Business Montag, 28.03.2022

Heute vor 30 Jahren: Als der Club beim "großen FC Bayern" gewann

Spiele gegen den FC Bayern München sind für den 1. FC Nürnberg seit jeher etwas Besonderes - und Siege in München etwas seltenes. Am 28. März 1992 feierte der Club im Münchner Olympiastadion den bis heute letzten Triumph beim FC Bayern. Zum 30. Jahrestag haben wir mit FCN-Bundesliga-Rekordspieler Thomas Brunner, damals Teil der siegreichen Elf, über den speziellen Tag gesprochen.

fcn.de: Servus Tom! Wenn du an den 28. März 1992 denkst, was fällt dir dann dazu ein?

Brunner: So ohne Vorwarnung hätte ich nicht direkt gewusst, um welchen Tag es sich handelt – das muss ich ehrlicherweise zugeben. Da ich ja etwas vorbereitet bin, weiß ich natürlich, dass es um ein besonderes Spiel gegen die Bayern geht.

fcn.de: Heute jährt sich der letzte Club-Sieg beim FC Bayern München. Du warst damals Teil der Club-Elf, als der FCN mit 3:1 im Münchener Olympiastadion gewann. Auch für dich ein Highlight deiner Karriere?

Brunner: Natürlich, das war rückblickend schon ein Highlight. Unabhängig von diesem einen Duell: Der 1. FC Nürnberg gegen den FC Bayern München war immer etwas Besonderes, ein Aufeinandertreffen zwischen Außenseiter und Favorit. Wir haben uns gegen die Bayern immer gut verkauft. Aber es gab auch andere, wichtigere Spiele für den Club oder auch für mich persönlich. Wenn ich zum Beispiel an den UEFA-Cup denke gegen AS Rom oder auch das Duell gegen die Bayern im DFB-Pokal 1982, das wir zwar 2:4 verloren, in dem wir aber trotzdem ein überragendes Spiel gemacht haben.

fcn.de: Wie hat man sich denn auf so ein Spiel gegen die „großen Bayern“ vorbereitet?

Brunner: Eigentlich war es ein ganz normales Spiel, jedoch natürlich mit einer anderen Brisanz als gegen Bochum oder Gladbach – es war halt immer „der große FC Bayern München“. Und wenn man gegen Bayern einen Punkt holt, war das für uns schon immer ein großer Erfolg, ein Sieg fast schon ein Wunder.

fcn.de: Betrachtet man die Aufstellung zum Spiel, zeigt sich ja ein hochkarätiger Club-Kader mit Köpke, Oechler, Eckstein, Zarate und Co. – Gab es jemanden, mit dem du am liebsten beim Club zusammengespielt hast?

Brunner: Einen Lieblings-Mitspieler hatte ich nie, wir waren alle zusammen eine wirklich ordentliche Truppe mit gutem Zusammenhalt in der Mannschaft. Wenn man sich die Namen durchliest, waren wir schon bestückt mit Spielern, die eine große Qualität hatten und Spiele auch entscheiden konnten. Insgesamt war es aber ein harmonisches Team: Wer auf dem Platz stand, hat immer alles gegeben, für den Verein, für die Mitspieler. Das war unser Prinzip.

fcn.de: Der FC Bayern startete damals schnell mit einer 1:0-Führung durch Mazinho in der 2. Spielminute. Kannst du dich erinnern, wie ihr euch in dem Moment gefühlt und gemeinsam darauf reagiert habt?

Brunner: Wenn man so früh in Rückstand gerät, ist es nie schön, egal gegen welche Mannschaft und gegen Bayern sowieso nicht. Aber wir haben trotz des frühen Rückstands direkt versucht, nach vorne zu arbeiten. Bayern spielte immer dominant und mit viel Ballbesitz. Wir waren vorab aber gut eingestellt und wussten damit umzugehen.

fcn.de: Mit Dieter Eckstein musste damals einer der Top-Stürmer verletzt früh raus. Habt ihr da gedacht, dass es jetzt schwer wird?

Brunner: Der Dieter war auf einer Stufe mit Zarate. Sie haben immer Spiele entscheiden können. Auch wenn Dieter mal eine halbe Stunde kaum bemerkbar auf dem Platz war, er war dann immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat durch seine Schnelligkeit viele Spiele für den Club entschieden. Es war schade, dass er verletzt raus musste, aber er ist ja dann super ersetzt worden.

fcn.de: Richtig, für ihn eingewechselt wurde Christian Wück…

Brunner: …der dann ja auch getroffen hat.

fcn.de: Und zwar mit seinem ersten Ballkontakt. Kopfball über Aumann, 1:1. Wück war ein absoluter Top-Joker beim Club, was zeichnete ihn aus?

Brunner: Auf den war immer Verlass. Er hat mit seinem linken Fuß und mit seiner Dribbelstärke viele Gegner verwirrt. Christian war zu diesem Zeitpunkt dann einfach ein passender Ersatz. Dieses schnelle Tor spricht natürlich auch für ihn.

fcn.de: Vor der Pause hat Zarate per Elfmeter dann das 2:1 gemacht. Wann hattest du das Gefühl, dass ihr das Spiel tatsächlich gewinnen könnt?

Brunner: Da gab es keinen bestimmten Moment. Wir waren gegen die Bayern immer zuversichtlich und haben uns auch was zugetraut. Wir sind da niemals angetreten und hatten die „Hosen voll“. Wir sind immer selbstbewusst in die Spiele gegangen und waren von den Trainern immer gut eingestellt auf die Bayern, um ihnen das Leben so schwer wie möglich zu machen. Uns war immer bewusst, dass ein Punkt oder ein Sieg drin ist – das war unser Auftreten.

fcn.de: Ihr habt der Bayern-Offensive dann auch nach der Pause standgehalten. Wer war dein Gegenspieler damals?

