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Business Freitag, 25.05.2018

Franz Schäfer: "Merkel war ein faszinierender Mensch"

1954 kam Franz Schäfer als Jugendspieler zum 1. FCN, 20 Jahre später wurde er Manager beim Club. Dazwischen begleitete der ehemalige Club-Präsident die Meistersaison 1967/68 als Sportchef der Nürnberger Zeitung. Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums sprach fcn.de mit Schäfer über die Unterschiede der Sportberichterstattung zur heutigen Zeit, das Verhältnis zu den Meisterspielern und warum ihn Trainerlegende Max Merkel einst verklagte.

fcn.de: Warum sind Sie überhaupt Sportjournalist geworden?

Franz Schäfer: Weil ich als Fußballer, als Torhüter zu schlecht war (lacht). Ich kam 1954 nach Nürnberg und wollte eigentlich eine Karriere als Fußballer starten. Ich kam in die Club-Jugend, habe ein paar Spiele gemacht, übrigens zusammen mit Spielern wie Strehl und Hilpert. Ich habe dann relativ schnell gemerkt, dass ich es nicht packe und war anschließend für Zeitungen tätig. 1965 wurde ich Sportchef der Nürnberger Zeitung.

fcn.de: Wie lief denn die Sportberichterstattung im Meisterjahr ab?

Franz Schäfer: Als Sportredakteure der NZ haben wir die Spielberichte geschrieben. Auswärts sind wir oft mit Kollegen zusammen mit dem Auto nach Hamburg, Berlin und überall hin gefahren. Zum Teil waren es lange Reisen, oft hat mich auch meine Frau begleitet, die dann mit der Schreibmaschine auf dem Schoß saß und der ich dann auf dem Heimweg Spielkritik und Stimmen diktiert habe. Wenn du in der Meistersaison von einem Heimspiel heimkamst, musstest du sonntags früh um neun deine Manuskripte abliefern.

fcn.de: In Zeiten von Laptop, Smartphones und Internet kaum noch vorstellbar.

Franz Schäfer: Es sind totale Unterschiede. Heute schreibst du direkt in den Computer, das gab’s damals natürlich nicht. Man hatte an seinem Presseplatz ein Telefon, von dort hat man dann jemandem berichtet, was passiert, der wiederum aus den Erzählungen einen Bericht formte.

fcn.de: Und abseits der Technik: Wie war damals der Umgang mit den Spielern?

Franz Schäfer: Der Umgang war auch vollkommen anders. Dadurch, dass ich mit einigen selber schon gespielt hatte, entwickelten sich Freundschaften. Bei Auswärtsfahrten im Schlafwagen ist man nachts auch mal nicht ins Bett, sondern hat zusammen ein paar Biere getrunken. Auch das Anmelden für Interviews gab’s damals nicht. Mit allen war man „per Du“. Die Interviews wollte dann auch niemand Gegenlesen.

fcn.de: Und die Beziehung zu Trainer Max Merkel?

Franz Schäfer: Er war ein faszinierender Mensch. Ich persönlich hatte mal einen riesigen Zoff mit ihm, er hatte mich aufgrund seiner fristlosen Kündigung beim Club auf 200.000 DM Schadensersatz verklagt. Mein zweiter Redakteur hatte aus Wien einen Satz aus einer Fernsehsendung zitiert, dort bezeichnete Merkel den Club als Ganovenverein, als er noch amtierender Trainer war. Der 1. FC Nürnberg nutzte das wohl, um ihn dann zu entlassen. Merkels Rechtsanwalt meinte dann, dass diese Sätze jedoch nie gefallen seien. Am Ende konnten wir doch noch belegen, dass er diese Sätze so gesagt hatte.

fcn.de: Wie verfolgen Sie heute noch den Club?

Franz Schäfer: Beim Club bin ich als Altpräsident, Beiratsmitglied und Mitglied im Ehrungsausschuss noch sehr eingebunden. Ich bin bei jedem Heimspiel und ab und zu auch auswärts. 1954 bin ich zum Club gekommen, das kann man nicht mehr abstreifen. Egal, ob es gut oder schlecht läuft. Man hängt halt dran.

Hier geht's zur großen Multimedia-Story zur 1968er Meisterschaft