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Nachwuchs Donnerstag, 28.05.2020

Früher NLZ - heute... Talentscout: Gleiche Branche, anderer Weg

Flügelflitzer im Frankenstadion

Manche wurden Profis, andere Lehrer und wieder andere arbeiten für große Unternehmen. Alle verbindet sie eines: Irgendwann haben sie mal im NachwuchsLeistungsZentrum des 1. FC Nürnberg Fußball gespielt. fcn.de hat sich auf die Suche gemacht und wird in unregelmäßigen Abständen berichten, was aus ehemaligen NLZ-Spielern mittlerweile geworden ist. Heute: Niklas Hörber.

Sieben Minuten für die Ewigkeit. Länger brauchte Niklas Hörber nicht, um seinen Namen in die Geschichtsbücher des 1. FC Nürnberg zu schreiben. Sieben Minuten. Nicht gerade eine Ewigkeit, wenn man bedenkt, dass der Verein gerade 120 Jahre alt wurde. Trotzdem sind es sieben Minuten, die Hörber den meisten Menschen auf dieser Erde voraushat.

Vier Tore schoss Hörber in diesen sieben Minuten. Vier Tore für die Profis des neunmaligen Deutschen Meisters. Vier Tore. In sieben Minuten. Mit 17.

Ein neuer Stern

Ja, es war nur ein Testspiel gegen den SV Seligenporten. Trotzdem war es etwas Einmaliges. Als Hörber eingewechselt wurde, stand es 0:0. Außer Hörber hatte an diesem Tage keiner mehr getroffen. Und weil dem Nachwuchsstürmer beim nächsten Test mit den Profis gegen die SpVgg Weiden wieder ein Tor gelang, war die Sache klar: Hier strahlt der nächste Stern am Firmament des 1. FC Nürnberg.

Die Schlagzeilen waren groß. Hörber unterschrieb einen Profivertrag beim Club. Zu den eigenen Erwartungen gesellte sich nun der Druck von außen. Doch der Weg schien geebnet. Er trainierte regelmäßig mit den Profis. Beim DFB war man längst auf seine Fähigkeiten aufmerksam geworden. Hörber spielte Nationalmannschaft, trug neben Daniel Ginczek, Felix Kroos, Patrick Hermann oder Christoph Kramer den Adler auf der Brust.

Weiterentwicklung im NLZ

Es war der Lohn für fleißige Jahre im NLZ des 1. FC Nürnberg. Hörber: „Der Wechsel vom SK Lauf in das Club-NLZ war richtig und wichtig. Ich hatte hier gute Trainer über die Jahre und natürlich auch sehr gute Mitspieler. Davon habe ich in meiner Entwicklung profitiert.“ Hinzu kam seine tolle Einstellung und der konsequente Lebenswandel: „Ich habe mein komplettes Leben auf den Fußball ausgerichtet. Keine Freundin, kein Alkohol, keine Zigarette, kaum Partys.“

Elf Jahre später wissen alle: Niklas Hörber war nicht der nächste Stern am Fußballhimmel. Null Bundesligaspiele, null Zweitligaspiele. Den Versuch, Profi zu werden, beendete der Laufer 2012. 15 Einsätze in der dritten Liga stehen für ihn in der Statistik. Für die zweite Mannschaft von Werder Bremen...

Von der Pegnitz an die Weser

Nürnberg hatte er mit 20 Jahren verlassen. Der Vertrag war ausgelaufen, der Durchbruch ausgeblieben. Der Grund ganz einfach: „Ich hätte besser spielen müssen.“ Die Leistungen waren zu schwankend. Starken Trainingseinheiten bei den Profis folgten schwache Spiele in der U19, in der U23 standen ihm Angreifer wie Rubin Okotie oder Ahmet Kulabas im Weg. „Ich war zu einem Wanderer zwischen den Welten geworden. Training bei den Profis, Spiele in der U19, dazwischen Spiele und Training in der U23. Ich war überall dabei und nirgendwo zuhause, habe nirgendwo wirklich dazugehört.“

Also der Tapetenwechsel. Zum ersten Mal richtig raus aus Franken. Eine richtige Entscheidung. Von der Pegnitz an die Weser. Eine falsche Entscheidung. Hörber wechselte wieder zu einer zweiten Mannschaft. Werder Bremens Reserve kickte dritte Liga, war Auffangbecken für verletzte oder formschwache Kicker aus dem Bundesligateam. „Manchmal standen neun Profis auf dem Platz. Meine Konkurrenten waren Niclas Füllkrug, Sandro Wagner, Lennart Thy, Florian Trinks.“

Bundesliga - oder nichts!

Weil Hörber auch noch Verletzungsprobleme hatte, ging es zurück in die Heimat. Eine halbe Saison in der Regionalliga mit Bayern Hof, dann zum Abschluss noch mal zum SK Lauf. Dort, wo die Reise 1995 begonnen hatte, endete sie im Sommer 2015.

„Mit einem etwas längeren Atem hätte ich mich vermutlich in der dritten Liga etablieren können. Vielleicht wäre auch die zweite Liga drin gewesen“, blickt Hörber zurück. Es ist ein nüchterner Blick, keiner zurück im Zorn. Hörber ist mit sich im Reinen. „Mein Traum war es, Bundesligaspieler zu werden. Als ich erkannt habe, dass es dazu wohl nicht reichen wird, habe ich die Jagd abgebrochen. Ich wollte nicht bis 25, 26 einem Vertrag hinterherrennen und auf die eine Chance hoffen. Mein Motto war: Bundesliga – oder nichts!“

Gleiche Branche - anderer Weg

Nichts trifft es freilich auch nicht, wenn man sich ansieht, wie es für den heute 28-Jährigen weiterging. Hörber ist dem Fußball erhalten geblieben. „Ich wusste immer, dass es in diesem Sport einen Platz für mich gibt.“ Parallel zum Dualen Studium kümmerte er sich bei den Münchner Löwen um Gegneranalyse und Spielerscouting.

Es folgte ein Engagement als Talentscout in einer großen Spielerberater-Agentur. „Eine coole Aufgabe und sehr lehrreiche Zeit. Die Branche hat nicht den besten Ruf, teilweise zurecht. Es gibt mehr Berater als Bundesligaspieler. Mir persönlich geht es zwischenzeitlich in dieser Branche viel zu sehr ums Geschäft. Mir kommt dabei oft die individuelle Betreuung des Spielers zu kurz. Ich habe da einfach eine andere Vorstellung von Beratung. Spieler umfassend betreuen und beraten ist da fast gar nicht möglich. Man kann zwar versuchen, Kleinigkeiten anders zu machen, aber grundsätzlich schwimmt man mit oder man lässt es.“ Hörber ließ es.

Jetzt freut er sich auf eine neue Aufgabe. Hörber: „Mal sehen, wohin es mich verschlägt. In der heutigen Zeit wird die Nachwuchsarbeit für immer mehr Vereine immer wichtiger. Ich bin überzeugt, dass ich einem Verein mit meiner Erfahrung in Sachen Scouting und Kaderplanung gewinnbringend helfen kann.“

Kurz davor: Hörber wird eingewechselt
Kurz danach: Hörber wird gefeiert
Akrobatisch gegen Jannik Vestergaard
Für Deutschland gegen die VAE
Wiedersehen: Hörber mit Hof gegen den Club und Plattenhardt