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Profis Teamcheck Donnerstag, 07.05.2015

Ein wenig Zickzack inmitten von viel Kontinuität

Eintracht Braunschweig startete sowohl nach der Sommer- als auch nach der Winterpause schwach. Trotzdem ist der Aufstieg noch möglich.

Foto: Picture Alliance

Wer ein bekennender Freund von Kontinuität ist und gleichzeitig sein Fußballherz an die Eintracht aus Braunschweig verloren hat, den stellt diese Saison vor eine harte Bewährungsprobe. Nichts ist es mit einer geradlinigen Leistungskurve, Zickzack heißt die Devise. Wobei, halt, inmitten des Auf und Ab gibt es sehr wohl eine Konstante. Und zwar die des Hängenbleibens im Startblock.

Zweimal ist den Niedersachsen dieses Missgeschick widerfahren, erst im Sommer, dann beim Wiederbeginn des Ligabetriebes in diesem Jahr. Nun könnten die Niedersachsen beim Blick auf die Tabelle schon ins Hadern kommen: Wo würde die Eintracht stehen, wenn sie den Start nicht zweimal in den Sand gesetzt hätte? Anstatt „nur“ Tuchfühlung auf die Aufstiegsplätze zu haben, würde die Eintracht wohl heute als Gejagte und nicht als Jagende in die Partie gehen.

Fans durch nichts zu erschüttern

Die Braunschweiger Macher indes denken nicht so. „Für uns geht es in erster Linie darum, nach dem großen Abenteuer Bundesliga eine stabile Saison hinzulegen“, grätschte der Sportliche Leiter Marc Arnold vor allem immer dann resolut dazwischen, wenn der vermeintlich uneinholbare Abstand auf die Aufstiegsränge der Eintracht vorwurfsvoll unter die Nase gerieben wurde.

Dies übrigens niemals von den Fans in der Kurve, deren Begeisterungsfähigkeit für die Eintracht ist durch nichts zu erschüttern. Siehe das besagte Abenteuer Bundesliga. Auch wenn sich der Traditionsverein in vielen Spielen auf Augenhöhe mit dem Gegner bewegte, so stieg er objektiv betrachtet mehr oder minder chancenlos ab. Dabei offenbarte die Mannschaft aber einen Charakterzug, der sie erstens überhaupt erst in die Bundesliga brachte und den sie auch in dieser Spielzeit pflegt: Aufgeben, sich hängenlassen? Niemals, gerade wenn auch nichts mehr für die Eintracht spricht.

Total-Absturz drohte

So hatten sich in der vergangenen Saison die zur Winterpause vermeintlich weit abgeschlagenen Niedersachen wieder heran gekämpft, so sind sie in dieser Runde zweimal zurückgekehrt ins Aufstiegsrennen. Kein Wunder also, dass die Fans dies honorieren und bedingungslos hinter der Mannschaft stehen. Als der Bundesliga-Abstieg endgültig feststand, gab es kein Pfeifkonzert, kein depressives Schweigen. Im Gegenteil. Der Eintracht-Anhang feierte das Team, weil er spürte, dass die Mannschaft immer alles gab.

Und weil er nicht vergessen hatte, wo der Klub herkam. Der Deutsche Meister von 1967 hing nämlich von 2007 an vier Jahre lang in der Drittklassigkeit fest, zeitweise drohte gar der Absturz in die vierte Liga. Und da der stolze Traditionsverein auch in den Jahren vor 2007 keineswegs kontinuierlich unter den Top 25 der deutschen Vereine zu finden war, hatte er den Anschluss verpasst – mit einem Minus auf dem Bankkonto und einer Infrastruktur, die nicht mehr zeitgemäß war.

Erfolgsduo Arnold und Lieberknecht

Marc Arnold und Trainer Torsten Lieberknecht änderten dies grundlegend. Anders ausgedrückt: Dieses Duo holte im Eiltempo die verpassten Jahre für die Eintracht nach. Ihr Erfolgsrezept liest sich dabei höchst simpel: Unaufgeregte Kontinuität und grundsolides Wirtschaften sind die Haupt-Ingredienzien. Der Aufstieg in Liga 2 2011, der in Liga 1 zwei Jahre später sind die auf den ersten Blick herausstechenden Eckpfeiler ihres Schaffens, während der besagte Abstieg vermeintlich den Rückschlag darstellt.