Brunner: Der Sturm vom FC Bayern war eigentlich schon immer hochkarätig besetzt, da musste ich mich bei diesem Spiel dann mit Mazinho und Labbadia auseinandersetzen. Über links kam bei den Bayern Manni  Bender hin und wieder durch, vorrangig war ich aber im Zentrum der Defensive für die beiden Stürmer in der Spitze zuständig. Beides waren sehr gute Spieler – gegen Bayern hatte man es als Abwehrspieler nie leicht, da musste man auf der Hut sein.

fcn.de: Was euch an diesem Tag sehr gut gelungen ist. Wie haben die Bayern-Spieler reagiert, als sie gemerkt haben, dass es nicht so läuft?

Brunner: Sicher hat man das in manchen Szenen gemerkt. Es kam in manchen Szenen schon Unmut auf. Aber die haben sich nicht aufgeführt oder wurden unfair. Es gab keinen Zirkus. Bei den Fans sah das natürlich anders aus, das war eine andere Hausnummer.

fcn.de: Eine andere Hausnummer war auch die Unterstützung der Club-Fans an diesem Tag. Weit über 10.000 Cluberer waren damals dabei.

Brunner: Die Atmosphäre ist gegen Bayern immer top gewesen, egal ob in Nürnberg oder im Olympiastadion. Das Stadion war immer voll besetzt und auch auswärts waren stets viele Cluberer dabei. Auch auswärts hat man sich tatsächlich wie zuhause gefühlt. Die Club-Fans haben viel Stimmung ins Olympiastadion reingebracht, da hat man von den Bayern gar nicht mehr so viel gehört.

fcn.de: In der 82. Minute hätte das Spiel dann nochmal kippen können, doch Andy Köpke hielt einen Elfmeter von Stefan Effenberg. Wie lief die Schlussphase?

Brunner: Die Bayern haben zum Schluss alles nach vorne geworfen. Vielleicht war es am Ende das Quäntchen Glück, was wir hatten, aber auch vor allem einen Andy Köpke, der den Elfmeter hält. Genau so etwas gehört bei solchen Duellen immer dazu. Wir haben einfach immer an unser Glück geglaubt und waren optimistisch.

fcn.de: In der 89. Minute setzte Zarate mit seinem Treffer zum 3:1 den Schlusspunkt. Kannst du das Gefühl beim Tor und anschließend beim Schlusspfiff beschreiben?

Brunner: Wenn man nah vor dem 2:2 steht und sieht, dass die Bayern immer weiter viele Torchancen haben und auch die Qualität haben, bis zum Schluss etwas entscheiden zu können – da war das 3:1 von Sergio dann natürlich eine Befreiung.

fcn.de: Zarate war damals einer der Publikumslieblinge bei Club. War er in all den Jahren auch dein bester Mitspieler in Nürnberg?

Brunner: Im Offensivbereich mit Sicherheit. Im Mittelfeld gab es mehrere. Hansi Dorfner zum Beispiel. Er war so ein richtiger Leader, der die Mannschaft auch mitgerissen und immer den Takt angegeben hat. Auch Manni Schwabl oder hinten Anders Giske. Im Tor mit Andy Köpke hatte man immer ein gutes Gefühl gehabt, falls es in der Abwehr mal nicht so funktioniert hat, hatte man immer noch einen hinten drin, der Fehler ausmerzen konnte. Ich möchte aber auch niemanden vergessen oder zu kurz kommen lassen, wir hatten in all den Jahren wirklich viele gute Spieler.

fcn.de: Nochmal zurück nach München: Kannst du dich noch erinnern, wie ihr diesen besonderen Sieg damals gefeiert habt?

Brunner: Wir sind nach dem Schlusspfiff selbstverständlich in die Kurve zu den Fans und haben mit denen ausgiebig gejubelt. An Feierlichkeiten danach kann ich mich nach so vielen Jahren nicht mehr erinnern. Aber grundsätzlich waren wir damals auch oft unsere Familien dabei, wenn wir nach Siegen zusammengesessen sind. Auch die Trainer und der ganze Betreuerstab. Das Miteinander wurde bei uns großgeschrieben. Das war immer schön, natürlich auch besonders schön gegen die Bayern.

fcn.de: Ihr habt die Saison damals am Ende auch vor den Bayern abgeschlossen. Wart ihr damals einfach das bessere Team?

Brunner: Ich glaube, das war eine Saison der Bayern, in der vieles unrund gelaufen ist. In der Spielzeit waren wir tatsächlich mehr als nur ein bisschen auf Augenhöhe mit den Bayern. Ein paar Jahre davor oder danach war das anders, da war meist mehr die Dominanz der Bayern gegeben.

fcn.de: Es war bis heute der letzte Club-Sieg in München. Warum hat es seitdem nicht mehr geklappt? Und vor allem: Wie lange dauert es noch, bis der Club mal wieder in München gewinnt?

Brunner: Also zuerst einmal müssten wir natürlich aus der zweiten Liga raus, da begegnen wir den Bayern nicht so schnell (lacht). Bayern wird immer der Favorit in diesem Duell bleiben. Du musst dir gegen die Bayern etwas zutrauen. Ein paar gute Spiele gab es ja seitdem schon auch gegen den FCB. Man muss ihnen einfach das Leben schwermachen und kämpfen bis zum Umfallen. Mit Körpereinsatz und Laufbereitschaft muss man die Dominanz und die technische Überlegenheit der Bayern wegmachen. Aber zunächst einmal der erste Schritt vor dem zweiten.


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