Nachwuchs Dienstag, 17.11.2020

Früher NLZ, heute... Chef! Der weiße Hai verkauft jetzt Reisen

Spürnase, Kontaktmann, Begleitperson: Dieter Nüssing, Ralf Hürter und Ex-Zeugwart Chico Vogt

Manche wurden Profis, andere Lehrer und wieder andere arbeiten für große Unternehmen. Alle verbindet sie eines: Irgendwann haben sie mal im NachwuchsLeistungsZentrum des 1. FC Nürnberg Fußball gespielt. fcn.de hat sich auf die Suche gemacht und wird in unregelmäßigen Abständen berichten, was aus ehemaligen NLZ-Spielern mittlerweile geworden ist.

Aus dem Saarland in die Noris. Es gibt ein paar Beispiele dafür, dass dies ein durchaus kluger Weg sein kann, wenn man als Fußballer etwas werden will. Mike Frantz wäre eines. Philipp Wollscheid ein weiteres. Auch Florian Ballas und Manuel Zeitz sind diesen Weg gegangen und haben so den Sprung in den Profifußball geschafft. Und nicht zu vergessen: Eduard Löwen. Ja, der stammt aus Rheinland-Pfalz, wechselte aber vom 1. FC Saarbrücken zum Club.

Neben der Herkunft eint die Genannten noch etwas: Jeder wurde von Dieter Nüssing nach Franken gelockt. Die Spürnase des 1. FC Nürnberg stammt zwar nicht aus dem Saarland, als gebürtiger Koblenzer verfügt er aber über ausgezeichnete Kontakte dorthin.

Türöffner für Talente

Und darum geht der erste Anruf mit Fragen zu einem potentiellen Talent häufig in ein Reisebüro ins saarländische Schiffweiler. Am anderen Ende: Ralf Hürter. Ralf Hürter? Ja, Ralf Hürter. Blond, 1,86 Meter, ehemaliger Fußballer - und in dieser Funktion quasi der Erste, den Nüssing in seiner Rolle als FCN-Amateurtrainer aus dem Südwesten an den Valznerweiher lockte. 1999 war das. Und Hürter war damit der Türöffner für viele Talente, die folgten und bestimmt noch folgen werden.

Den Durchbruch als Profi haben nicht alle geschafft, fürs Leben mitgenommen haben sie trotzdem etwas. So war das auch bei Hürter: „Ich habe hier sehr viel gelernt. Nicht nur auf dem Platz. Standfestigkeit, Durchhaltevermögen, Kampfgeist und auch in aussichtslosen Situationen nicht aufgeben – das bringt einen auch im Alltag weiter.“ Wer erlebt hat, wie man ein 0:2 noch in ein 3:2 umbiegen kann, kämpft vielleicht etwas länger, um im Alltag Hürden zu überwinden.

Wolf, Paulus, Cacau als Mitspieler

Hürter: „Ich bin mit 18 Jahren zum ersten Mal daheim rausgekommen, hatte plötzlich so überragende Mitspieler wie Andi Wolf, Thomas Paulus, Cacau oder Marco Christ. Das war alles eine Nummer größer als zu Hause.“ Fußballerisch, sagen die, die sich an ihn erinnern, hatte er alles für die Bundesliga. Außer halt die Athletik und die Geschwindigkeit. Frank Kramer, ehemals U18-Bundestrainer, spielte damals auch beim FCN II mit Hürter. Er erinnert sich: „Ralf war ein feiner Kicker, ein richtiger Zocker. Aber irgendwann stieß er körperlich an die Grenzen, weil man ab einer gewissen Ebene nicht mehr alles mit Technik lösen kann.“

Hürter weiß, was Kramer meint: „Unter Friedel Rausch war ich mit Matthias Schiller häufiger bei den Profis dabei. Da hat man schnell gesehen, wo man mithalten kann – und wo nicht.“ Der Durchbruch blieb ihm somit verwehrt. Doch auch wenn es mit dem ganz großen Wurf nicht geklappt hat, sagt Hürter: „Ich bin zufrieden mit meinem Leben. Fußball ist cool, aber sicherlich nicht alles. Für mich war er eine Eintrittskarte ins Leben.“ Denn Hürter hat sich in der Zeit beim Club und in den Jahren danach ein Netzwerk aufgebaut: „Wichtig, schließlich gibt’s für jeden ein Leben nach dem Fußball. Bei einigen beginnt das mit 32, bei anderen eben schon mit 22...“

Spitzname von Friedel Rausch

Ganz aufgeben wollte er den Traum damals noch nicht. Beim SSV Jahn Regensburg wollte er über den zweiten Bildungsweg nach oben. Ganz oben war dann für ihn die dritte Liga mit dem SV Elversberg, Hürter war wieder im Saarland angekommen. Franken und der Club haben freilich einen festen Platz in seinem Herzen: „Ich habe hier sehr viel gelernt. Nicht nur auf dem Platz. Standfestigkeit, Durchhaltevermögen, Kampfgeist und auch in aussichtslosen Situationen nicht aufgeben – das bringt einen auch im Alltag weiter.“ Einen Spitznamen hatte er aus Nürnberg auch mitgebracht: Adebowale Ogungbure nannte ihn White Shark, Darius Kampa machte daraus Sharky und Friedel Rausch legte dann fest: Ab sofort ist Hürter nur noch „der weiße Hai“.

Mittlerweile verkauft der weiße Hai Reisen. Drei Angestellte hat er in seinem Laden und durch die Corona-Pandemie viel zu kämpfen. Doch er weiß, dass es sich lohnt. „Im Südwesten kennt quasi jeder Fußballer unseren Laden.“ Aufgrund der Pandemie hätten auch viele erkannt, dass der persönliche Kontakt und die Unterstützung bei der Planung durchaus hilfreich sein können.

Einen Tipp für die Talente der heutigen Zeit hat Hürter auch: „Hört auf Dieter Nüssing. Denn was die Nuss sagt, ist immer richtig...“ Und was sagt Dieter Nüssing dazu? Erst mal nichts. Der Talentscout konzentriert sich auf seine Arbeit und ist gespannt, ob es aus der U21 bald einer zu den Profis schafft. Tim Steinmetz zum Beispiel. Der kommt nämlich aus dem Saarland...

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