War er aber nicht, denn die beiden nutzten den Glücksfall Bundesliga, um den Verein für die Zukunft gut aufzustellen. Die Infrastruktur ist verbessert worden, anstatt mit vollem Risiko in Beine zu investieren, die wiederum auch keine Garantie dafür gewesen wären, die Liga zu halten. Und auch diese Saison, deren Verlauf sich für einen Bundesliga-Absteiger zunächst mal nach zu viel Mittelmaß anfühlt, ist im Wortsinn zukunftsweisend.

Alles noch möglich

Viele der Aufstiegshelden von einst sind weg oder müde geworden, der Strukturwandel deswegen unvermeidbar. Die Zukunft hat längst begonnen. Siehe den in der Winterpause verpflichteten dänischen Stürmer Emil Berggreen. 21 Jahre ist dieser wuchtige Angreifer erst alt und höchst vielversprechend, und dies nicht nur weil er beim jüngsten 2:0 über den FSV beide Tore erzielte. Wobei er ja auch im Hier und Jetzt bereits das Zünglein an der Waage sein kann.

Die Eintracht ist wie gesagt rechtzeitig auf Touren gekommen, Torsten Lieberknecht hat also doch recht behalten. Vor wenigen Wochen, als die Aufstiegsplätze noch richtig weit weg waren, verriet der Eintracht-Trainer nämlich, dass er so ein Gefühl habe, als könne seine Elf noch mal richtig im Aufstiegsrennen mitmischen. Vor dem anstehenden Spiel vermag Lieberknecht dies zu präzisieren: „Selbst Platz 2 ist machbar“.

Spieldaten

32. Spieltag, 2. Bundesliga 2014/2015
3 : 1
1. FC Nürnberg
32. Ken Reichel (Eigentor) 1:0
52. Danny Blum 2:0
67. Guido Burgstaller 3:0
Eintracht Braunschweig
69. Emil Berggreen (Kopfball) 3:1
Stadion
Grundig Stadion
Datum
10.05.2015 12:30 Uhr
Schiedsrichter
René Rohde
Zuschauer
27985

Aufstellung

1. FC Nürnberg
Schäfer - Celustka - Hovland - Bulthuis - Pinola - Petrak - Stark - Burgstaller - Schöpf (72. Mlapa) - Kerk (58. Koch) - Blum (80. Nikci)
Reservebank
Rakovsky, Bihr, Pachonik, Koch, Nikci, Mlapa, Teuchert
Trainer
René Weiler
Eintracht Braunschweig
Gikiewicz - Kessel - Decarli - Correia - Reichel - Washausen (57. Düker) - Theuerkauf - Zuck - Boland (57. Berggreen) - Hochscheidt (79. Omladic) - Nielsen
Reservebank
Petkovic, Hedenstad, Henn, Korte, Omladic, Berggreen, Düker
Trainer
Torsten Lieberknecht

Ereignisse

32. min Spielstand: 1:0
Eigentor: Ken Reichel

52. min Spielstand: 2:0
Danny Blum

57. min Spielstand: 2:0
Emil Berggreen kommt für Mirko Boland

57. min Spielstand: 2:0
Julius Düker kommt für Jan Washausen

58. min Spielstand: 2:0
Robert Koch kommt für Sebastian Kerk

67. min Spielstand: 3:0
Guido Burgstaller

69. min Spielstand: 3:1
Emil Berggreen

72. min Spielstand: 3:1
Peniel Kokou Mlapa kommt für Alessandro Schöpf

79. min Spielstand: 3:1
Nik Omladic kommt für Jan Hochscheidt

80. min Spielstand: 3:1
Adrian Nikci kommt für Danny Blum

84. min Spielstand: 3:1
Guido Burgstaller

90.(+2) min Spielstand: 3:1
Nik Omladic