"Ein wettbewerbsfähiges Stadion ist der nächste Schritt"
Rapha Schäfer über die aktuelle Situation, das Duell mit Dieter Hecking und die Stadion- Diskussion.
fcn.de: Der Club hat in den letzten drei Spielen sieben Punkte geholt und liegt in der Rückrundentabelle auf Platz vier. Warum läuft es derzeit so gut?
Raphael Schäfer: Hätten wir aus den letzten drei Partien nur ein, zwei Punkte geholt, würden wir uns jetzt über ganz andere Dinge unterhalten. Man muss schon auf dem Boden bleiben und versuchen, einen Mittelweg zu finden und nicht in Extremen zu denken. Wir wissen, dass es nicht selbstverständlich ist, wie wir zuletzt gepunktet haben und dass es so weitergeht. Allerdings muss man diese Punkte eben auch erstmal holen. Das ist uns gelungen.
fcn.de: Der eine oder andere Beobachter meinte, dass der Club zuletzt auch sehr vom Glück begünstigt wurde oder von Schiedsrichterentscheidungen profitiert hat.
Raphael Schäfer: Der Club hatte auch schon viele Spiele, in denen er Pech hatte oder es strittige Szenen gegen uns gab. Da hat niemand vom Club gejammert. Zuletzt gab es natürlich ein paar 50:50-Situationen, die man so oder so auslegen konnte und die dann eben für uns ausgelegt wurden. Wir werden uns dafür bestimmt nicht entschuldigen.
fcn.de: Es heißt immer, dass niemand gerne gegen den Club spielt. Warum? Was macht diese Mannschaft, was andere Teams offenbar nicht machen?
Raphael Schäfer: Wir stehen sehr kompakt und sicher, sind immer gut organisiert, aggressiv und präsent in den Zweikämpfen. Und wir rufen in jedem Spiel das ab, was wir können. Deshalb ist es nicht so einfach, gegen uns Chancen herauszuspielen. Ich denke, den Gegnern macht es darum wenig Spaß, gegen uns zu spielen.
fcn.de: Nach den erfolgreichen letzten Wochen ist zum Teil schon wieder vom Europacup die Rede. Wie siehst du das als Spieler, der schon viel erlebt hat: Euphorie mitnehmen und träumen oder lieber Ball flach halten?
Raphael Schäfer: Wir als Mannschaft sind nicht fürs Träumen zuständig. Wir wissen, dass so etwas vor allem in den Medien immer ganz schnell geht. Vor ein paar Wochen war’s noch der Abstiegskampf, jetzt geht’s um Europa. Wir können das schon sehr gut einordnen und sind deshalb ganz entspannt. Klar ist: Wenn wir so weitermachen, dann werden wir die Saison auch gut zu Ende spielen.
fcn.de: Nach den Erfolgen zuletzt wurden auch schon Rufe laut, Verein und Trainer sollen ihre Absprache über den Haufen werfen und nicht erst im Mai entscheiden, wie es weitergeht, sondern den Vertrag von Michael Wiesinger und Armin Reutershahn sofort verlängern.
Raphael Schäfer: Das Schöne ist, dass immer noch die Beteiligten entscheiden, wann die Gespräche geführt werden, und nicht irgendwelche Außenstehenden. Dafür gibt es ja die Verantwortlichkeiten im Verein. Und deshalb mache ich mir da gar keine Sorgen.
fcn.de: Am Sonntag geht es nach Wolfsburg zu Ex-Trainer Dieter Hecking. Guckt man inzwischen mehr zum VfL, um zu sehen, wie sich der Verein unter Dieter Hecking entwickelt?
Raphael Schäfer: Wir sind in der komfortablen Situation, nicht auf andere schauen zu müssen. Natürlich wird es am Sonntag ein besonderes Spiel werden. Dieter Hecking hat ja bei seinem Wechsel Gründe genannt, warum er nach Wolfsburg geht, und wir wollen ihm nun das Gegenteil beweisen. Finanziell ist der VfL vielleicht eine andere Adresse, aber wenn man die Mannschaft und das Drumherum bewertet, dann denke ich, dass es hier in Nürnberg eindeutig besser ist. Das wollen wir ihm am Sonntag zeigen.
fcn.de: Wie schmerzhaft war dieser kurzfristige Wechsel, noch dazu zu einem Konkurrenten im Tabellenkeller, tatsächlich?
Raphael Schäfer: Der Profi-Fußball ist nun mal ein Geschäft. Und wenn sich jemand finanziell und aus seiner Sicht auch sportlich verbessern kann, dann muss man die Entscheidung so hinnehmen. Natürlich hätten wir auch gerne mit Dieter Hecking weitergemacht. Wir waren dreieinhalb Jahre sehr erfolgreich und haben immer unsere Ziele erreicht. Aber: Er hat sich anders entschieden und damit muss man klarkommen. Und wenn man unsere Rückrunde bislang sieht, sind wir ganz gut damit klargekommen.
fcn.de: 34 Punkten stehen nach 26 Spielen zu Buche. Wie bewertest du diese Saison bis hierhin?
Raphael Schäfer: Ich denke, dass wir bis jetzt eine gute Saison gespielt haben und auch eine Entwicklung festzustellen ist. Natürlich ist, wenn man die Tabelle betrachtet, noch Luft nach oben. Aber es geht ja nicht um irgendwelche unrealistischen Wünsche, sondern um die Ziele des 1. FC Nürnberg. Und für die Möglichkeiten, die wir haben, holen wir momentan das Optimum raus.
fcn.de: Du bist schon seit 2001 beim Club und hast mit dem Verein viel erlebt. Wie bewertest du die Entwicklung des Vereins?
Raphael Schäfer: Der Verein hat sich in dieser Zeit enorm weiterentwickelt, Grundlagen geschaffen und sich strukturell immer weiter verbessert. Das neue Funktionsgebäude war wichtig, das Trainingsgelände passt nun ideal. Der nächste Schritt ist jetzt, ein wettbewerbsfähiges Stadion zu bekommen. Momentan ist das nicht der Fall. Wir sind aktuell der einzige Bundesligist mit einer Laufbahn ums Spielfeld. Hätten wir schon jetzt ein reines Fußballstadion, dann wäre es gegen uns mit der Stimmung und den Fans im Rücken noch viel schwerer, Punkte zu holen. Da bin ich sicher. Es wird hier und da so dargestellt, als ob das irgendwelche Hirngespinste von Martin Bader wären. Aber Fakt ist doch: Wenn man sich weiterentwickeln und in der Bundesliga mitspielen will, ist das der nächste Schritt für den Verein.