Profis Teamcheck Donnerstag, 20.02.2014

Eintracht Braunschweig: Aufgeben? Niemals!

28 Jahre war die Eintracht nicht in der Bundesliga vertreten. Was sich in den vergangen Jahren alles änderte, verraten wir euch im Teamcheck.

Foto: Picture Alliance

Die Freudentränen über die Rückkehr in die Bundesliga nach 28 Jahren waren noch nicht richtig getrocknet, da dürfte sich die Eintracht aus Braunschweig mit einer Mischung aus Verwunderung und Ärger die Augen gerieben haben: Dass sie bei den Saisonprognosen nicht sonderlich hoch gehandelt wurde, hätte sie nicht gestört, schließlich war und ist ihr bewusst, wie schwierig der Ligaerhalt für sie werden wird. Dass sie aber hier und da wahlweise als Kanonenfutter bezeichnet wurde, war dann schon des Schlechten zuviel.

Dieses Ihr-habt-gar-keine-Chance-Gerede hat den Niedersachsen irgendwie auch ein Stück weit in die Karten gespielt, auch wenn deren Moral und Zusammenhalt ohnehin schon seit Jahren top waren – und selbstredend bis heute geblieben sind. Gegen eine kleine Extra-Portion Motivation aber ist ja auch nichts einzuwenden, vor allem wenn die Situation vermeintlich aussichtslos scheint. Und das war sie für die Braunschweiger in den zurückliegenden Monaten des Öfteren. Mehrmals drohte sie ihn zu verpassen, den Anschluss, immer wieder zog sie sich dann selbst aus dem Sumpf, wenn die wenigsten damit rechneten.

Neu erfunden

Mit den wenigsten ist übrigens der Rest der Republik gemeint, denn der Zuspruch, den die Eintracht in der Stadt und in der Region genießt, ist nahezu unerschütterlich. Dies hat sie sich allerdings zuletzt hart erarbeitet – dieses „zuletzt“ ist übrigens exakt zu benennen. Und zwar fällt es mit dem Dienstantritt von Torsten Lieberknecht als Cheftrainer zusammen, der im Frühjahr 2008 drei Spieltage vor Schluss in der Regionalliga erfolgte. Auf wundersame Weise schaffte er die nicht mehr für mögliche gehaltene Qualifikation für die neue 3. Liga und es dann in der Folgezeit, den kränkelnden Traditionsverein mit dem im Juni 2008 dazugekommenen Manager Marc Arnold quasi neu zu erfinden.

Mag ihre Philosophie auch aus der (Geld-)Not geboren worden sein, so hat sie sich doch für die Eintracht als Glücksgriff erwiesen: Die strikte Begrenzung des finanziellen Risikos, das Setzen auf talentierte Nachwuchskräfte sowie auf hungrige, weil bislang andernorts nur mäßig erfolgreiche Profis in Verbindung mit der Maxime „die Mannschaft ist alles, der einzelne nichts“. Das hat den Verein binnen fünf Jahren wieder dorthin geführt, wohin er von seinem Selbstverständnis her nie für fast drei Jahrzehnte hätte verschwinden dürfen.

Mit Lieberknecht und Arnold ging es bergauf

Anders ausgedrückt: Lieberknecht und Arnold haben die Sehnsucht nach der Erstklassigkeit erfüllt, ohne nun aber die Fehler zu begehen, die den Klub einst so weit von ihr wegbrachten. Auch nach dem Aufstieg in Liga eins haben sie nicht am großen Rad gedreht, in dem Wissen, dass die individuelle Klasse ihres Kaders den Abstieg alles andere als unwahrscheinlich werden lässt. Nur, auch der andere Weg, das Einkaufen auf Teufel-komm-raus, hätte keine Garantie beinhaltet, sondern nur die Gefahr, dass sich die Eintracht auf Jahre hinaus böse verschuldet und am Ende doch absteigt. „Wir wollen hier etwas Nachhaltiges aufbauen“, betont der Trainer, ohne freilich in Sachen Ligaverbleib die weiße Fahne zu schwenken. Im Gegenteil. „Die Abstände sind so gering, dass wir eine große Chance haben“, fügt Lieberknecht kämpferisch an.

Apropos kämpferisch: Die Mentalität seiner Mannschaft ist es, die berechtigten Anlass für Optimismus gibt. Siehe das vergangene Spiel gegen den HSV. In dem richtungweisenden Kellerderby lag die Eintracht zur Halbzeit mit 0:1 zurück, und alle Zeichen standen auf Niederlage. Das begann damit, dass die Mannschaft mäßige erste 45 Minuten hingelegt hatte und endete mit wenig erbaulichen Statistiken. Noch nie hatte der Aufsteiger nach einem 0:1-Rückstand gewonnen, seinem Sturm, der mit elf Toren schlechteste der Liga, waren noch nie mehr als zwei Treffer in einer Partie gelungen.

Braunschweiger Stehaufmännchen

Schlechte Vorzeichen also für Hälfte zwei, doch dann schlugen sie zu, die Stehaufmännchen aus Braunschweig: Wie verwandelt kamen sie aus der Kabine und erteilten dem HSV in punkto Geschlossenheit sowie Siegeswillen eine Lektion. Keiner weiß derzeit, ob die Eintracht nach diesem 4:2 am Ende ihr großes Ziel erreicht, aber was sicher ist: Aufgeben, aufstecken wird diese Mannschaft zu keiner Sekunde – und wehe dem, der sie unterschätzt.

Spieldaten

22. Spieltag, Bundesliga 2013/2014
2 : 1
1. FC Nürnberg
46. Hiroshi Kiyotake 1:1
47. Tomas Pekhart 2:1
Eintracht Braunschweig
34. Domi Kumbela 0:1
Stadion
Grundig Stadion
Datum
22.02.2014 14:30 Uhr
Schiedsrichter
David Siebert
Zuschauer
36657

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Angha, Nilsson, Pinola, Plattenhardt - Frantz, Gebhart (34. Petrak), Feulner, Kiyotake (69. Pogatetz), Hloušek (46. Pekhart) - Drmic
Reservebank
Rakovsky, ??, Pogatetz, Campaña, Mak, Pekhart, Petrak
Trainer
Gertjan Verbeek
Eintracht Braunschweig
Petkovic - Kessel, Bicakcic, Correia, Reichel (78. Ademi) - Theuerkauf, Boland, Pfitzner (78. Vrancic), Hochscheidt - Kumbela, Nielsen
Reservebank
Later, Dogan, Henn, Washausen, Kratz, Vrancic, Ademi
Trainer
Torsten Lieberknecht

Ereignisse

23. min Spielstand: 0:0
Martin Angha

32. min Spielstand: 0:0
Per Nilsson

34. min Spielstand: 0:0
Ondrej Petrak kommt für Timo Gebhart

34. min Spielstand: 0:1
Domi Kumbela

40. min Spielstand: 0:1
Raphael Schäfer

42. min Spielstand: 0:1
Marvin Plattenhardt

46. min Spielstand: 0:1
Tomas Pekhart kommt für Adam Hloušek

46. min Spielstand: 1:1
Hiroshi Kiyotake

47. min Spielstand: 2:1
Tomas Pekhart

67. min Spielstand: 2:1
Ken Reichel

69. min Spielstand: 2:1
Emanuel Pogatetz kommt für Hiroshi Kiyotake

71. min Spielstand: 2:1
Marc Pfitzner

78. min Spielstand: 2:1
Damir Vrancic kommt für Marc Pfitzner

78. min Spielstand: 2:1
Orhan Ademi kommt für Ken Reichel

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