Profis Dienstag, 11.08.2020

Eckstein Interview Teil II: "Ich habe einfach draufgeknallt"

Im zweiten Teil des Interviews wirft Dieter Eckstein zusammen mit fcn.de einen Blick zurück auf seine beeindruckende Torquote, Kalauer in der Kabine und auf sein Leben nach der Profikarriere.

fcn.de: Den positiven Einfluss auf deine Karriere sieht man schon alleine an den Zahlen: Mit 88 Treffern bist du bis heute der Spieler mit den zweitmeisten Treffern für den Club. Hattest du ein Erfolgsgeheimnis vor dem Kasten?

Dieter Eckstein: Da hatte ich keins. Wenn man als Stürmer sagt, dass man ein Erfolgsgeheimnis hat, dann stimmt irgendwas mit seinen Füßen nicht. Mein Erfolg wurde an Toren gemessen und wenn ich vor dem Tor stand habe ich einfach draufgeknallt. Manchmal war er drin, manchmal ist er drüber gegangen, manchmal vorbei und manchmal ist er auch aus dem Stadion geflogen. Ich habe mir vor einem Schuss keine Gedanken gemacht. Anscheinend hat es ja funktioniert, 88 Tore sind ja auch nicht schlecht (lacht).

fcn.de: Abgesehen von den vielen Toren, gibt es einen Moment, auf den gern zurückblickst? Eine Anekdote vielleicht?

Dieter Eckstein: Ich muss ihn immer wieder erwähnen, weil er neben Hubert Müller mein größter Förderer war: Heinz Höher. Wir hatten eine Spielersitzung vor einem Bundesligaspiel. Die Aufstellung stand fest und er kam rein mit einem Zettel, auf dem ein 100 D-Mark-Schein geklebt war. Wir haben uns alle gewundert. Da sagt er ganz locker, dass er uns vor der Sitzung eine Frage stellen will und wer die beantworten kann, der bekommt das Geld. Die Frage war: „Was darf Hansi Dorfner in einem Bundesligaspiel nie mehr machen?“ Wir haben gerätselt und gerätselt und der Rudi Stenzel antwortet wie aus dem Gewehr geschossen, dass Dorfner nie wieder mit dem linken Fuß auf’s Tor schießen darf. Dann war er um 100 D-Mark reicher. Im vorherigen Spiel hat Hansi versucht aus 20 Metern mit links abzuschließen und der Ball ist bestimmt noch heute unterwegs, so langsam ist der gerollt (lacht). Ja, sowas bleibt im Kopf.

fcn.de: Trotz deiner Erfolge: gibt es etwas, das du anders machen würdest?

Dieter Eckstein: Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn ich mir einen anderen Manager gesucht hätte, der mein Geld ein bisschen optimaler angelegt hätte. Vielleicht hätte ich mehr Spiele für die Nationalmannschaft gemacht, wenn ich ein hundertprozentiger Profi gewesen wäre. Insgesamt kann ich mich aber nicht beschweren, ich bin mit meiner Karriere zufrieden. Ich durfte später Schalke kennenlernen, was auch ein Highlight meines Lebens ist, ich habe in Frankfurt zwei Jahre gespielt und super Typen kennengelernt. Bei manchen Spielern liefen die Karrieren immer geradeaus, bei mir waren auch mal Kurven drin. Das ist eben ein typischer Dieter Eckstein; wenn es immer geradeaus gegangen wäre, dann hätte ich nicht so viele Bundesligaspiele gemacht. Ab und zu habe ich auch mal abbiegen müssen.

fcn.de: Was macht ein Dieter Eckstein heutzutage, nach seiner Profikarriere?

Dieter Eckstein: Ich habe eine Fußballschule hier in Waging am See, wo ich auch seit knapp vier Jahren wohne. Im Sommer trainiere ich Kinder auf einem Campingplatz. Wir haben ein Konzept für die Kinder entwickelt, dass wir sie auch mal vom Fernseher oder vom Computer wegbekommen – deswegen trainieren wir die Kinder auch kostenlos. Seit 10 Jahren läuft das schon und es kommt super an. Seit 3 Jahren betreibe ich ebenfalls eine Soccergolfanlage. Es ein bisschen wie Minigolf nur mit Fußbällen. Die Bahnen sind knapp 130 Meter lang und man muss den Ball eben mit dem Fuß einlochen. Die Teams aus der Umgebung kommen hierher und nutzen das auch als Trainingseinheit. Ich bin sehr zufrieden, wie es gerade läuft.

fcn.de: Wie verfolgst du momentan den FCN?

Dieter Eckstein: Nicht mehr so wie früher. Hier in Waging gibt es hundertprozentige Club-Fans und während der Relegation wurde ich natürlich auch darauf angesprochen, weil die Leute mich ja noch vom 1. FC Nürnberg kennen. Ich verfolge es so gut es geht, ab und zu denkt man sich natürlich mein Gott, was ist denn da unten los? Da melden sich dann auch alle wieder, wollten mich interviewen. Da habe ich auch keinen Kommentar abgegeben. Ich wollte mich von dem Ganzen distanzieren, irgendwann muss man auch mal davon abschalten. Natürlich hat es mich gefreut, dass es am Ende gut ausgegangen ist.

fcn.de: Gibt es noch etwas, was du dem Club mit auf den Weg geben möchtest?

Dieter Eckstein: Ich würde mir gern ein bisschen mehr Konstanz von der Mannschaft wünschen. Hoffentlich kehrt nun etwas Ruhe ein und der Club kann in den nächsten Jahren in der 1. Bundesliga spielen. Das hoffe ich, für die Fans und für die Region.