Mittwoch, 23.03.2011

Interview mit Ulrich Gräber

Vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan sprach fcn.de mit dem Geschäftsführer des Hauptsponsors AREVA.

Ulrich Gräber, Geschäftsführer der AREVA NP GmbH

fcn.de: Herr Gräber, wir alle stehen noch unter dem Eindruck der dramatischen Ereignisse in Japan. Wie haben Sie diese wahrgenommen?

Ulrich Gräber: Wir fühlen uns den Menschen in Japan verbunden, die nach dem Erdbeben und Tsunami großem Leid und großer Not ausgesetzt sind. Hinzu kamen noch die dramatischen Ereignisse im Kernkraftwerk Fukushima. Genau wie der 1. FC Nürnberg und seine Fans nehmen auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von AREVA großen Anteil am Schicksal der Menschen und sind in Gedanken in Japan. Neben einer Geldspende an das Japanische Rote Kreuz werden wir die Menschen vor Ort in der Präfektur Fukushima auch direkt mit speziellen Hilfslieferungen unterstützen.

fcn.de: Sie hatten ja Mitarbeiter vor Ort. Welche Aufgabe hatten diese in der Anlage in Fukushima?

Ulrich Gräber:  Unsere zehn vor Ort tätigen Mitarbeiter stellten dem Kraftwerkbetreiber ein Ultraschallprüfverfahren für Schweißnähte an Rohrleitungen vor. Das sind Verfahren, die zum Beispiel auch in der Luftfahrtindustrie oder in der Verkehrstechnik zum Einsatz kommen. Unsere Kollegen sind also allesamt hochqualifizierte Werkstoffprüfer. Unmittelbar nach dem Erdbeben wurden sie zusammen mit allen anderen Kraftwerkmitarbeitern, die nicht zum Notfallpersonal zählten, vom Kraftwerkbetreiber evakuiert. Wir sind sehr erleichtert, dass wir sie so schnell zu ihren Familien nach Deutschland zurückholen konnten.

fcn.de: Welchen Einfluss haben die Ereignisse in Japan auf die Partnerschaft zwischen dem 1. FC Nürnberg und AREVA?

Ulrich Gräber: Als Hauptsponsor sind wir in der Saison 2008/09 eingestiegen, als der Club gerade in die zweite Liga abgestiegen war. Seit zweieinhalb Jahren gehen wir gemeinsam einen erfolgreichen Weg mit dem 1. FC Nürnberg. Gerade in schwierigen Phasen zeigt sich, wie stark solch eine Verbindung ist. Wir pflegen stets einen offenen und transparenten Umgang miteinander, so auch in diesen Tagen. Wir haben unmittelbar nach den Ereignissen in Japan den Austausch mit dem 1. FCN gesucht und stehen in ständigem Kontakt. Das gute Verhältnis, das der Club und AREVA zueinander haben, ist Ausdruck dieser vertrauensvollen Partnerschaft. 

fcn.de: Welche Rolle spielt es für diese Partnerschaft, dass AREVA wie der Club in der Region zuhause ist?

Ulrich Gräber: Eine sehr große. AREVA ist ein Unternehmen, das seit Jahrzehnten in Franken beheimatet und das durch seine Mitarbeiter tief in der Region verwurzelt ist. Allein in Erlangen arbeiten derzeit 3 600 Menschen bei AREVA – Ingenieure, Kaufleute, Team-Assistenten, Facharbeiter, viele von Ihnen eingefleischte Club-Fans. An unseren Standorten in Deutschland und weltweit arbeiten wir daran, Technologien für eine sichere, zuverlässige und klimaschonende Stromversorgung zu entwickeln. Dazu gehört die Kernenergie, aber auch zunehmend Erneuerbare Energien wie Windkraft, Solarthermie und Biomasse.

fcn.de: Bedeuten die Vorfälle ein Umdenken in Sachen Stromerzeugung in Deutschland?

Ulrich Gräber: Die Geschehnisse in Japan haben uns betroffen und natürlich auch nachdenklich gemacht. Ich selbst arbeite seit über 35 Jahren in der Kerntechnik. Daher weiß ich, dass wir nicht zur Tagesordnung übergehen können und wir tun dies auch nicht. Kernenergie muss sicher sein, denn die Sicherheit und die Gesundheit der Menschen haben oberste Priorität. Dies gilt in Deutschland genauso wie in allen anderen Ländern. AREVA als Hersteller von Kernkraftwerken trägt seit Jahrzehnten mit Kompetenz und Sachverstand dazu bei, dass Kernkraftwerke sicher betrieben werden können. Wir werden daher das, was in Fukushima passiert ist, zusammen mit den Behörden und den Betreibern von Kernkraftwerken genau analysieren. Dann gilt es, daraus die entsprechenden Lehren zu ziehen. 

fcn.de: Können Sie die Emotionen rund um das Thema Atomenergie in Deutschland verstehen?

Ulrich Gräber: Ich habe natürlich Verständnis für diese Emotionen. Dennoch sind wir gut damit beraten, die Debatte sachlich zu führen. Sinn des Moratoriums der Bundesregierung ist es, vor dem Hintergrund der Ereignisse die Sicherheit der bestehenden Kernkraftwerke erneut zu überprüfen und zu bewerten. Wir werden hier in allernächster Zukunft mit all unserem Wissen und unserer Kompetenz massiv gefordert sein. Dafür steht AREVA und hierfür werden wir unseren Beitrag leisten, in Deutschland und weltweit.

fcn.de: Herr Gräber, vielen Dank für das Gespräch.


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