wird es den Schalkern nicht mangeln. Den gerade eroberten vierten Platz wollen sie verteidigen, selbst Leverkusen auf Rang drei ist nur noch sechs Punkte entfernt und muss sich im Abendspiel den Bayern stellen. Und dann haben sie ja noch etwas gutzumachen, endete der letzte Auftritt in Nürnberg doch in einer blau-weißen Enttäuschung. 4:1 gewann der Club vergangenen April, für alle Club-Fans ein echtes Highlight im schnelllebigen Tagesgeschäft.

Spieldaten

26. Spieltag, 1. Bundesliga 2012/2013
3 : 0
1. FC Nürnberg
31. Markus Feulner 1:0
69. Alexander Esswein 2:0
87. Mike Frantz 3:0
Schalke 04
Stadion
Grundig Stadion
Datum
16.03.2013 14:30 Uhr
Schiedsrichter
Dr. Jochen Drees
Zuschauer
46055

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Balitsch, Nilsson, Klose, Pinola - Feulner, Simons, Chandler (84. Ildiz), Kiyotake, Esswein (90. Polter) - Pekhart (45. Frantz)
Reservebank
Ildiz, ??, Rakovsky, Frantz, Plattenhardt, Kanazaki, Polter
Trainer
Michael Wiesinger
Schalke 04
Hildebrand - Höger, Höwedes, Matip, Fuchs - 18466, Kolasinac (59. 18466), Farfán, Draxler, Bastos (84. 18466) - Obasi (64. Pukki)
Reservebank
18466, 18466, Uchida, Moritz, Metzelder, Fährmann, Pukki
Trainer
unbekannt

Ereignisse

31. min Spielstand: 1:0
Markus Feulner

44. min Spielstand: 1:0
Marco Höger

45. min Spielstand: 1:0
Mike Frantz kommt für Tomas Pekhart

59. min Spielstand: 1:0
18466 kommt für Sead Kolasinac

64. min Spielstand: 1:0
Teemu Pukki kommt für Chinedu Obasi

69. min Spielstand: 2:0
Alexander Esswein

84. min Spielstand: 2:0
18466 kommt für Michel Bastos

84. min Spielstand: 2:0
Muhammed Ildiz kommt für Timothy Chandler

87. min Spielstand: 3:0
Mike Frantz

90. min Spielstand: 3:0
Sebastian Polter kommt für Alexander Esswein